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PALO ALTO, CALIF. / LONDON (IT BOLTWISE) – Cowboy Space stellt mit „Big Iron“ eine neue Trägerrakete vor, die zugleich als Satellit dient. Das Unternehmen will später rund 20.000 KI-Data-Center in der unteren Erdumlaufbahn (LEO) betreiben und dafür selbst starten und bauen. Pro Satellit sollen fünf GPU-Racks rund 1 Megawatt Rechenleistung liefern. Der erste Start ist für Ende 2028 bzw. Dezember 2028 angepeilt, während die erste Stufe als wiederverwendbarer Booster zurückkommt.

Cowboy Space plant „Big Iron“: 20.000 KI-Data-Center-Satelliten in LEO
Cowboy Space plant „Big Iron“: 20.000 KI-Data-Center-Satelliten in LEO (Foto: IT BOLTWISE)
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Cowboy Space macht aus dem Gedanken „Rechenleistung direkt im Orbit“ ein konkretes Systemdesign. Im kalifornischen Palo Alto zeigte das Unternehmen bei einem Event namens „Big Sky Rising“, wie aus einer zweistufigen Rakete gleich der eigentliche Satellit werden soll: Die obere Stufe des Trägers soll sich nach dem Start in die Struktur eines KI-Data-Center-Satelliten verwandeln. Der Ansatz zielt darauf, Bau- und Startkette stärker zu verzahnen, statt Satellit und Rakete als getrennte Produktwelten zu behandeln. Damit positioniert sich Cowboy Space zugleich als Herausforderer in einem Marktsegment, das häufig von großen, etablierten Raumfahrtakteuren und von einzelnen spezialisierten Satellitenarchitekturen dominiert wird.

Technisch beginnt alles mit der Größe von „Big Iron“. Die Rakete soll 282 Fuß (86 Meter) hoch und 15,4 Fuß (4,7 Meter) breit werden. Als Antrieb setzt Cowboy Space auf die eigenen Clydesdale-Engines: neun Triebwerke in der ersten Stufe und jeweils ein Triebwerk in der oberen Stufe. Für die Energiebilanz nutzt das System Methalox – also flüssigen Sauerstoff und flüssiges Methan –, ein Treibstoffmix, der in der modernen Starttechnik vor allem wegen seiner Kombination aus Leistungsfähigkeit und handhabbarer Lagerfähigkeit eingesetzt wird. Entscheidend fürs Wiederverwendbarkeitskonzept ist die geplante Landung der ersten Stufe: Bhatt zeigte während der Präsentation eine Animation, in der der Booster für eine Rückkehr und Landung auf einem Seeschiff vorbereitet wird – damit orientiert sich das Rückkehrprinzip eher an dem, was bei wiederverwendbaren Raketenbausteinen in den letzten Jahren zum Industriestandard wurde.

Während die erste Stufe zurückkehrt, bleibt die obere Stufe als Satellit im Orbit. Laut Darstellung soll der „Big Iron“-Satellit auf rund 33.000 Pfund (15.000 Kilogramm) kommen; nach dem Entfalten der Solarpaneele wird er etwa 433 Fuß (132 Meter) lang. Ein weiteres Detail zeigt, wie stark das Konzept auf die thermische Last von Rechenhardware ausgelegt ist: Das Payload-Fairing, das den Satelliten während des Starts schützt, soll sich in einen Radiator umformen, der später die große Abwärme abführt. In der Kernrolle stehen dabei die GPUs (General Processing Units) – und Cowboy Space nennt eine konkrete Größenordnung: „Jeder Satellit trägt fünf Racks“, sagte Baiju Bhatt auf der Veranstaltung, womit etwa 1 Megawatt Rechenleistung als Nutzlastprofil genannt wird.

