ANDORRA / LONDON (IT BOLTWISE) – RootstockCollective will Bitcoin-Investoren nicht nur beim Preis halten unterstützen, sondern beim Aufbau zusätzlicher Renditepfade. Der CEO Sascha Goetz beschreibt eine DAO auf Basis von Rootstock, die Entwickler fördert und zugleich auf sichere Teilnahme, klare Prozesse und institutionelle Anbindungen setzt. In einer Umfrage unter 600 Entscheidungsträgern in Singapur und Hongkong sieht er eine große Lücke zwischen Wunsch und tatsächlicher Nutzung. Entscheidend sei laut Goetz weniger die Schlagzeilenrendite als die Frage, wie robust die Mechanik dahinter über mehrere „Loops“ hinweg wirklich ist.

Wer Bitcoin heute für sich sprechen lässt, argumentiert häufig mit Kursbewegungen. RootstockCollective stellt dem eine andere Frage gegenüber: Was kann ein Bestand konkret leisten, wenn er nicht nur „geparkt“ wird? Sascha Goetz, CEO der im September 2024 gegründeten dezentralen autonomen Organisation (DAO) RootstockCollective, beschreibt dabei vor allem einen Zielkonflikt, der in der Praxis viele Private-Bank- und Family-Office-Geschäfte bremst. Auf der einen Seite wächst der Wunsch nach zusätzlichen Erträgen; auf der anderen Seite dominieren Sicherheitsbedenken, die Komplexität der Teilnahme und die uneinheitliche Verständlichkeit der Angebote.
Technisch startet die Initiative im Umfeld von Rootstock: Das Netzwerk ging mit seinem Mainnet im Januar 2018 live. Rootstock ist eng mit dem Bitcoin-Ökosystem verzahnt, unter anderem über Merged Mining, bei dem Miner Rechenleistung sowohl zur Sicherung von Rootstock als auch zur Absicherung des jeweiligen Bitcoin-nahem Sicherheitskonzepts einsetzen können. Damit verknüpft Rootstock eine eigene Infrastruktur mit der etablierten Rolle von Bitcoin im Kryptosektor. Goetz betont zudem die Trennung der Rollen innerhalb des Rootstock-Umfelds: RootstockLabs liefert vor allem Kernentwicklung und institutionelle Angebote, während RootstockCollective auf die DAO-Betriebslogik sowie die Unterstützung von Projekten und Entwicklern setzt. Administrativ wird die DAO über eine Foundation-Struktur in den Cayman Islands getragen; zur Interviewzeit nennt Goetz ein kleines, international verteiltes Team von acht Personen.
Marktseitig ordnet Goetz das Thema „Rendite neben Kurs“ als Reifeprozess ein. In der von ihm zitierten Erhebung unter 600 Bitcoin-Investoren sowie Investment-Entscheidungsträgern in Singapur und Hongkong geben 87,5% an, ihre Bitcoin produktiver machen zu wollen, ohne das Asset zu verkaufen. Gleichzeitig sagen nur 23,3%, ihre Bitcoin beziehungsweise bitcoinbezogenen Assets seien bereits aktiv eingesetzt, um zusätzliche Renditen zu generieren. Für Goetz ist diese Differenz kein reines Marketingproblem, sondern ein Hinweis darauf, dass viele Beteiligungsmodelle noch nicht so erklärt oder so operativ unterstützt werden, dass sich Entscheidungsträger sicher genug fühlen. Genau hier setzt er an: Nicht nur das „Wie viel“ zählt, sondern auch das „Wodurch“, inklusive Abhängigkeiten, Betreiberprofilen und Sicherheitsmechanismen.
Besonders skeptisch zeigt sich Goetz bei Angeboten, die mit hohen Renditen beginnen, ohne die technischen und organisatorischen Voraussetzungen offen zu legen. Er beschreibt seine erste Rückfrage ganz praktisch: Wie viele Zwischenschritte beziehungsweise „Loops“ müssen durchlaufen werden, um die versprochene Größenordnung zu erreichen? Der Kern der Befürchtung liegt in der Fehleranfälligkeit mehrstufiger Abhängigkeiten: Wenn eine einzelne Komponente ausfällt oder sich anders verhält als erwartet, kann die gesamte Struktur darunter leiden. Daraus leitet er eine Präferenz für belastbare Partnerschaften ab, statt kurzfristiger Marktaufregung. „Wir sind eher für die lange Strecke“, lautet sinngemäß der Leitgedanke, und er will, dass die DAO und das größere Ökosystem an der Haltbarkeit dessen gemessen werden, was sie aufbauen.
