LONDON (IT BOLTWISE) – Laut Survey of Professional Forecasters steigen die Prognosen für die Verbraucherpreise 2026 auf 3,0 Prozent. Für 2027 werden 2,6 Prozent und für 2028 2,0 Prozent erwartet. Bei der Kerninflation liegen die Erwartungen 2026 bei 2,4 Prozent und fallen danach auf 2,2 Prozent. Gleichzeitig wird für die Jahre 2026 bis 2028 ein BIP-Wachstum zwischen 1,0 und 1,3 Prozent in Aussicht gestellt.

Die aktuelle Inflationssicht der Notenbank folgt einmal mehr den gleichen Messlatten, aber mit spürbar veränderten Kurven: Im Survey of Professional Forecasters werden die Verbraucherpreise für 2026 auf 3,0 Prozent veranschlagt. In der Juli-Erhebung lag die Schätzung noch bei 2,7 Prozent. Schon diese Verschiebung um 0,3 Prozentpunkte signalisiert, dass sich das Basisszenario für Preissteigerungen kurzfristig wieder fester anfühlt, auch wenn der Blick Richtung 2027 und 2028 weiterhin auf eine Normalisierung hinausläuft.
Technisch betrachtet lohnt sich dabei die Trennung zwischen Gesamtinflation und Kerninflation, weil sie für die geldpolitische Reaktionsfunktion oft als besserer Indikator für persistente Preisrisiken gilt. Die Kerninflation wird im Survey für 2026 mit 2,4 Prozent angegeben; sie bleibt damit in etwa auf dem Niveau der vorangegangenen Erwartung (ebenfalls 2,4 in der Juli-Erhebung). Für 2027 wird eine leichte Entspannung auf 2,5 Prozent erwartet, danach sinkt die Kernrate auf 2,2 Prozent. Langfristig soll sowohl die Inflation als auch die Kerninflation bei 2,0 Prozent liegen, was den Rahmen für das Zielniveau sauber absteckt.
Daneben zeigt der Blick auf das Wachstum, wie eng Notenbanken Preis- und Aktivitätsentwicklung miteinander abgleichen. Die Ökonomen rechnen für 2026 bis 2028 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,0 (Juli: 0,6) Prozent, 1,3 (1,2) Prozent und 1,3 (1,3) Prozent. Für die langfristige Perspektive wird das Wachstum ebenfalls bei 1,3 Prozent gesehen. Diese Kombination ist für Marktteilnehmer wichtig: Steigende Inflationspfade bei gleichzeitig nicht kollabierendem Wachstum deuten eher auf eine Mischung aus Nachfrage-Stabilität und zähen Preisdynamiken hin als auf einen unmittelbaren Abschwung als Haupttreiber.
Für die EZB-Entscheidungen ist dabei weniger die einzelne Zahl entscheidend als die Wahrscheinlichkeitsverteilung, die sie impliziert. Wenn die Verbraucherpreise 2026 stärker steigen sollen als noch im Juli erwartet, verschiebt sich die Erwartung an den Zeitpunkt, an dem der Disinflationsprozess wieder deutlich anzieht. Gleichzeitig bleibt die Kerninflation 2026 im gleichen Korridor wie zuvor, was zumindest gegen ein abruptes „zweites Aufziehen“ der zugrundeliegenden Teuerung spricht. Genau diese Gegenläufigkeit prägt typischerweise die Kommunikation: Die Notenbank kann auf der einen Seite mit dem Zinsniveau länger vorsichtig bleiben, auf der anderen Seite aber davon ausgehen, dass die Kernrate nicht weiter eskaliert.
Historisch betrachtet folgte die europäische Geldpolitik in Phasen erhöhter Teuerung häufig dem Muster, zunächst die „Second-Round“-Effekte über die Kernkomponente im Blick zu behalten, bevor sie den Weg der Normalisierung beschleunigt. Entscheidend ist dabei die Frage, ob Energie- oder Einmaleffekte die Gesamtinflation treiben, oder ob Lohn- und Dienstleistungsinflation das Bild nachhaltig formen. Die im Survey ausgewiesene Rückkehr der Kerninflation Richtung 2,0 Prozent im langfristigen Horizont deutet zumindest darauf hin, dass die erwartete Persistenz begrenzt bleibt. Trotzdem bleibt der kurzfristige Aufwärtsimpuls bei der Gesamtinflation ein Faktor, der die Unsicherheit erhöht.
Für Unternehmen und Entscheider im operativen Geschäft ist die Prognose-Setzung über mehrere Zeithorizonte relevant. Wer Preis- und Lohnbudgets plant, kann die Spannweite für 2026 bis 2028 besser einordnen: 2026 liegt man laut Survey sowohl bei der Gesamtinflation (3,0) als auch bei der Kerninflation (2,4) höher als im Juli. Für 2027 und 2028 wird zwar eine Entspannung erwartet, aber nicht als Sprung, sondern als schrittweise Absenkung bis in den Bereich um 2,0 Prozent. Gerade in Branchen mit Tarifbindung oder längeren Vertragslaufzeiten beeinflusst das, wie aggressiv Einkaufs- und Preismechaniken neu justiert werden müssen.
Am Ende verdichtet der Survey eine Botschaft, die in der Praxis häufig mehr Gewicht hat als der Tageskurs: Die Preisentwicklung wird kurzfristig voraussichtlich straffer ausfallen als zuvor gedacht, während das mittelfristige Bild weiterhin eine Rückkehr in Richtung Zielmarke unterstützt. Für die Marktgestaltung bedeutet das, dass Bewertungsmodelle für Zins- und Inflationsrisiken wahrscheinlich mit einer etwas höheren kurzfristigen Prämie arbeiten sollten, zumindest solange die Kerninflation 2026 nicht klar nach unten rutscht. Wie stark die reale Geldpolitik darauf reagiert, hängt jedoch daran, wie sich die Daten zu Preisen, Löhnen und Nachfrage bis zur nächsten Planungsrunde weiter entwickeln.
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