NANJING / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Analyse wertet sechs Bücher von späteren Top-Figuren der zweiten Trump-Administration aus und zeigt ein wiederkehrendes Muster: Metaphern aus Krieg, Verfall und Krankheit dominieren. Die Studie findet, dass rund 90 % der gezählten Formulierungen Bedrohung oder Schaden beschreiben, während Reparatur- und Erneuerungsbilder deutlich seltener sind. Besonders fällt auf, dass Gegner häufig als Feinde „von innen“ gerahmt werden. Damit deutet die Arbeit darauf hin, dass sich die Rhetorik der Bewegung über einzelne Redestile hinaus in einem gemeinsamen Baukasten verankert.

Die Debatte darüber, wie politischer Stil zu politischer Wirkung wird, bekommt mit einer aktuellen Veröffentlichung in Frontiers in Psychology neuen analytischen Nachschub: Forschende untersuchten nicht einzelne Auftritte, sondern die Sprache in Büchern, die vor dem Amtsantritt von zentralen Personen einer späteren Regierungskoalition erschienen. Der Ansatz ist methodisch interessant, weil Buchtexte – anders als Social-Media-Posts oder spontane Redeausschnitte – in der Regel über längere Strecken argumentativ stabil bleiben und damit eher erkennen lassen, welche Metaphern als „Denkmuster“ wiederkehren.
Im Kern berichten die Autorinnen und Autoren von einem auffälligen Schwerpunkt der metaphorischen Bildwelt. Für die Metaphernzählung kombinierten sie maschinelles Clustering mit manueller Prüfung: Zunächst teilten sie die untersuchten Bücher in einzelne Absätze, suchten dann nach potenziell metaphorischen Begriffen und ließen nur solche Zählstellen gelten, bei denen die Bedeutung aus dem Kontext heraus von der wörtlichen, physischen Grundbedeutung abweicht und ein konkretes Erlebnis auf ein abstraktes Politikthema abbildet. Bei dieser Unterscheidung trennten sie etwa bildhafte Rede von wörtlicher Beschreibung: So wurden Formulierungen wie „total war“ oder Beschreibungen von Behörden als „rotten“ als Metaphern aus Krieg und organischem Verfall kodiert, während der Gebrauch von „civil war“ für tatsächlich gemeinte bewaffnete Auseinandersetzungen aus der Metapherkategorie herausfiel.
Der Datensatz bestand aus sechs breit rezipierten Büchern aus dem Zeitraum 2016 bis 2024, mit insgesamt 914 Absätzen (11,57 %), die sich nicht sauber in die dominierenden Themencluster einordnen ließen. Die verbleibenden Absätze ließen sich in 16 Themen einbetten, die die Forschenden zu sieben größeren Problemfeldern zusammenfassten: von Gesundheit und medizinischer Autorität über die Kultur- und Bildungsdebatte bis hin zu Institutionen und dem „deep state“, außerdem Familie, Klassenmobilität, globale Ordnung und nationale Verteidigung sowie wirtschaftlicher Niedergang und Einwanderung. Diese thematische Landkarte ist wichtig, weil sie zeigt, dass die metaphorische Bildsprache nicht auf ein einzelnes Politikfeld beschränkt bleibt, sondern quer zu verschiedenen Debatten wirksam wird.
Die quantitativen Ergebnisse zeichnen dabei ein klares Bild der Asymmetrie zwischen Krise und „Reparatur“. Von 2.074 verifizierten metaphorischen Ausdrücken entfielen 90,55 % auf bedrohungsorientierte Frames (1.878 Instanzen), während Metaphern für Wiederbelebung und Rekonstruktion nur 9,45 % ausmachten (196 Instanzen). Bei den Kategorien steht „Krieg und Konflikt“ mit 47,1 % (976 Instanzen) deutlich an erster Stelle, gefolgt von „Verfall und Niedergang“ mit 19,7 % (408). „Korruption und Krankheit“ erreicht 14,0 % (290), „Wiederbelebung und Rekonstruktion“ 9,5 % (196), während „Invasion und Infiltration“ auf 5,6 % (117) kommt und „Verrat und Verlassenheit“ 4,2 % (87). Interessant ist zudem, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Autoren statistisch zwar messbar sind, aber nicht extrem ausfallen: Ein Cramér-V-Wert von 0,178 spricht dafür, dass ein gemeinsamer Werkzeugkasten genutzt wird, der dann je nach Schwerpunkt variiert.
