MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Celonis führt eine neue Navigation ein, die ab der Woche ab 2. November standardmäßig aktiviert werden soll. Das neue Design wird dagegen zunächst nur optional ausgerollt. Damit trennt das Unternehmen die Einführungslogik von Navigation und Oberfläche klar in zwei getrennte Schritte. Parallel dazu läuft der Patentstreit mit SAP weiter, weil das Urteil noch nicht rechtskräftig ist.

Celonis macht in seiner Produktkommunikation eine Sache besonders deutlich: Nicht alles, was sich „neu“ anfühlt, rollt gleichzeitig um. Während die Navigation in der Woche ab 2. November standardmäßig aktiviert werden soll, bleibt das neue Design zunächst optional. Für Anwender und Administratoren ist das mehr als ein kosmetisches Update, denn Navigationselemente bestimmen häufig die täglichen Workflows, etwa wie schnell Teams bestimmte Ansichten, Prozesse und Analysen wiederfinden. In der Praxis bedeutet die Trennung, dass Unternehmen ihre Akzeptanztests und Change-Pläne auf unterschiedliche Einflussfaktoren aufteilen können: zuerst auf die Standardisierung der Navigation, danach auf die Entscheidung, ob und wann das neue Erscheinungsbild produktiv zugeschaltet wird.
Technisch betrachtet liegt der Knackpunkt in der Trennung zwischen „Navigation“ und „Design“. Die Meldung beschreibt zwei unterschiedliche Einführungswege mit unterschiedlichem Status: Die Navigation soll zum Standard werden, das Design dagegen bleibt zunächst eine Option. Diese Differenzierung ist auch deshalb relevant, weil UI-Änderungen selten nur „ein Look“ sind. Eine neue Navigation kann auch beeinflussen, wie Nutzer zwischen Modulen wechseln, wie Filter- und Kontextzustände präsent sind und wie schnell sich neue Funktionen überhaupt auffinden lassen. Dass Celonis die Navigation als standardmäßigen Schritt formuliert, während das Design erst optional folgt, deutet auf einen kontrollierteren Übergang hin: Erst wird die Grundlage vereinheitlicht, dann wird die Variable Oberfläche schrittweise individualisierbar.
Schon zuvor hatte Celonis weitere Plattform-Erweiterungen veröffentlicht, die in der Ankündigung vom 5. Oktober ebenfalls in den Kontext gestellt werden. Dazu zählen Routing-Regeln, die Unterstützung für schema-basierte Microsoft-Fabric-Lakehouses sowie die Machine Learning Workbench 2.0. Laut Unternehmensangaben sind diese Erweiterungen bereits allgemein verfügbar. Genau hier entsteht für Entscheider ein praktischer Vergleich: Produktänderungen, die bereits ausgeliefert sind, können heute evaluiert werden, während Navigation und Design noch vor der eigentlichen Einführungsphase stehen. Für Projektteams heißt das, dass sie bestehende Use-Cases bereits anreichern können, während die nächste UI-Iteration zunächst eher die Interaktion und Bedienlogik adressiert.
In vielen Prozess-Mining-Setups entscheidet die Kombination aus Datenanbindung und nutzbarer Arbeitsoberfläche darüber, ob aus Analysen echte operative Handlungen entstehen. Routing-Regeln sind dabei typischerweise ein Mechanismus, der Logik für die Verteilung oder Zuordnung innerhalb der Auswertung unterstützt, etwa um Ergebnisse passend zu Rollen, Teams oder Systemlandschaften zu steuern. Die schema-basierte Unterstützung für Lakehouses passt in denselben Kontext, weil sie die Datenintegration an die strukturierten Erwartungen moderner Data-Platform-Ansätze koppelt. Die Machine Learning Workbench 2.0 wiederum adressiert häufig die Frage, wie aus Mustererkennung auch wiederholbare ML-Arbeit wird, also vom Experiment bis hin zu einer produktionsnahen Nutzung. Auch wenn die konkrete technische Ausgestaltung in der Meldung nicht im Detail beschrieben wird, unterstreicht die Gleichzeitigkeit aus allgemein verfügbaren Erweiterungen und angekündigter UI-Umstellung, dass Celonis die Plattform nicht als Einmal-Release denkt.
