LONDON (IT BOLTWISE) – Im November ziehen wieder die Leoniden über den Himmel, und für Deutschland rückt vor allem die Nacht vom 16. auf den 17. November 2026 in den Fokus. Der Meteorstrom erreicht dann seinen Höhepunkt, allerdings ohne das versprochene Feuerwerk früherer Jahrzehnte. Im Maximum sind unter sehr dunklem Himmel etwa 15 Meteore pro Stunde realistisch. Wer gute Chancen will, sucht einen Standort mit freier Sicht nach Osten bis Südosten und plant die Beobachtung in der zweiten Nachthälfte ein.

Leoniden-Fans bekommen jedes Jahr denselben Kalenderhinweis: Im November lohnt sich das frühe Aufstehen, weil die „Sternschnuppen“ in dieser Phase zuverlässig auftreten. Für 2026 ist die Aufmerksamkeit in Deutschland besonders auf die Nacht vom 16. auf den 17. November gerichtet, weil der Meteorstrom nach Angaben der American Meteor Society in genau diesem Zeitfenster seinen Höhepunkt erreicht. Gleichzeitig dämpft die Einschätzung die Erwartung an spektakuläre Ausbrüche: Ein Feuerwerk wie bei den großen Leoniden-Stürmen früherer Jahrzehnte gilt diesmal nicht als realistisch.
Technisch betrachtet ist das trotzdem eine verlässliche Himmelsroutine, denn Leoniden bestehen nicht aus „verbrannter“ Luft, sondern aus Staub- und Gesteinspartikeln des Kometen 55P/Tempel-Tuttle. Diese Teilchen kreuzen jedes Jahr während des Leoniden-Zeitraums die Erdbahn, und sobald sie mit fast 70 Kilometern pro Sekunde in die Atmosphäre eintauchen, verglühen sie als Meteore. Genau diese hohe Eintrittsgeschwindigkeit erklärt, warum die Bahnen am Himmel oft schnell „durchlaufen“ und warum eine gute Planung der Sichtlinie mehr bringt als stundenlanges Zufallsprobieren.
Für die Beobachtungsstrategie ist vor allem die Geometrie entscheidend: Der Radiant, also der Punkt, aus dem die Meteore scheinbar kommen, liegt im Sternbild Löwe. Praktisch bedeutet das, dass der Radiant erst gegen Mitternacht deutlich höher über dem Horizont steht. Darum fällt die beste Beobachtungszeit eher in die zweite Nachthälfte und reicht bis in die Zeit vor der Morgendämmerung. Wer zu früh startet, schaut im Grunde in eine ungünstigere Richtung – nicht weil es keine Meteore gibt, sondern weil der Beobachtungsraum über dem Horizont zu klein bleibt.
Die Aktivität der Leoniden ist dabei nicht nur auf wenige Stunden begrenzt. Die Quelle nennt für 2026 eine Spanne vom 6. bis 30. November, teils sogar einen breiteren Zeitraum vom 28. Oktober bis 7. Dezember. Der Kern ist zwar der Zeitraum um die Peak-Nacht, doch die verlängerte Aktivität kann ein Sicherheitsnetz sein: Falls Wetter, Zugluft oder schlechte Sicht das Zeitfenster stören, bleiben ein paar Nächte davor oder danach als Ausweichoption. Im Maximum sind unter sehr dunklem Himmel rund 15 Meteore pro Stunde möglich; in Städten liegt die Zahl wegen künstlichem Licht spürbar darunter.
Ein weiterer Faktor ist die Mondphase, die für die „Empfindlichkeit“ des Himmels sorgt. Laut Einschätzung liegt der Mond in der Peak-Nacht bei etwa 39 Prozent Beleuchtung. Das klingt nach einer Nebenbemerkung, ist aber in der Praxis relevant: Heller Mond kann schwächere Meteore überstrahlen, sodass die beobachtete Rate selbst am Peak-Tag niedriger ausfallen kann, als es die reine Modellrechnung verspricht. Besonders wichtig wird das bei Standorten, die zwar dunkel genug sind, aber doch noch Lichtkegel von Straßenlaternen abbekommen.
Warum lässt sich der Schauer so gut berechnen? Der Grund liegt in der Vermessung von Kometenbahnen und den Staubspuren im All: Astronomen kennen die Bahnparameter relativ genau, sodass sie abschätzen können, wann die Erde welche Teile der Staubschicht „trifft“. Große Ausbrüche entstehen vor allem dann, wenn der Planet besonders dichte, alte Staubwolken erwischt. Für 2026 wird laut American Meteor Society jedoch nicht erwartet, dass ein solch dichtes Trümmerfeld in das entscheidende Zeitfenster fällt; die „harten“ Bedingungen für einen Sturm fehlen also eher.
Für die Umsetzung heißt das: Wer maximale Trefferquote will, plant nicht nur den richtigen Tag, sondern auch die Rahmenbedingungen. Nötig sind ein dunkler Ort, ein freier Blick nach Osten bis Südosten und vor allem Geduld in den Stunden, in denen der Radiant höher steht. Praktisch hat sich zudem bewährt, sich mit einer lokalen Wetter-App abzusichern und die Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen, bevor man systematisch beobachtet. So wird aus dem typischen „kurz mal rausgehen“-Versuch ein nachvollziehbarer Beobachtungsabend – auch wenn 2026 eher solide Meteorraten als einen historischen Leoniden-Sturm liefert.
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