Noch stärker als die Kategoriehäufigkeiten fällt jedoch die Art auf, wie „wir“ und „die anderen“ positioniert werden. In 82,4 % der relevanten Zuordnungen tauchte kollektive Gruppenrahmung auf; am häufigsten wurde „uns“ gegen ein „internes them“ gesetzt (31,7 % bzw. 541). Positionen, die ausschließlich „internes them“ adressieren, folgen dicht dahinter (25,4 % bzw. 432). Dagegen ist der Fokus auf „externe them“ deutlich seltener: „uns“ gegen „externes them“ kommt nur auf 4,6 % (78), und Passagen mit alleiniger Nennung von „externes them“ auf 1,3 % (22). Damit verschiebt sich die Konfliktlogik in diesen Texten oft weg von klassischen außenpolitischen Feindbildern hin zu einer inneren Entfremdungserzählung, in der Eliten, Bürokratien oder institutionelle Autoritäten als Verräter oder „Infektionsquellen“ erscheinen.
Um zu erklären, wie solche Frames argumentativ zusammenspielen, ordnen die Forschenden die Metaphern außerdem Emotionen zu und leiten daraus eine Art rhetorische Architektur ab. In 95,54 % der untersuchten Absatz-Zuordnungen war Angst beziehungsweise Anspannung vertreten, was eine dauerhaft „dringliche“ Folie erzeugt. Auf dieser Basis erhielten einzelne Kategorien charakteristische Gefühlsprofile: Kriegsmetaphern banden sich besonders häufig an Wut und Stolz, während Krankheits- und Korruptionsbilder eher mit Ekel und Demütigung zusammenfielen; Verfallsmetaphern riefen häufiger Nostalgie und Verlust auf. Wiederbelebungs- und Rekonstruktionsmuster waren quantitativ zwar selten, trugen aber eine starke Konzentration an Hoffnung und Appellen auf Gerechtigkeit in sich – ein Befund, den die Autoren als gezielte „Weiterführung“ der Krisenpassagen interpretieren: Der Text liefert also nicht nur Problemdiagnosen, sondern auch eine Richtung für Erneuerungsversprechen.
Die Arbeit ordnet ihre Befunde zudem in breitere Erkenntnisse zur Funktionsweise von Metaphern ein: Konzeptuelle Metaphern können über das bloße Ausschmücken hinaus Aufmerksamkeit lenken und bestimmte Reaktionsweisen als „naheliegend“ markieren. Außerdem knüpfen die Autorinnen und Autoren an frühere Forschung an, die zeigt, wie bereits kleine Änderungen der Bildsprache (etwa Kriminalität als „Wildtier“ versus als „Virus“) die Präferenz für harte Eingriffe oder Reformen beeinflussen können – selbst dann, wenn Menschen nicht wissen, dass der Frame ihre Einschätzung steuert. Für die Praxis bedeutet das: Wenn politische Bücher wiederholt Bedrohung und Schaden als Grundton etablieren und zugleich „Reparatur“ deutlich seltener als plausiblen Ausweg auszeichnen, verschiebt sich auch der Interpretationsspielraum für Kompromisse. Für Unternehmen und politische Entscheider, die mit Informationsflüssen aus solchen Milieus umgehen müssen, ist das vor allem deshalb relevant, weil sich die Argumente weniger über einzelne Sachvorschläge vermitteln, sondern über wiederkehrende Deutungsmechanismen, die Krisen als existenzielle Notfälle rahmen.
Als methodische Einschränkung nennen die Forschenden unter anderem, dass die Analyse keine Leserbefragung enthält: Sie kann daher nicht direkt zeigen, ob und wie stark Metaphern beim Publikum Einstellungen verändern oder zu Handlungen führen. Zudem wurde die Stichprobe bewusst auf sechs prominente Bestseller begrenzt, ohne Vergleich gegen andere politische Sachbücher, sodass offen bleibt, ob die „krisenlastige“ Häufung ungewöhnlich ist oder innerhalb populärer politischer Non-Fiction ein gängiges Erzählmuster darstellt. Ebenfalls bleiben Fragen zur Übertragbarkeit nach Amtsantritt: Künftige Studien sollen Metaphernmengen normieren, Vergleichsgruppen einziehen und prüfen, ob die beschriebenen Frames in offiziellen Reden weitergeführt werden.
Am Ende liefert die Studie vor allem eines: eine quantifizierbare Blaupause dafür, wie sich politische Deutungsmuster in Texten verfestigen können. Dass dabei Krieg-, Verfalls- und Krankheitsbilder deutlich dominieren und „von innen“ gerichtete Gegnerlogiken häufig auftreten, wirkt wie ein gemeinsamer Argumentationsbaukasten. Für die Analyse politischer Kommunikation heißt das: Statt nur einzelne Aussagen zu bewerten, lohnt sich der Blick auf die wiederkehrenden Metaphernarchitekturen, weil sie erklären, warum bestimmte Handlungsoptionen gefühlt „alternativlos“ erscheinen.
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