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LONDON (IT BOLTWISE) – Eine offizielle Claude-Code-Erweiterung für VS Code wurde in einer Supply-Chain-Attacke manipuliert, um eine persistente SSH-Backdoor zu installieren. Betroffen war eine konkrete Paketversion mit einer nachträglich eingefügten JavaScript-Loader-Komponente, die nach dem Start von VS Code aktiv wird. Die Schadsoftware trägt einen angreiferkontrollierten SSH-Key in die authorized_keys ein, richtet serverseitige Erreichbarkeit per Reverse-Tunnel ein und versendet Recon-Daten über unverschlüsseltes HTTP. Mittlerweile wurde die betroffene Version entfernt und durch eine neue Version ersetzt.

Kompromittierte Claude-Code-Erweiterung installiert SSH-Backdoor über Supply-Chain-Angriff
Kompromittierte Claude-Code-Erweiterung installiert SSH-Backdoor über Supply-Chain-Angriff (Foto: IT BOLTWISE)
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In der Software-Entwicklung ist es inzwischen ein bekanntes Risiko: Selbst „offizielle“ Erweiterungen können zum Einfallstor werden, wenn der Software-Delivery-Prozess nicht ausreichend gegen Manipulationen abgesichert ist. Genau dieses Muster zeigt der aktuelle Vorfall rund um die Claude-Code-Erweiterung für VS Code. Dabei geht es nicht um einen Angriff auf den Editor selbst, sondern um eine kompromittierte Veröffentlichung, bei der ein Einstieg über die Paketlieferkette (Distribution und Build-Artefakte) erfolgt. Die Forschenden beschreiben, dass die bösartige Variante nach dem Start von VS Code aktiv wird und dann tief in typische Nutzer-Workflows eingreift.

Konkret nennen die Analysen zwei Haupt-Vertriebswege, über die die Erweiterung verfügbar ist: Open VSX sowie der Microsoft VS Code Marketplace. In beiden Fällen wird die Komponente als „anthropic.claude-code“ geführt, und die betroffene Version soll sich als anthropic.claude-code Version 2.1.313 identifiziert haben. Auffällig ist dabei der Aufbau des Pakets: Im Haupt-JavaScript-Bundle sei ein 66-zeiliger Loader vor den legitimen Extension-Code eingefügt worden. Jenn Gile, Co-Founder von OpenSourceMalware, sprach in dem Zusammenhang davon, dass das Paket sich zwar als korrekt identifiziere, der Loader jedoch die Ausführung in eine schädliche Richtung lenke. Diese Art von Loader-Technik ist besonders tückisch, weil sie den eigentlichen Schadcode zeitlich oder logisch „versteckt“ und erst nach bestimmten Triggern greift.

Der Angriff zielt anschließend auf die Persistenz über SSH, ohne dass der Nutzer hierfür zwingend explizite Admin-Vorgänge anstößt. Die Erweiterung aktiviert sich nach dem Start von VS Code und sobald die Webview geöffnet ist. Danach versucht sie, einen angreiferkontrollierten SSH-Schlüssel in die Datei „~/.ssh/authorized_keys“ zu schreiben. Der Key wird dabei als „svc-telemetry“ benannt, um eine unkritische Sichtweise zu begünstigen. Anschließend versucht die Schadsoftware, den kompromittierten Rechner über SSH über Windows, Linux und macOS hinweg erreichbar zu machen. Technisch wird das über einen Reverse-Tunnel umgesetzt, bei dem eine Verbindung zu „134.209.82[.]225“ aufgebaut wird; parallel wird eine systemabhängige Persistenz installiert, die je nach Plattform als Scheduled Task unter Windows, als crontab unter Linux oder als LaunchAgent unter macOS beschrieben wird.

Bei macOS und Windows kommt jedoch ein entscheidender Haken hinzu: Für das „Aktivieren“ bzw. das effektive Nutzen des lokalen SSH-Dienstes sind in der Regel Administratorrechte erforderlich. Laut Cursor-Analyse gelingt das nicht auf den meisten betroffenen Systemen, weil die Extension diese Rechte nicht in allen Fällen erlangen kann. Das bedeutet zugleich: Selbst wenn ein erfolgreicher Login über den Tunnel nicht zustande kommt, bleibt der Angriff in Teilen wirksam. Die Erweiterung könne weiterhin den SSH-Key hinzufügen, Persistenzmechanismen anlegen und Host-Details übermitteln. Die „Beacon“-Kommunikation erfolgt dabei an „134.209.82[.]225:8099“ per unverschlüsseltem HTTP-Request; im Text wird betont, dass die Verbindung über Port 8099 läuft und damit nicht in einem TLS-gesicherten Kanal stattfindet.

Für die Untersuchung der möglichen Auswirkungen ist außerdem relevant, was genau gesammelt wird. Laut den beschriebenen Daten umfasst die Recon-Phase unter anderem die öffentliche IP-Adresse (aus api.ipify[.]org), Hostname und lokaler Nutzername, Betriebssystem und CPU-Architektur sowie Home-Verzeichnis und aktuelles Arbeitsverzeichnis. Darüber hinaus wird „global Git email“ aus „git config –global user.email“ ermittelt. Besonders kritisch sind die Hinweise auf bis zu 40 Environment-Variablen, deren Namen auf KEY-, TOKEN-, SECRET- oder PASS-Patterns sowie auf AWS- oder GCP-Konfigurationen schließen lassen. Paul McCarty ordnete das ein: „Environment-variable values are not placed directly in the initial beacon.“ Zugleich könne allein das Wissen um die verwendeten Variablennamen schon auf Cloud-Provider, CI-Systeme und Credential-Typen hinweisen; erfolgreicher SSH-Zugriff würde dann den direkten Zugriff auf das Konto erleichtern. Gleichzeitig halten die Forschenden fest, dass bislang keine weiteren „Follow-on“-Payloads beobachtet wurden, der Reverse-Tunnel jedoch grundsätzlich einen Pfad für späteres Kommandieren oder Dateitransfers eröffnen kann.

Wie stark der Vorfall konkret durchgeschlagen ist, wird ebenfalls quantifiziert: Cursor zufolge betrifft er höchstens etwa 5.000 Nutzer, die die schädliche Version im Zeitraum von rund 2:27 Uhr PT bis 13:35 Uhr PT am 29. Oktober 2026 installiert hatten. Laut der Darstellung will Cursor die potenziell betroffenen Anwender direkt kontaktieren. Der Sicherheitsbericht empfiehlt unabhängig vom konkreten Status: Hosts isolieren, die nicht autorisierte SSH-Key-Eintragung sowie die Persistenzmechanismen entfernen, und anschließend Credentials inklusive Sessions rotieren. Außerdem wurde die manipulierte Version bereits schnell wieder aus dem Verkehr gezogen; Anthropic habe außerdem eine neue Version (2.1.314) veröffentlicht. Interessant ist diese zeitliche Abfolge auch aus Branchenperspektive: Sie zeigt, dass die Reaktionsgeschwindigkeit zwar wichtig ist, dass die kompromittierte Software in kurzen Zeitfenstern aber dennoch genügend Installationen erreichen kann, gerade wenn Auto-Update-Funktionen aktiv sind und die Integrität der veröffentlichten Artefakte vorab nicht zuverlässig gegen Manipulation abgesichert wurde.

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