LONDON (IT BOLTWISE) – Das Vivo X500 Pro zeigt im Test, wie kompakt und dennoch kamera-ambitioniert ein Smartphone sein kann. Besonders das 85-mm-Tele mit Zeiss-Zertifizierung liefert laut Test bei großen Brennweiten sehr detailreiche Aufnahmen. Beim Akku spielt das Gerät seine Stärke ebenfalls aus und erreicht im PCMark-Akkutest 23 Stunden und 20 Minuten. Beim Laden enttäuscht es hingegen: Mit einem 90-Watt-Netzteil dauert es deutlich über zwei Stunden bis 100 Prozent und im Lieferumfang fehlt ein passendes Netzteil.

Das Vivo X500 Pro rückt in eine Lücke, die viele Käufer im Mittelklasse- und Premiumsegment spüren: Kompakte Handys mit echter Kamerakompetenz sind selten geworden. Vivo setzt dabei nicht auf ein „groß, aber kompakt verpackt“-Konzept, sondern bringt ein 152 × 72 Millimeter breites Gerät mit einem 6,36-Zoll-LTPO-Display an den Start. Der Marketing-Claim „großes Tele“ ist hier nicht nur ein Datenblatt-Satz, sondern in der Praxis ein Kernargument: Auf der Rückseite sitzt ein auffälliger, großer Kameraring, und das Telemodul arbeitet mit 85 Millimetern Brennweite sowie Bildstabilisator und Zeiss-APO-Zertifizierung. Für viele Nutzer ist genau diese Kombination aus Brennweite und Stabilisierung der Unterschied zwischen „irgendwie scharf“ und tatsächlich brauchbaren Details.
Bei der Hardware wirkt das X500 Pro solide und gleichzeitig bewusst auf Alltagstauglichkeit getrimmt. Vivo gibt für die Abmessungen eine schlanke Bauform mit knapp über 8 Millimetern an und nennt je nach Variante unterschiedliche Gewichte: 197 Gramm bei Sunny White mit AG-Glasrückseite, 192 Gramm bei Moonlit Black. Der Entsperrweg über einen Ultraschall-Fingerabdrucksensor im Display passt in das ansonsten moderne Paket mit IP68- und IP69-Schutz gegen Staub, Untertauchen und heiße Wasserstrahlen. Trotzdem weist Vivo auf Grenzen hin: Der Schutz ist zeitabhängig, und Flüssigkeitsschäden sind nicht durch die Garantie abgedeckt. Das ist für Käufer relevant, die ihr Gerät häufig outdoor oder in anspruchsvollen Umgebungen nutzen, weil die robuste Gehäuseklasse nicht automatisch alle Risiken „wegversichert“.
Das Display liefert eine starke Basis, um auch bei Bewegung und unter harten Lichtbedingungen komfortabel zu arbeiten. Vivo verbaut ein 6,36-Zoll-LTPO-Panel mit 2.660 × 1.216 Pixeln und nennt 459 Pixel pro Zoll. Die Bildwiederholrate passt sich von 1 bis 144 Hz dynamisch an, mit der Einschränkung, dass 144 Hz nur in unterstützten Apps und Spielen greifen. Dazu kommen Dolby Vision, ein Always-on-Display sowie eine automatische Helligkeitsregelung; alternativ lässt sich die Helligkeit manuell stufenlos anpassen. Besonders bei der Spitzennachricht wird es konkreter: Vivo nennt bis zu 4.500 Nits als lokalen Spitzenwert, der laut Angaben an HDR-Inhalte, 20 Prozent Bildanteil und pralle Sonne gekoppelt ist, während flächig bis zu 2.000 Nits erreicht werden sollen. Im Test folgt daraus eine praxisnahe Aussage: Selbst bei Sonnenschein lassen sich Inhalte gut ablesen, was bei kompakten Geräten wegen der kleineren Fläche umso wichtiger ist.
In der Software setzt Vivo auf OriginOS 7 auf Basis von Android 17 und trifft dabei eine Entscheidung, die im Alltag oft mehr zählt als einzelne Leistungswerte: Vivo installiert ab Werk keine Drittanbieter-Apps vor. Auf dem Testgerät belegt das System rund 40 GB, die Nutzer bekommen passende Widgets zu vielen Apps und können die Schrift in sechs Stufen anpassen. Für den Akku stehen drei Modi bereit – Energiesparen, ausgewogene Leistung und ein Leistungsmodus, der vor allem für Spiele gedacht ist. Spannend ist außerdem die Ausrichtung in Richtung Ökosystem-Kompatibilität: Fotos und Dateien lassen sich an Mac und iPad schicken, der Akkustand von AirPods erscheint im System, und Quick Share mit AirDrop-Kompatibilität soll laut Vivo bei einigen Geräten per Update nachgereicht werden. Beim Update-Versprechen nennt Vivo fünf Android-Upgrades und sieben Jahre Sicherheitsupdates – in der Praxis ein starkes Signal, weil ein kompakteres Gerät häufig länger durchgehalten wird und damit die Lebensdauer der Software-Updates direkt in den Kaufentscheid einfließt.
