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LONDON (IT BOLTWISE) – Sicherheitsforschung zeigt, dass 319 versteckte Chrome-Extensions Suchanfragen still und heimlich umleiten. Laut Analyse erreichten sie zusammen 13,4 Millionen Installationen und nutzen dabei von Betreibern kontrollierte Proxy-Server. Die Add-ons sind im Chrome Web Store nicht gelistet, werden aber über irreführende Anzeigen verbreitet. Kritisch bleibt: Auch wenn keine direkten Schadumleitungen beobachtet wurden, können Betreiber die Umleitungen für Phishing oder Malware-Landingpages missbrauchen.

13,4 Millionen Installationen: versteckte Chrome-Extensions kapern Suchanfragen
13,4 Millionen Installationen: versteckte Chrome-Extensions kapern Suchanfragen (Foto: IT BOLTWISE)
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Viele Nutzer verlassen sich bei Browser-Features auf die Annahme, dass „installierte“ Erweiterungen auch sichtbar und überprüfbar sind. Genau an dieser Lücke setzt die aktuelle Sicherheitsauswertung an: Forschende haben 319 Chrome-Extensions identifiziert, die Suchfunktionen im Browser kapern und anschließend Umleitungen über Infrastruktur ausspielen, die nicht vom Nutzer kontrolliert wird. In Summe sollen die betroffenen Add-ons auf 13,4 Millionen Installationen gekommen sein – über einen Zeitraum von zehn Jahren. Auffällig ist dabei weniger die klassische Schadsoftware-Logik, sondern die scheinbar „harmlos“ wirkende Implementierung, die sich in vielen Fällen auf wenige oder sogar keine sichtbaren Funktionen beschränkt.

Technisch betrachtet basiert das Manipulationsmuster auf einer simplen Änderung im Manifest: Die Erweiterungen tauschen den standardmäßigen Suchanbieter aus, ohne dass dafür zwingend ausführbarer Code im Hintergrund notwendig wäre. Socket beschreibt, dass die Erweiterungen genau dafür nicht auffällig wirken müssten – teils seien sie nahezu leer, verlangten keine relevanten Berechtigungen und enthielten weder Hintergrundcode noch eine echte Nutzeroberfläche. Stattdessen übernimmt das Framework eine eingebaute Funktion, die beim Setup die Sucheinstellungen umstellt. Der entscheidende Punkt: Bei der Installation kann der Nutzer zwar mit einem Prompt konfrontiert werden, aber die Folgen werden nicht transparent genug erklärt, insbesondere nicht, dass Suchanfragen über Proxy-Server der Betreiber laufen.

Damit entsteht ein doppelt wirksamer Hebel für die Betreiber. Erstens werden Suchanfragen nicht direkt zu Bing oder Yahoo gesendet, sondern zunächst an die von den Betreibern kontrollierten Proxy-Server, die die Queries vor der Weiterleitung auswerten können. Zweitens lässt sich das Ganze monetarisieren: Die Forschenden ordnen die Weiterleitung so ein, dass die Betreiber Partner-Referral-Zahlungen von Such- und Syndication-Ökosystemen erhalten können, offenbar über einen syndizierten Partnerbezeichner. Zusätzlich wird als mögliche Motivation genannt, dass Proxy-Infrastruktur messbar macht, ob die Kompensation tatsächlich den erwarteten Referrals entspricht – und dass jede Anfrage potenziell auch als Signal für Trend- oder Sentimentdaten dient. Besonders brisant klingt ein drittes Element: „programmierbare“ Umleitungen, bei denen pro Anfrage unterschiedliche Ziele ausgewählt werden können.

In der Auswertung finden sich dafür konkrete Beobachtungsbeispiele, die das reine „Weiterleiten an einen Dienst“ als zu kurz greifen lassen. Die Forschenden berichten von Fällen, in denen wiederholte Suchanfragen über dieselbe Extension zu unterschiedlichen Ergebnissen führten – etwa zu Google-Startseiten ohne Partnerkennzeichnung bei einigen Queries, während andere Anfragen zu Bing umgeleitet wurden. In einem weiteren beobachteten Szenario führten sechs identische Suchanfragen über eine Extension-Proxy-Kette zu vier verschiedenen Zielzustellungen. Genau daraus folgt die operative Gefahr: Selbst wenn keine bösartigen Umleitungen direkt beobachtet wurden, können Betreiber die Routing-Logik später nutzen, um Suchtreffer gezielt zu manipulieren oder Nutzer auf Phishing- bzw. Malware-Landingpages zu führen, die sich nach Suchbegriffen oder geografischen Parametern richten.

Die Verbreitung erfolgt dabei nicht über offensichtliche Einstiegsseiten, sondern über eine Kombination aus versteckter Platzierung und Werbemaschinerie. Der Chrome Web Store erlaubt es, Erweiterungen unlisted zu führen: Sie tauchen dann nicht in Such- oder Ergebnislisten auf, bleiben aber über Direktlinks erreichbar und wirken in den einzelnen Store-Profilen wie „normale“ Utility-Tools. Besonders relevant für den Markt ist, dass die Nutzer in der Praxis häufig über Pop-over- oder Pop-under-Anzeigen in Installationspfade gedrückt werden, die auf Dateikonverter, „safe search“, „manual finders“ oder teils auch „AI search“ zielen. Die Forschenden argumentieren, dass für Betroffene oft wenige Klicks reichen, um die Extension zu installieren und anschließend schnell wieder aus dem Fokus zu verlieren.

Auch die organisatorische Streuung stützt die These, dass hier keine einzelnen Bastellösungen im Umlauf sind. Socket ordnet 200 der gefundenen Extensions „identifizierbaren Betreibern“ zu, die zusammen rund 5,7 Millionen Nutzer adressiert haben. Für weitere 119 Extensions werden die Betreiber als „unbekannt“ beschrieben, bei etwa 7,8 Millionen Nutzern. Besonders groß ist demnach der Cluster „SecuryBrowse“ mit 58 Extensions und 4,9 Millionen Nutzern; ein weiterer Block heißt „Bing-Search“ und soll über Bidbrain-Anzeigen verteilt worden sein. Die Auswertung legt außerdem nahe, dass die Aktivität kontinuierlich seit mindestens 2016 betrieben wurde, und verweist darauf, dass sich selbst bei einer späteren Entfernung aus dem Store schnell neue Domains und Köder-Varianten auftauchen.

Für IT- und Security-Verantwortliche ergibt sich daraus eine klare Priorisierung: Nicht jede problematische Erweiterung macht sich durch „klassische“ Berechtigungsanfragen bemerkbar. Das Muster zeigt vielmehr, dass Such- und Redirect-Ketten in Browsern auch dann riskant bleiben, wenn Erweiterungen formal klein wirken. Praktisch heißt das, dass Monitoring stärker an Browser-Verhaltensindikatoren ansetzen sollte, etwa an Änderungen der Suchanbieter-Settings und an auffälligen Proxy-/Redirect-Mustern im Webverkehr. Für die Nutzerseite ist die wichtigste Gegenmaßnahme weiterhin organisatorisch: nur Erweiterungen installieren, deren Zweck im Alltag nachvollziehbar ist, und bei unklaren Installationsprompts genauer prüfen, was konkret an Such- und Redirect-Zielen geändert wird.

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