JINAN / LONDON (IT BOLTWISE) – In Jinan hat die „Dialogue with BRICS – Shandong International Trade and Investment Conference“ begonnen und bringt über 100 Wirtschaftsvertreter aus mehr als 30 Ländern an einen Tisch. Die Konferenz geht in die dritte Auflage und setzt auf mehr als 500 Matchmaking-Gespräche zu Themen wie Maschinenbau, grünen Industrien und digitaler Wirtschaft. Neben BRICS-Mitgliedern nutzen auch Nicht-BRICS-Teilnehmer wie Deutschland, Serbien und Kanada die Plattform, um Partnerschaften auszubauen. Im Fokus stehen dabei Kooperationen von der Agrarverarbeitung bis zu KI-gestützten Ansätzen für Produktivität.

Die diesjährige „Dialogue with BRICS – Shandong International Trade and Investment Conference“ in Jinan zeigt vor allem eines: Shandong behandelt die regionale Industrie- und Exportstrategie nicht als isoliertes Provinzprojekt, sondern als Teil eines größeren Handels- und Investitionsnetzwerks. Rund 100 Wirtschaftsvertreter aus 30 Ländern und Regionen nahmen an der Eröffnung teil, darunter Akteure aus BRICS-Mitgliedern sowie Partnerländern. Dass die Veranstaltung bereits zum dritten Mal stattfindet, deutet darauf hin, dass die Organisatoren ein wiederkehrendes Format etabliert haben, statt punktuell auf internationale Aufmerksamkeit zu setzen.
Organisatorisch setzt die Konferenz auf ein klar zielgerichtetes Matchmaking. Laut den Angaben im Kontext der Veranstaltung fanden in diesem Jahr mehr als 500 Einzelgespräche statt, die sich schwerpunktmäßig auf landwirtschaftliche Erzeugnisse, grüne und kohlenstoffarme Industrien, Maschinenbau, hochwertige Chemikalien sowie die digitale Wirtschaft konzentrierten. Für Unternehmen ist das weniger „reines Networking“ als vielmehr eine Verdichtung von Kontaktchancen: In kurzen Session-Fenstern lassen sich Abstimmungen zu Lieferketten, Qualitätsanforderungen und möglichen Investitionspfaden anstoßen, die sonst in der Regel erst nach mehreren Messebesuchen reifen.
Der inhaltliche Zuschnitt spiegelt außerdem die Verschränkung von klassischer Industriepolitik und technologiegetriebener Modernisierung wider. In seinen Ausführungen verwies Gao Zhikai vom Center for China and Globalization (CCG) auf die Bedeutung von Künstliche Intelligenz in Form von Open-Source-Ansätzen sowie internationaler Zusammenarbeit, um Produktivität zu steigern und gemeinsame Vorteile zu erzielen. Gleichzeitig betonte Zhao Zhongxiu, ehemaliger Präsident der University of International Business and Economics, dass führende Unternehmen aus Shandong nicht beim Warenexport stehen bleiben sollten. Stattdessen fordert er eine Verlagerung ganzer Industrieketten durch technische Dienstleistungen und die Förderung von Fachkräften ins Ausland – mit Schwerpunkten bei Maschinenbau, grüner Energie, moderner Landwirtschaft und der maritimen Wirtschaft.
Auch auf Seite der Partnerländer wurden konkret umrissene Kooperationsfelder benannt. Nach Aussagen von Ahmed Mustafa Fahmy Hafez, Leiter der League of Arab States Mission in Peking, streben die arabischen Staaten eine Diversifizierung an und sehen laut der Konferenzbeschreibung insbesondere Potenzial in der grünen Energiewende, bei Landwirtschafts- und Ernährungssicherheit, in Infrastruktur sowie in der digitalen Wirtschaft und in Handels- und Finanzinnovationen. Nahom Berhanu Wendaferew, Ministerberater an der äthiopischen Botschaft in China, ordnete das Investitionsinteresse seines Landes in Bereiche wie Agrarverarbeitung, Pharmazeutika, Textilien sowie Informations- und Kommunikationstechnologie ein. Für Entscheider ist das relevant, weil diese Themen oft direkt an technische Spezifikationen, Regulatorik und langfristige Lieferfähigkeit gekoppelt sind – und damit über reine Absatzmärkte hinausgehen.
Gleichzeitig macht die Veranstaltung auch sichtbar, wie BRICS als Mechanismus in die regionale Wirtschaft eingebettet ist. Es wird betont, dass auf die Mitgliedstaaten des BRICS-Mechanismus rund die Hälfte der Weltbevölkerung, etwa 30 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts und ein Fünftel des Welthandels entfallen. Shandong positioniert sich damit in einem Marktsegment, das sowohl nachfrage- als auch kapitalseitig als wachsend beschrieben wird. Für Unternehmen heißt das: Partnerschaften mit Provinz-Industrieclustern können stärker in Richtung mittel- bis langfristige Investitionsvorhaben tendieren – etwa in Form von Joint Ventures, Produktionslizenzen oder Service- und Integrationspaketen statt nur kurzfristiger Handelsabschlüsse.
Ein weiterer, messbarer Anker liefert die Einordnung des lokalen Unternehmensumfelds. Nach Angaben der Meide Group – einem in Shandong ansässigen Unternehmen – beliefen sich die Gesamtlieferungen in BRICS-Mitgliedstaaten von 2024 bis zum dritten Quartal 2026 auf 1,676 Milliarden Yuan (249 Millionen US-Dollar). Solche Spannen sind zwar Momentaufnahmen, sie helfen aber, die in der Konferenz beschriebenen Sektorschwerpunkte einzuordnen: Maschinenbau, Chemie und industrielle Fertigung sind hier nicht nur „Branchenbegriffe“, sondern stehen in Verbindung mit realen Lieferbeziehungen und damit auch mit Fragen wie Skalierbarkeit, Qualitätssicherung und Logistikplanung.
Praktisch wird das Ganze durch die Rolle von Institutionen gestützt, die die Verbindung zwischen Unternehmen und Auslandsmärkten organisieren. Die Konferenz wird vom Shandong Sub-council des China Council for the Promotion of International Trade (CCPIT) ausgerichtet, womit sich ein etablierter Rahmen für Kontaktanbahnung und Folgegespräche ergibt. Dazu passt auch, dass Unternehmensverbände aus Malaysia, Indonesien und weiteren Ländern Chancen in intelligenten Fertigungs- und Industrieparks hervorheben. Daneben nutzen auch Nicht-BRICS-Institutionen wie Deutschland, Serbien und Kanada die Plattform, um Partnernetzwerke auszubauen – ein Hinweis darauf, dass die Konferenz nicht nur auf bilaterale BRICS-Handelsströme zielt, sondern breiter als internationale Projektbörse funktioniert. Für Shandong bedeutet das mittelfristig: Der Wettbewerb um Liefer- und Produktionsaufträge verlagert sich stärker auf Kooperationsfähigkeit, Technologieintegration und die Fähigkeit, Fachwissen über Grenzen hinweg zu übertragen.
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