Parallel zur Weiterentwicklung läuft jedoch ein zweiter Strang: der Rechtsstreit mit SAP. Im Patentstreit hat das Landgericht München I der Klage von Celonis stattgegeben und SAP die Nutzung einer bestimmten Technologie in Signavio untersagt. SAP hat dagegen Berufung eingelegt. Rechtsrelevant ist dabei vor allem der Status: Das Urteil ist laut Meldung noch nicht rechtskräftig. Damit bleibt die technische und kommerzielle Roadmap des Unternehmens zwar grundsätzlich unabhängig vom Ausgang des Verfahrens, aber für den Kapitalmarkt ist die Gleichzeitigkeit spürbar. Denn während der Produktfahrplan auf Erweiterungen und eine veränderte Benutzeroberfläche zielt, betrifft der Rechtsstreit die Nutzung der betroffenen Technologie durch SAP.
Die Kommunikation über die Entscheidung nennt außerdem zusätzliche Bestandteile, die von der zuständigen Kanzlei Hogan Lovells Cadwalader gemeldet wurden: Dazu zählen Auskunfts- und Rechnungslegungsansprüche sowie die Feststellung einer Schadensersatzpflicht. Da das Urteil jedoch noch nicht rechtskräftig ist, bleibt für Unternehmen und Beobachter der praktische Effekt zunächst an die weitere Verfahrensentwicklung gebunden. In der Außendarstellung verschieben sich dadurch die Schwerpunkte: Für Nutzer steht der nächste Umsetzungsschritt im Mittelpunkt, konkret die standardmäßige Aktivierung der Navigation in der Woche ab 2. November. Für Unternehmen mit juristisch oder vertraglich relevanten Abhängigkeiten bleibt zusätzlich wichtig, welche Reichweite die Entscheidung im weiteren Verlauf tatsächlich behält.
Für die Markt- und IT-Praxis ergibt sich daraus ein zweistufiges Planungsbild. Erstens können Teams auf die allgemein verfügbaren Plattform-Erweiterungen (Routing-Regeln, Fabric-Lakehouse-Unterstützung, Machine Learning Workbench 2.0) aufsetzen, um konkrete Analysen und ML-Arbeitspakete weiterzuentwickeln. Zweitens sollten sie die bevorstehende Standardaktivierung der Navigation als Change-Treiber betrachten und die betroffenen Nutzergruppen frühzeitig einbeziehen, etwa durch Testzugänge und Kurztrainings, damit neue Wege in der Oberfläche nicht als „Störung“ wirken. Das optionale neue Design kann parallel als späterer Hebel eingeplant werden, wobei Unternehmen je nach Rollout-Strategie entscheiden, ob sie den Look sofort übernehmen oder die Anpassung ans eigene UI- und Branding-Umfeld terminiert.
Unterm Strich zeigt die Meldung, wie Celonis Produkt- und Rechtskommunikation trennt, aber gleichzeitig aufeinander wirken lässt. Der zeitliche Ablauf ist dabei relativ klar: Navigation standardmäßig ab der Woche ab 2. November, Design zunächst optional. Die technische Basis aus allgemein verfügbaren Erweiterungen liefert schon vor dem UI-Rollout Material für konkrete Projekte. Und der Patentstreit mit SAP verläuft parallel, bleibt aber wegen fehlender Rechtskraft in der offenen Bewertungsphase. Für Entscheider heißt das: Roadmap-Fortschritt und Rechtsstatus sollten nicht vermischt werden, aber sie müssen in der Planung beiderseits berücksichtigt werden, damit aus der nächsten UI-Umstellung tatsächlich ein produktiver Schritt wird und nicht nur ein weiterer Betriebswechsel.
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