Unter der Haube arbeitet der MediaTek Dimensity 9600 Pro im 2-Nanometer-Verfahren, ergänzt um 12 GB RAM; zusätzlich kann eine RAM-Erweiterung in den Einstellungen bis zu 24 GB angezeigt werden. Leistungstests liefern solide Werte, aber mit einem wichtigen Zusatzkontext: Im Vergleich zum Oppo Find X10 Pro Max, das denselben Chip nutzt, liegt das Vivo in AnTuTu bei 3.213.688 Punkten und in Geekbench 7 bei 3.223 (Single) sowie 10.261 (Multi), während das Oppo deutlich höhere AnTuTu-Werte erreicht, in Geekbench jedoch hinter dem Vivo liegt. Der Test deutet zudem an, wie Vivo die Prioritäten verteilt: Die CPU scheint stärker abgestimmt, die Grafikleistung dagegen zurückhaltender. Im Stresstest zeigt sich dabei die Kehrseite vieler kompakten Plattformen: Bei 3DMark Wild Life Extreme startet das X500 Pro mit 4.202 Punkten und fällt auf 3.549, was für hohe Stabilität (84,5 Prozent) spricht. In anspruchsvolleren Tests wie Steel Nomad und Solar Bay bricht die Leistung jedoch auf rund 58 bis 60 Prozent ein, und genau das ist der Punkt, an dem Nutzer bei langen Sessions mit grafisch fordernden Spielen später drosselnde Effekte erwarten müssen.
Der Akku ist dagegen das Gegenteil von „so lala“. Beim PCMark-Akkutest hält das Vivo X500 Pro 23 Stunden und 20 Minuten durch. Im direkten Vergleich liegen das Galaxy S25 Ultra bei 17 Stunden und 6 Minuten sowie das Xiaomi 15 Ultra bei 16 Stunden und 19 Minuten; nur das Oppo Find X10 Pro Max liegt mit 25 Stunden und 50 Minuten noch weiter vorn. Umso deutlicher wird die Schwäche beim Laden: Auf dem Papier lädt das Gerät mit 90 Watt per Kabel und 40 Watt kabellos. Im Test war davon allerdings kaum etwas zu spüren – mit einem 90-Watt-Netzteil (nicht von Vivo) erreicht der Akku nach 10 Minuten nur 6 Prozent, nach 30 Minuten 18 Prozent, und bis 100 Prozent dauert es über zwei Stunden. Die „Superschnellladen“-Option in den Einstellungen ändert daran offenbar nichts, und selbst mit einem 65-Watt-Netzteil dauert es noch länger. Der Grund liegt nicht nur im „Timing“, sondern auch in der Lieferumfangs-Logik: Im Karton findet sich zwar ein USB-A-auf-USB-C-Kabel und eine Schutzhülle, aber kein Netzteil. Vivo verweist darauf, dass die 90 Watt für das hauseigene FlashCharge-Netzteil gelten und die 40 Watt kabellos nur mit dem Vivo-Ladeständer der zweiten Generation. Positiv bleiben Funktionen wie Reverse Charging und – bei Bedarf – Bypass-Laden, bei dem der Strom beim Zocken direkt ins System fließt statt in den Akku.
Bei der Kamera kann das X500 Pro besonders beim Tele überzeugen, hat aber auch erkennbare Grenzen bei der Bildnachbearbeitung. Vivo kombiniert einen 50-Megapixel-Hauptsensor (1/1,28 Zoll, Blende f/1,57) mit optischem Bildstabilisator sowie ein Ultraweitwinkelmodul (50 Megapixel) und ein 64-Megapixel-Teleobjektiv mit 85 Millimetern. Im Test fällt die Dynamik und Farbtreue über alle drei Objektive hinweg positiv aus, das Hauptbild liefert Schärfe bis in Randbereiche und saubere Zeichnung in Schattenbereichen. Das Tele ist besonders stark, wenn große Äquivalent-Brennweiten im Spiel sind: Backsteintextur, Insektenhotel und feine Strukturen von Hortensienblüten werden laut Test sehr detailliert abgebildet, dazu kommt eine wirksame Rauschunterdrückung. Genau hier setzt aber die Kritik an: Beim Porträt eines Golden Retrievers zeigt sich eine spürbare Überschärfung und teils aggressive Rauschreduktion, wodurch Fellstruktur stellenweise „glattgebügelt“ wirkt; auch das Bokeh mit Blättern und Blüten im Hintergrund zeigt unruhige Kantenstrukturen. Die Makroaufnahme der Fliederblüte punktet hingegen mit lebendigen Farben und weichem Hintergrund, leidet aber unter geringer Schärfentiefe, während die Nachbearbeitung bei feinen gelb-orangefarbenen Stempeln zu Übersättigung und Detailverlust führt. Für schnelle Motive gibt es zudem Motivverfolgung für Menschen, während Tiere oder Fahrzeuge laut Vivo nicht unterstützt werden.
Am Ende entsteht ein Bild, das das kompakte Konzept glaubwürdig macht – mit einer klaren Priorität auf Ausdauer und Kameraqualität, aber ohne die nötige Antwort auf die Ladefrage. Vivo positioniert das X500 Pro nach dem Start in China auch für Europa und nennt als unverbindliche Preisempfehlung 1.399 Euro für die 256-GB-Variante. Zum Marktstart gibt es zeitlich befristet Over-Ear-Kopfhörer im Wert von 169 Euro gratis, außerdem Rabattaktionen und zusätzliche Garantieleistungen abhängig vom Store, inklusive längerer Akku-Garantie und Google-AI-Pro-Zeiten mit Cloud-Speicher. Für die meisten Käufer entscheidet am Ende aber weniger die Bundle-Mechanik als die praktische Frage: Wer das Gerät vor allem als „Tagesbegleiter“ nutzt, profitiert stark von der Laufzeit und dem Tele. Wer dagegen häufig laden muss oder unterwegs auf konsistente Schnellladezeiten angewiesen ist, muss das X500 Pro trotz der 90-Watt-Angabe als enttäuschend einplanen – und sollte den Kauf zeitlich mit einem passenden Netzteil planen, obwohl das im Lieferumfang fehlt.
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