Damit setzt Cowboy Space im Grunde auf ein Skalierungsmodell, das für KI-Infrastrukturen in hoher Stückzahl ausgelegt ist. Das Unternehmen plant eine Konstellation namens „Stampede“ mit etwa 20.000 Big-Iron-Satelliten in der LEO-Umgebung. Für den Aufbau bedeutet das: Jeder Start bringt genau einen Satelliten in die Umlaufbahn, sodass der Ausbau rechnerisch 20.000 Starts erfordert – ergänzt durch eine Wartungslogik, die bei Tausenden Einheiten zwangsläufig Ersatzflüge nachzieht. Gleichzeitig kündigt Cowboy Space an, sehr häufig zu starten: Die Raketen sollen von sogenannten „Trailheads“ aus starten, wofür das Unternehmen derzeit noch keine geografischen Standorte nennt. Bhatt sprach jedoch von jeweils vier aktiven Startmasten pro Komplex, was auf eine modulare Produktions- und Startplanung schließen lässt, statt auf einzelne Rampen für wenige Missionen.

Interessant ist auch, dass „Big Iron“ nicht ausschließlich für „Stampede“ gedacht sein soll. Gegen Ende der Veranstaltung kündigte Bhatt an, dass Big Iron auch Nutzlasten für Kunden transportieren werde – ein Service, den Cowboy Space „Big Iron Express“ nennt. Damit versucht das Unternehmen offenbar, die Transport- und Orbitkapazität nicht nur als internen Selbstzweck zu sehen, sondern als zusätzliche Erlösquelle. Diese doppelte Ausrichtung – Konstellationsaufbau plus Dritt-Nutzlast – ist im Markt insofern relevant, als sie die Auslastung von Trägerraketenstarts beeinflussen kann. Allerdings hängt beides an derselben Schlüsselgröße: ob die Triebwerksentwicklung, die Funktionsfähigkeit der Satellitenumwandlung und die Startfreigaben im Zeitplan realistisch zusammenkommen.

Der Zeitplan bleibt anspruchsvoll. Cowboy Space wurde 2024 ursprünglich als Aetherflux gegründet, ein Unternehmen, das auf Power-Beaming setzte. Heute testet es bereits Hardware im Orbit: Reason-1 soll die Übertragung von Energie über einen hochintensiven Laser von LEO zu einem Empfänger am Boden demonstrieren; das Satellitenziel lautet, die optischen Systeme zwischen Orbit und Erde zu beherrschen. Auf der „Big Sky Rising“-Bühne gab Bhatt zudem eine klare technische Leitidee mit auf den Weg: „The idea is that you have a two-stage rocket where the upper stage of the rocket itself transforms into the satellite.“ Gleichzeitig machte er deutlich, dass der Weg zu den ersten Flügen „einige Jahre“ dauern werde; das Ziel für den ersten Start wurde im Kontext der Präsentation auf Ende 2028 und alternativ auf Dezember 2028 eingegrenzt. „Now, a lot of things have to go right for that to happen; it’s not a guarantee“, sagte Bhatt sinngemäß zur Realisierungsquote – passend dazu wirkt das Projekt wie ein Wagnis, das nicht nur Ingenieursleistung, sondern auch zuverlässige Serienfertigung und eine hohe Startfrequenz voraussetzt.

Für die Branche bedeutet das vor allem eins: Die Diskussion um KI-Rechenzentren wechselt vom rein infrastrukturellen Ausbau (Standorte, Energieversorgung, Kühlung, Glasfaseranbindung) zunehmend in Richtung Raumfahrt-Architekturen. Eine LEO-Konstellation mit angegebenen 1 Megawatt je Satellit würde, wenn sie skaliert, komplett andere Annahmen über Latenz, Datenrouting und Energie-Management erzwingen. Daneben verschiebt sich der Entwicklungsfokus: Thermische Regelung über Radiatoren, sichere Solarpanel-Entfaltung, robuste Rückkehrprozesse für die erste Stufe und die zuverlässige Umformung des Payload-Fairings werden zu zentralen Betriebsrisiken. Noch bleibt offen, wie Cowboy Space die notwendigen Start- und Wartungszyklen in der Praxis synchronisieren wird – aber allein die konsequente Kopplung von Träger und KI-Satellit zeigt, in welche Richtung sich „KI im Orbit“ technisch bewegen könnte, wenn der Startplan aufgeht.

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