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PEKING / LONDON (IT BOLTWISE) – Auf der Weltkonferenz für traditionelle Medizin 2026 in Peking ist ein erstes internationales, nicht-kommerzielles Wissenschaftsbündnis für traditionelle und integrative Medizin gestartet. Zum Start sind 117 Einheiten und Einzelpersonen aus 19 Ländern und Regionen beteiligt, darunter Universitäten, Forschungsinstitute und medizinische Fachorganisationen. Das Bündnis will weltweite Forschungsinitiativen koordinieren, gemeinsame Terminologien und Standards schaffen und den Austausch zwischen evidenzbasierter moderner Medizin und traditionellen Heilansätzen ausbauen. Gleichzeitig rückt die Konferenz den Einsatz moderner Technologien, inklusive KI, in den Mittelpunkt.

Wissenschaftsbündnis für traditionelle Medizin startet mit 117 Mitgliedern in Peking
Wissenschaftsbündnis für traditionelle Medizin startet mit 117 Mitgliedern in Peking (Foto: IT BOLTWISE)
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Dass sich traditionelle und integrative Medizin stärker in Richtung internationaler Forschungskooperationen bewegt, wird in Peking gerade nicht nur als politisches Signal verkauft, sondern organisatorisch konkret: Auf der Weltkonferenz für traditionelle Medizin 2026 wurde ein neues, nicht-kommerzielles Wissenschaftsbündnis vorgestellt, das als Plattform für gemeinsame Projekte, Standards und Weiterbildung dienen soll. Laut den Angaben zum Start umfasst der Zusammenschluss 117 Einheiten und Einzelpersonen aus 19 Ländern und Regionen; rund ein Drittel der internationalen Vertreter stammt aus dem Ausland. Inhaltlich ist das Mandat dabei dreigeteilt: eine globale Plattform aufbauen, moderne Technologien einbeziehen und die Integration verschiedener Medizinsysteme vorantreiben.

Technisch betrachtet geht es bei so einem Bündnis vor allem um Standardisierung und Interoperabilität, also darum, unterschiedliche Datenquellen, Begrifflichkeiten und klinische Dokumentationen so zu beschreiben, dass sie zwischen Institutionen austauschbar werden. Genau in diese Richtung zielen die im Gründungsrahmen genannten Aufgaben: Das Bündnis soll verbindliche Terminologien und Standards definieren und gemeinsame Forschungsprojekte anstoßen. Dazu kommen Bildungs- und Weiterbildungsprogramme für Fachkräfte, die helfen sollen, Methoden, Qualitätsanforderungen und Dokumentationspraktiken auf ein gemeinsames Niveau zu bringen. Für die Praxis ist das bedeutsam, weil jede abweichende Nomenklatur in Studienergebnissen und Fallberichten schnell zu Vergleichsproblemen führt – und weil Integrationsansätze ohne saubere Datenbasis kaum belastbar repliziert werden können.

Der Konferenzkontext zeigt außerdem, wie stark die Veranstaltung den Spagat zwischen Tradition und moderner Evidenz adressiert. Das Leitthema lautet, Technologie nutzbar zu machen und Integration so zu gestalten, dass traditionelle Medizin für alle zugänglich wird. Bei der Eröffnung am 17. Oktober nahmen demnach rund 1.200 Fachleute teil, mit Delegationen aus 90 bis 97 Ländern und Regionen. Das akademische Programm wird über acht parallele Fachforen abgebildet; genannt werden unter anderem evidenzbasierte Forschung, Arzneimittelaufsicht und der Einsatz von künstlicher Intelligenz im medizinischen Bereich. Ergänzend wurden Leitlinien und Publikationen vorgestellt, darunter eine Initiative zum Schutz traditioneller Heilpflanzenressourcen, ein Bericht zum Beitrag von KI im medizinischen Sektor sowie ein Vorhaben mit dem Titel „Shennong probiert hundert Kräuter in der neuen Ära“.

Für die Einordnung ist die Bezugnahme auf internationale Gesundheitsorganisationen zentral. Aus den vorliegenden Angaben verweist Qin Huaijin, Vizevorsitzender und Generalsekretär des Bündnisses, auf den weltweiten Stellenwert traditioneller Medizin: Laut Weltgesundheitsorganisation nutzen rund 80 Prozent der Weltbevölkerung traditionelle Medizin. Auch beim Einsatzbild gibt es eine breite Streuung: Von 194 WHO-Mitgliedstaaten melden demnach 170 Länder – das entspricht 88 Prozent – den regelmäßigen Einsatz. Die Vision, die Qin skizziert, richtet sich deshalb weniger auf eine kurzfristige Therapie-„Sensation“, sondern auf den Aufbau einer einflussreichen und glaubwürdigen Fachorganisation. Als Grundlage nennt er gegenseitigen Respekt, gleichberechtigten Dialog und Partnerschaft – also genau die Mechanismen, die in interdisziplinären Feldern Vertrauen erzeugen sollen.