Auch die Teilnahme selbst ist für ihn Teil der Produktqualität. Goetz nennt einerseits legitime Security-Fragen, andererseits aber auch eine Wahrnehmungslücke: Manche Investoren glauben weiterhin, Einstieg und Betrieb erforderten tiefes technisches Know-how oder würden zu zahlreichen Bedienfehlern führen. Laut seiner Darstellung ist die Onboarding-Erfahrung in den vergangenen ein bis zwei Jahren spürbar besser geworden, weil mehr Unterstützung verfügbar ist – insbesondere dort, wo Nutzer verstehen wollen, wo ihre Assets liegen und wie sie geschützt werden. Die Unterstützung beschreibt er als „white-glove red carpet experience“: nicht als Erwartung, dass jeder Schritt vollständig allein navigiert wird, sondern als geführter Prozess. Dazu gehört Bildung über Abläufe und Verantwortlichkeiten, vor allem dann, wenn Investoren mehrere Wege zur Bitcoin-Exponierung gegeneinander abwägen.
Die nächsten 12 bis 18 Monate sieht Goetz als Phase, in der institutionelle Expansion in Asien Priorität hat. Er nennt dabei den Vorteil relativ schlanker Entscheidungsprozesse und etablierter regulatorischer Rahmenbedingungen in zentralen Hubs, die Beziehungen erleichtern können. Inhaltlich umfasst das den Ausbau von Kontakten zu Beratern, Wealth Managern, Limited Partners, Venture-Capital-Investoren und Minern – und es geht um konkrete Zugänge zu Produkten, die Bitcoin und Stablecoins berühren. Gleichzeitig bleibt die Builder-Perspektive zentral: RootstockCollective will weiterhin Entwickler unterstützen und mehr Liquidität sowie Teilnahme im Umfeld von RIF fördern, dem Ökosystem-Token im Governance-Modell. Teilnehmer staken RIF, erhalten stRIF und nutzen diese „Backing Power“, um Builder zu unterstützen; das unterscheidet sich bewusst vom Staking von Bitcoin selbst.
Für die Zukunft erwartet Goetz, dass sich „zusätzliche Renditen“ von einer Nischenbeschäftigung zu einer vertrauteren Option entwickeln. Entscheidend wird aus seiner Sicht, wie gut sich Sicherheitsstandards und Nachhaltigkeit über längere Betriebszeiträume nachweisen lassen. Sehr spekulative Yield-Konstrukte könnten an Boden verlieren, wenn sie ihre Versprechen nicht über Zeit stabil belegen können. Neben Sicherheit und Dauerhaftigkeit beobachtet er auch den Einfluss von KI: Genauer die Möglichkeit, dass Agenten Krypto verwenden oder dafür Ausgaben auslösen. Praktisch bleibt für Adoption jedoch die Bedienbarkeit der unmittelbare Engpass. Schon erfahrene Teilnehmer, so Goetz, geraten unter Stress, wenn Auszahlungen nicht schnell im Wallet landen oder Transaktionen „pending“ bleiben – besonders bei größeren Beträgen. Ebenso fordern Seed-Phrase-Verwaltung und das Navigieren mehrerer technischer Schritte die Nutzer. Seine Schlussfolgerung ist klar: Investoren müssen nicht jede Ebene der zugrunde liegenden Technologie beherrschen, aber sie brauchen eine verlässliche, verständliche Schnittstelle, die den entscheidenden Task ohne überflüssige Reibung abschließt.
Dass Goetz dabei seinen eigenen Weg als Blaupause für eine operativ tragfähige Umsetzung versteht, passt zum Gesamtbild. Er kommt aus Stuttgart, hat Industieingenieurwesen in Ulm studiert und arbeitete während des Studiums bei Mercedes-Benz, unter anderem für die Diplomarbeit in den USA. Früh zog ihn dann aber die Dynamik von Startups stärker an; über car2go, später eine Music-Technology-Gründung und schließlich Web3- und Krypto-Stationen, landete er bei RootstockLabs in operativen Rollen – erst als Operator, später zusätzlich in Strategie und Operations. Die übergreifende Botschaft daraus: Werkzeuge und Prinzipien können über Branchen hinweg „mitwandern“, auch wenn sich Märkte ändern. Für RootstockCollective heißt das übersetzt, dass sich die Qualität der Beteiligung nicht nur in Smart Contracts, sondern in Partnern, Prozessen und in der Erfahrung rund um Custody und Onboarding entscheidet – genau dort, wo aus Appetit auf Rendite erst tatsächliche Nutzung wird.
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