TANEGASHIMA / LONDON (IT BOLTWISE) – JAXA plant den Start der „Martian Moons Exploration“ (MMX) am 19. Oktober 2026 vom Weltraumbahnhof Tanegashima. Die Sonde soll mehrere Wochen später den Mars erreichen und in einen Quasi-Satelliten-Orbit einschwenken, um Phobos-Proben zur Erde zu bringen. Insgesamt sind zwei Landungen für das Jahr 2030 vorgesehen, damit sowohl Oberflächenmaterial als auch Material aus rund zwei Zentimetern Tiefe zusammenkommt. Ob der Zeitplan bis zur Rückkehrkapsel 2031 durchhält, hängt auch von den langwierigen Funktionsnachweisen im ungewöhnlich schwachen Gravitationsfeld ab.

Die geplante Mission „Martian Moons Exploration“ (MMX) zeigt, wie ernst Japan den nächsten Schritt im Probenrücktransport nimmt: Nicht der Mars selbst, sondern sein Mond Phobos soll das Material liefern. Laut den Angaben der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA startet die Sonde am 19. Oktober 2026 um 21:41 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit vom Raumfahrtzentrum Tanegashima. An Bord befindet sich ein aus drei Modulen bestehendes Raumfahrzeug, das die Reise in Richtung Marssystem über fünf Jahre auslegt, um erstmals Bodenproben von Phobos zur Erde zu bringen. Gerade diese „Umwege“-Strategie ist technisch reizvoll, denn sie vermeidet den für den Mars typischen Aufwand einer Aufstiegsrakete, wie er etwa beim Rücktransport von Rover-Proben nötig wäre.
In der Mission steckt zudem ein klarer Zeit- und Wettbewerbsaspekt: Während die US-Seite ihr eigenes Rückführprogramm Anfang 2026 aus Kostengründen gestrichen haben soll, zielt China mit Tianwen-3 auf einen späteren Starttermin. Für MMX bedeutet das: Es geht nicht nur um eine weitere Marsmond-Mission, sondern um ein eng getaktetes Fenster, in dem Start, Flugzeit und Rendezvous-Phasen zusammenpassen müssen. Gleichzeitig macht die Historie der Trägerrakete H3 den Plan verwundbar: Ursprünglich sollte die Sonde laut Berichten bereits im Herbst 2024 abheben, dann aber verpasste man wegen Verzögerungen und Startproblemen die nur alle 26 Monate geöffneten Marsfenster. Der Betrieb lieferte zwar später Erfolge mit der H3, doch auch bei einer weiteren Mission im Dezember 2025 soll erneut ein Triebwerk vorzeitig ausgefallen sein – ein Hinweis darauf, wie sehr die Mission am zuverlässigen Zusammenspiel aus Träger und Missionsplanung hängt.
Technisch betrachtet liegt der Kern in der Probenlogik. Phobos umkreist den Mars dreimal täglich in einer Entfernung von rund 6.000 Kilometern; dadurch kann der Mond regelmäßig Auswurfmaterial abbekommen, das bei Einschlägen auf dem Mars in den Weltraum geschleudert wird. JAXA geht nach den Angaben aus der Missionsevaluation davon aus, dass dieses Material etwa 0,1 Prozent der oberen Bodenschicht von Phobos ausmacht. Für Geologen ist genau diese Mischung spannend, weil die größere Restmenge (rund 99,9 Prozent) helfen soll zu klären, ob die beiden Marsmonde Phobos und Deimos eingefangene Asteroiden sind oder ob sie aus Marstrümmern nach einer frühen Großkollision entstanden. Allerdings hat der Ansatz auch eine harte Nebenbedingung: Das Sammelsystem ist auf mindestens rund zehn Gramm Regolith ausgelegt – damit landen auf der Erde im Vergleich zur direkten Marsbohrung nur etwa zehn Milligramm Staub pro Berechnungslogik ohne Zuordnung zu einer klaren Region auf dem Mars.
Der Weg dorthin beginnt im Flugprofil. Nach einer Strecke von etwa 500 bis 600 Millionen Kilometern soll MMX im August 2027 den Mars erreichen und im September 2027 in einen Quasi-Satelliten-Orbit einschwenken. Weil die Anziehungskraft von Phobos für eine stabile Umlaufbahn allein nicht reicht, bleibt die Sonde weiterhin beim Mars gebunden, während ihre Flugbahn sie dauerhaft in der Nähe von Phobos hält. Für die Probenahme sind zwei Landungen im Jahr 2030 vorgesehen, um sowohl Material von der Oberfläche als auch Proben aus rund zwei Zentimetern Tiefe zu gewinnen. Ein System entnimmt über einen japanischen Bohrarm Untergrundproben, während ein zweites Verfahren mit Druckgas Staub aufwirbelt und in einen Behälter leitet – ein Ansatz, der die physikalischen Grenzen im staubigen Regolithfeld adressiert, ohne auf eine einzelne Probenahmetechnik „alles“ zu setzen.
Besonders heikel wird es bei der Landelogik und damit bei der Rolle des Erkundungsrovers Idefix. Anfang 2029 setzt das Mutterschiff den etwa 25 Kilogramm schweren Rover aus rund 40 Metern Höhe im freien Fall ab. ESA- und Missionsdetails zufolge beträgt die effektive Schwerkraft auf Phobos nur ein Zweitausendstel des irdischen Werts; damit wiegt der Rover faktisch nur etwa 15 Gramm. Diese Milligravitationsbedingungen erhöhen das Risiko, dass Landegeräte beim Aufsetzen unkontrolliert zurückprallen. Für die Bewältigung des unebenen Geländes erhielt Idefix vier einzeln steuerbare Beine: Nach dem Aufprall soll sich der Rover selbstständig aufrichten und anschließend hundert Tage lang die Bodenfestigkeit prüfen. Für die wissenschaftliche Begleitung nutzt Idefix unter anderem ein Raman-Spektrometer, das die Oberfläche mit gebündeltem Licht bestrahlt und aus den reflektierten Wellenlängen Rückschlüsse auf die mineralogische Zusammensetzung ziehen soll. Das im Spektrometer verbaute Lasermodul wurde ursprünglich für die europäisch-russische ExoMars-Mission geplant, gelangte nach dem Abbruch der Kooperation 2022 jedoch über Umwege in das japanische Projekt.
Falls die Probenentnahme ohne Zwischenfälle verläuft, plant MMX die Rückkehr der Kapsel: Das Rückkehrmodul soll die hitzegeschützte Kapsel nach einem Vorbeiflug am Nachbarmond Deimos im Jahr 2031 über Australien abwerfen. Bis dahin läuft außerdem ein Strahlenmonitor an Bord, der die kosmische Strahlung kontinuierlich erfasst. Die Daten sind nicht nur für die Missionsdokumentation relevant: Sie liefern auch die Grundlage, um abzuschätzen, ob Phobos in einem späteren Szenario als Stützpunkt taugt oder ob Strahlenwerte im Marssystem die Hürden für menschliche Aktivitäten erhöhen. Unterm Strich verbindet MMX damit Probenrückführung, Geologie- und Landetechnologie zu einem Gesamtpaket – und jedes Teil hängt an der Zuverlässigkeit der vorherigen Schritte, vom Trägerstart bis zur letzten Probenladung in die Rückkehrkapsel.
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