Damit das Bündnis nicht bei einem organisatorischen Rahmen stehen bleibt, wird es an bestehende internationale Programme gekoppelt. Die Initiative geht laut Text auf die Weltkonferenz von 2024 zurück und dient der Umsetzung der WHO-Strategie für traditionelle Medizin 2025–2030, der Pekinger Erklärung von 2024 sowie der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. In der Praxis bedeutet das: Standards und Terminologien sind nicht nur „internes Handwerkszeug“, sondern werden dadurch mit globalen Zielbildern verknüpft, etwa zur Frage, wie Forschung in der Fläche koordiniert, wie Ergebnisse kommuniziert und wie Qualität gesichert wird. Gerade für IT-gestützte Ansätze – etwa bei der Auswertung klinischer Daten oder bei der Unterstützung von Arzneimittel- und Ressourcenfragen – sind solche Governance-Strukturen entscheidend, weil sie bestimmen, welche Datenmodelle, Dokumentationsformate und Prüfpfade als Referenz gelten.

Auch Chinas Rolle wird im Rahmen der Konferenz deutlich konturiert. In seiner Rede zur Konferenzeröffnung am 17. Oktober rief der chinesische Premier Li Qiang dazu auf, traditionelle Medizinressourcen international besser zu nutzen, und betonte die Bedeutung globaler Gesundheitssicherheit. Nach den Angaben soll traditionelle chinesische Medizin inzwischen in 196 Ländern und Regionen verbreitet sein; im Inland machten TCM-Einrichtungen etwa ein Zehntel aller medizinischen Versorgungszentren aus, wobei nahezu alle Einrichtungen entsprechende Dienste anbieten. Zur Digitalisierung nennt der Text einen Entwicklungsplan im Rahmen des 15. Fünfjahresplans, der die digitale Transformation des Sektors festschreibt. Darüber hinaus wird der Ausbau eines Zentrums für den Erhalt medizinischer Ressourcen entlang der Belt-and-Road-Initiative sowie die Einführung von Pilotprogrammen zur Öffnung des Dienstleistungssektors für ausländische Forschungsinstitute erwähnt.

Aus Branchen- und Technologieperspektive ist besonders interessant, wie KI und Regulierung hier zusammen gedacht werden. Shyama Kuruvilla, Leiterin des WHO-Zentrums für traditionelle Medizin, hebt laut vorliegendem Text hervor, dass China über ein umfassendes nationales Regulierungssystem verfüge und traditionelle Behandlungsmethoden weitgehend in die klinische Regelversorgung integriert habe. Wenn man das mit den Konferenzinhalten kombiniert, lässt sich die Richtung ableiten: KI wird nicht als „Add-on“ für Marketing verstanden, sondern soll Beiträge im medizinischen Sektor leisten – in einem Umfeld, in dem Aufsicht, Evidenzlogik und Dokumentationspraxis zusammenlaufen müssen. Für Entwickler, Forscher und Gesundheitseinrichtungen bedeutet das, dass sich die nächsten Projektphasen vermutlich stärker um Datenstandards, Prüfpfade und die Nachvollziehbarkeit von Modellen drehen werden. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung, traditionelle Methoden so zu operationalisieren, dass Studien vergleichbar werden, ohne die klinische Realität zu verkürzen.

Unterm Strich schafft das Bündnis in Peking eine Struktur, die das Thema von einzelnen Initiativen hin zu koordinierten Programmen verschiebt: Forschung, Terminologie, Standards und Weiterbildung sollen gemeinsam vorangebracht werden, während die Konferenz den technischen Unterbau über moderne Technologien und KI in den Mittelpunkt rückt. Für die Markt- und Anwendungsebene ist das relevant, weil Integrationsmodelle nur dann skalieren, wenn Ergebnisse wiederholbar sind und Daten zwischen Institutionen konsistent interpretiert werden können. Ob die neue Organisation dabei die gewünschte Geschwindigkeit in die internationale Zusammenarbeit bringt, hängt nun an der Umsetzung: Welche Standards werden priorisiert, wie werden Studienformate harmonisiert und wie gelingt die Brücke zwischen evidenzbasierter moderner Medizin und traditionellen Heilansätzen. Der Start in Peking markiert jedenfalls den Versuch, aus der Zusammenarbeit ein dauerhaftes Ökosystem zu machen – mit klaren Aufgabenpaketen und einem expliziten Fokus auf Technologie.


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