EMDEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Volkswagen erprobt im Emder Außenhafen automatisierte Fahrzeugbewegungen für die Logistik. Dafür wurde im Projekt AutoLog ein Testfeld mit Sensoren, digitalem Abbild der Fläche und einer Steuerungssoftware aufgebaut. Die Kommunikation zwischen System und Fahrzeugen läuft über das öffentliche 5G-Netz. Das Ziel: Fahrzeug-Umschlag in Autoterminals künftig flexibler und sicherer zu steuern, auch im Mischverkehr mit Fußgängern und manuell gelenkten Autos.

Im Emder Außenhafen rückt ein Teil der Fahrzeuglogistik in den Fokus, der im Alltag meist unsichtbar bleibt: die chaotisch wirkenden, aber streng getakteten Bewegungen von Autos zwischen Parkflächen, Fahrwegen und Ladebereichen. Genau hier setzt Volkswagen mit dem Forschungsprojekt AutoLog an und will automatisierte Fahrbewegungen nicht nur als Demonstration, sondern unter realistischen Bedingungen testen. Nach Angaben aus dem Projektumfeld soll dadurch der Fahrzeug-Umschlag in Autoterminals langfristig flexibler, sicherer und nachhaltiger werden.
Die Dimension der Aufgabe ist dabei klar umrissen. Insgesamt verschifft der VW-Konzern nach früheren Angaben jährlich rund 2,4 Millionen Fahrzeuge aus mehr als 40 Häfen; Emden gilt im Netzwerk als größter Standort. Für 2025 nennt das Umfeld der Region nahezu 1,2 Millionen umgeschlagene Fahrzeuge des VW-Konzerns. Damit trifft das Pilotsetup in Ostfriesland auf ein Umfeld, das nicht nur geografisch relevant ist, sondern auch hinsichtlich Taktung, Verkehrsführung und Platznutzung anspruchsvoll bleibt. Dass Emden nach Bremerhaven zudem als zweitgrößter Autoverladenhafen in Deutschland eingeordnet wird, erhöht die Praxisnähe des Testfelds.
Technisch betrachtet arbeitet AutoLog mit einem „digitalen Zwilling“ der Testumgebung als Voraussetzung für kontrollierte Automatisierung. Auf dem Terminalgelände wurde ein Testfeld errichtet, in dem ein- und ausgehende Fahrzeugströme sowie verschiedene Verkehrssituationen simuliert werden. Neben Parkflächen und Fahrwegen gehört auch ein viel genutzter Kreisverkehr zur Anlage. Dafür kommen Sensoren zum Einsatz, die ein digitales Abbild der Fläche erzeugen. Über eine Steuerungssoftware werden die Fahrzeugbewegungen koordiniert, sodass sich Abläufe von der Einfahrt bis zu definierten Übergabepunkten nachvollziehbar und wiederholbar untersuchen lassen.
Entscheidend ist dabei auch die Art der Kommunikation. Für den Datenaustausch zwischen dem System und den Fahrzeugen nutzt Volkswagen das öffentliche 5G-Netz. Das ist mehr als ein „Netz-Test“: In der Logistik entstehen vielfältige Anforderungen an Latenz, Verfügbarkeit und Robustheit, weil mehrere Teilnehmer gleichzeitig im selben Bereich handeln. Die Erprobung zielt daher darauf, automatisierte Bewegungen in ein Umfeld mit Mischverkehr zu integrieren, in dem nicht alles hochgradig automatisiert ist. In Emden ging es laut Projektbeschreibung ausdrücklich darum, automatisierte Fahrzeugbewegungen in einem anspruchsvollen Logistikumfeld mit überlagerten Verkehrsteilnehmern zu erproben, also etwa dort, wo zusätzlich manuell gesteuerte Fahrzeuge und Fußgängerbewegungen eine Rolle spielen.
Die Zusammenarbeit im Projekt verbindet Logistik- und Produktions-Know-how mit Kommunikations- und Softwarekompetenz. Für AutoLog arbeitet Volkswagen nach Angaben aus dem Projektumfeld mit dem Bremer Institut für Produktion und Logistik (BIMA) an der Universität Bremen, mit der Deutschen Telekom und mit dem Softwarespezialisten Unikie zusammen. Zudem wurde das Projekt vom Bundesverkehrsministerium gefördert. Solche Strukturen sind in der Praxis wichtig, weil die Hürde selten nur im Algorithmus liegt; häufig entscheidet sich die Umsetzbarkeit daran, ob Sensorik, Kommunikationsstack und Sicherheitslogik in die vorhandene Terminalrealität passen.
Mit dem Abschluss der Erprobungsphase in Emden will Volkswagen die gewonnenen Erkenntnisse in die weitere Technologieentwicklung überführen und die Marktreife für den Einsatz in weiteren Logistikumgebungen bewerten. Gleichzeitig testet der Konzern nach eigenen Angaben auch an anderen Stellen automatisierte Fahrzeugbewegungen: Am Audi-Standort in Ingolstadt wird etwa das automatisierte Verladen von Fahrzeugen auf Eisenbahnwaggons erprobt. Das macht deutlich, dass es Volkswagen nicht nur um einen „Hafen-Gag“ geht, sondern um wiederverwendbare Bausteine entlang der Fahrzeug-Logistikkette – vom Umschlag im Terminal bis zum Übergang in den Schienenverkehr.
Für Unternehmen, die selbst an Automatisierung entlang von Produktions- und Logistikprozessen arbeiten, ist AutoLog vor allem ein Signal dafür, wie Testfelder in der Industrie aussehen müssen: Nicht im abgeschotteten Labor, sondern dort, wo Zufahrten, Engstellen und gemischte Verkehrslagen die Regel sind. Wenn sich Sensorik, Koordination und 5G-Kommunikation so stabil integrieren lassen, dass der Betrieb nicht nur funktioniert, sondern planbar bleibt, steigt die Chance auf breitere Rollouts. Unklar bleibt aus den verfügbaren Informationen vorerst, wie Volkswagen die Ergebnisse in konkrete Ausbaupfade übersetzt – etwa wie schnell sich einzelne Terminalbereiche mit automatisierten Bewegungsfunktionen nachrüsten lassen und welche Sicherheits- und Betriebskennzahlen dafür maßgeblich sein werden.
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