LUDWIGSHAFEN / LONDON (IT BOLTWISE) – BASF intensiviert die Bemühungen um Evonik und knüpft eine mögliche Transaktion klar an wirtschaftliche Kriterien. Der Chemiekonzern verweist auf ein weiteres Ergebnis-Plus im dritten Quartal und hebt die Prognose für 2026 spürbar an. Gleichzeitig bleibt das Management bei finanzieller Disziplin und schließt einen überhöhten Kaufpreis aus. Unterm Strich steht damit ein Balanceakt aus M&A-Dynamik und konsequenter Kosten- und Organisationsbereinigung.

BASF macht bei Evonik spürbar Tempo – und verknüpft die Debatte um einen möglichen Spezialchemie-Zusammenschluss direkt mit dem eigenen operativen Kurs. Bei der Präsentation der Zahlen zum dritten Quartal in Ludwigshafen stellte Konzernchef Markus Kamieth den strategischen Nutzen heraus: Die Portfolios beider Unternehmen würden sich aus seiner Sicht gut ergänzen, wodurch ein wettbewerbsfähigerer und zugleich widerstandsfähigerer Global Player entstehen könnte. Dass Konsolidierung in der europäischen Chemie bereits begonnen habe, ist dabei für BASF weniger nur eine Branchenbeobachtung, sondern ein Argument für den „richtigen Zeitpunkt“.
Gleichzeitig zieht BASF die kaufmännische Bremse. Kamieth betonte, man wolle keine Transaktion verfolgen, wenn sie aus Sicht der Aktionäre nicht wirtschaftlich ist – und man werde dabei keinen überhöhten Preis zahlen. Zum konkreten Status der Gespräche blieb der Vorstandsvorsitzende hinter dem Vertraulichkeitsgebot zurück. Auch ein Zeitplan für einen möglichen Abschluss ließ er offen, doch die Kommunikation enthält eine klare Leitlinie: Die Gespräche sollen sich über Jahre nicht hinziehen.
Die offensive Haltung zeigt sich auch im Preisbild. Zuletzt hatten die Ludwigshafener ihre Offerte für Evonik auf 24 Euro je Aktie beziehungsweise rund 11 Milliarden Euro erhöht; zuvor waren zunächst 22,15 Euro im Raum gestanden. Für Außenstehende ist das ein Signal, dass BASF nicht nur strategisch argumentiert, sondern den Verhandlungsrahmen aktiv anpasst. Besonders relevant ist in diesem Kontext die Rolle der RAG-Stiftung als größter Evonik-Anteilseignerin, die rund 43 Prozent der Aktien hält – damit entscheidet sie faktisch mit, ob aus der Absicht eine konkrete Kapitalmarkt-Transaktion wird.
Während die M&A-Debatte läuft, liefern die operativen Kennzahlen den zweiten Taktgeber: BASF steigerte im dritten Quartal das operative Ergebnis auf 1,64 Milliarden Euro und übertraf damit deutlich die Erwartungen. Ein Jahr zuvor lag der Wert bei 1,43 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg wegen höherer Preise und Mengen um 14,2 Prozent auf 16,36 Milliarden Euro; laut Kamieth kamen die stärksten Beiträge aus den Segmenten Chemicals sowie Nutrition & Care. Auch die Währungseinflüsse, die in den vergangenen Quartalen belastend wirkten, entspannten sich spürbar und drehten im dritten Quartal leicht ins Positive.
Die Quartalslogik zeigt sich auch im Ergebnisfluss: Unter dem Strich sank der auf Aktionäre entfallende Gewinn unter anderem wegen Restrukturierungskosten, darunter Abfindungen für Mitarbeiter, um knapp 10 Prozent auf 155 Millionen Euro. Dass Restrukturierungskosten und operative Verbesserung gleichzeitig sichtbar werden, ist in der Chemiebranche ein typisches Muster, weil Umbauten oft zeitlich vor den vollen Einsparhebeln liegen. Im Branchenbild stellt BASF die Kombination aus niedrigeren Fixkosten und Rückenwind im Kerngeschäft heraus: Die Erklärung knüpft an die geopolitisch getriebenen Energie- und Handelsverschiebungen an, insbesondere im Umfeld des Iran-Kriegs.
Für die Planungssicherheit hat BASF die Weichen ebenfalls nach oben gestellt. Wegen der positiven Geschäftsentwicklung hob das Management die Prognose an: Für 2026 peilt der Konzern ein um Sondereinflüsse bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 7,4 bis 7,8 Milliarden Euro an; zuvor lag der Korridor bei 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro. Daneben steht ein Effizienzprogramm mit klarer Zielmarke: BASF will bis Ende 2026 jährlich 2,3 Milliarden Euro einsparen. Beim Stellenabbau richtet sich der Fokus besonders auf das Stammwerk in Ludwigshafen; seit Anfang 2024 wurden die Beschäftigten weltweit um 8.600 reduziert, wobei zwei Drittel auf Europa und damit auch auf Ludwigshafen entfielen. Ergänzend signalisiert das Unternehmen, dass in den ersten neun Monaten 2026 bereits mehr als doppelt so viele Stellen abgebaut wurden wie im gesamten Vorjahr, und weitere Schritte schließt das Management nicht aus; ebenso kommen neben Personalmaßnahmen weitere Anlagenschließungen als Option vor.
Damit verdichtet sich das Gesamtbild zu zwei parallelen Transformationssträngen: Auf der einen Seite versucht BASF, über Evonik einen strukturellen Hebel für Wachstum und Widerstandsfähigkeit zu setzen – auf der anderen Seite baut der Konzern seine Kostenbasis und Organisation so um, dass die Ergebnisqualität auch ohne M&A-Überraschungen stabil bleibt. Für die Marktperspektive ist das relevant, weil Analysten aus der angehobenen Spanne bereits ableiten, dass das vierte Quartal in etwa im Rahmen der aktuellen Erwartungen liegen dürfte. Branchenweit verschiebt die Kombination aus Konsolidierungsdruck, Standortanpassungen und Ergebnissteuerung zudem die Frage, wie schnell sich Synergien realisieren lassen: Nicht das „Ob“ der Transformation, sondern das „Wie“ und „Wann“ entscheiden über den Unternehmenswert.
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