KONSTANZ / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Stadtwerke Konstanz wollen die Fähre „Tàbor“ zwischen Konstanz und Meersburg batterieelektrisch umrüsten. Dafür haben sie beim Bund einen Förderantrag eingereicht, während über die Zusage noch nicht entschieden ist. Das Vorhaben hat laut Angaben ein Gesamtvolumen von rund 12 Millionen Euro, bei dem bis zu 90 Prozent der förderfähigen Kosten übernommen werden sollen. Für den elektrischen Betrieb sind Batteriesysteme mit etwa 3,6 Megawattstunden und der Ausbau von Ladeinfrastruktur am Fährhafen geplant.

Auf dem Bodensee soll die emissionsintensive Kurzstrecke über Wasser spürbar sauberer werden: Die Stadtwerke Konstanz planen, die Autofähre „Tàbor“ auf einen batterieelektrischen Antrieb umzustellen. Die Grundlage ist ein Förderantrag beim Bund, den das Unternehmen nach eigenen Angaben gestellt hat. Entscheidender Punkt dabei ist der zeitliche Takt: Erst nach einer Förderzusage und weiteren Beschlüssen wollen die Stadtwerke über die Umsetzung entscheiden. Damit rückt eine konkrete Elektrifizierungsphase für eine der wichtigsten Fährverbindungen des Sees in greifbare Nähe, ohne dass das Projekt schon als endgültig abgesichert gilt.
Technisch geht es nicht nur um einen Austausch des Antriebs, sondern um eine neue Energiearchitektur an Bord. Für den elektrischen Betrieb sind Batteriesysteme mit einer Speicherkapazität von rund 3,6 Megawattstunden vorgesehen. Gleichzeitig soll die Energieverteilung an Bord erneuert werden, zudem sind Anpassungen weiterer technischer Anlagen geplant. Im regulären Betrieb sollen die bisherigen Dieselmotoren, die bisher Strom erzeugen, durch Batterien ersetzt werden. Diese Vorgehensweise ist für Betreiber relevant, weil sie die Frage nach dem „Woher kommt der Strom?“ direkt in die Fahrplanung übersetzt: Die Batterie wird zur zentralen Pufferkomponente zwischen Netz und Drehmomentbedarf.
Die Ladeinfrastruktur spielt dabei eine mindestens ebenso große Rolle wie die Batterietechnik. Am Fährhafen Konstanz-Staad soll eine neue Ladelösung entstehen, die auf den Ablauf beim Auf- und Abladen abgestimmt ist. Während die Autos auf- und abgeladen werden, soll das Schiff innerhalb weniger Minuten Strom aufnehmen. Ein stationärer Batteriespeicher an Land ist als Puffer gedacht, um die begrenzte Leistung des Stromnetzes auszugleichen. Zusätzlich ist eine Ladeeinrichtung am Nachtliegeplatz vorgesehen, was für die Auslegung der Gesamtenergie entscheidend ist: Damit kann die Flotte über den Tagesbetrieb hinaus aufgeladen werden, statt die Netzanschlussleistung zwangsläufig auf Lastspitzen zu dimensionieren.
Das Projekt ist in ein breiteres Modernisierungspaket eingebettet. Die „Tàbor“ ging 2004 in Betrieb und soll im Zuge der Umstellung umfassend modernisiert werden. Die Stadtwerke ordnen das Vorhaben deshalb auch als wirtschaftlich und technisch sinnvoll ein: Das Schiff sei ein leistungsfähiges Asset, das noch viele Jahre im Einsatz bleiben soll. Für die Region ist die Bedeutung der Route klar messbar: Nach Angaben der Stadtwerke erbringt die „Tàbor“ fast ein Drittel der Verkehrsleistung zwischen Konstanz und Meersburg. Hinzu kommt der betriebliche Charakter der Verbindung mit Pendlern und Touristen sowie sechs Fährschiffen insgesamt; auf der Strecke spart der Seetörn von 15 Minuten einen Umweg von rund 70 Kilometern.
In der Flotte gibt es bereits einen Vorgeschmack auf alternative Antriebe. Mit der „Richmond“ ist schon ein Schiff mit alternativem Antrieb unterwegs, das seit Oktober 2023 von zwei Gasmotoren angetrieben wird, die mit verflüssigtem Bio-Erdgas (LNG) laufen. Der Vergleich zeigt, dass der Bodensee-Ausbau nicht auf eine einzige technologische Schiene setzt: Während LNG-basiert weniger stark von rein batterieseitigen Reichweitenfragen abhängt, verschiebt die Batterieelektrik die Anforderungen hin zu Ladeleistung, Energiemanagement und Infrastrukturplanung. Genau deshalb ist der geplante Mix aus schnellem Laden während der Fahrzeugwechsel und ergänzendem Laden am Nachtliegeplatz so zentral für die Betriebsfähigkeit im Alltag.
Für den Markt und die Umsetzung ist außerdem relevant, dass die Entscheidung derzeit noch an der Förderlogik hängt. Das Unternehmen nennt ein Gesamtvolumen von rund zwölf Millionen Euro; bis zu 90 Prozent der förderfähigen Kosten sollen durch den Bund getragen werden. Eine Förderzusage ist damit das wirtschaftliche Scharnier, das bestimmt, ob die Elektrifizierung zur konkreten Projektphase wird oder erst nachgelagert umgesetzt werden kann. In der Praxis bedeutet das: Sobald die Förderung geklärt ist, müssen Betreiber und Projektpartner die technische Detailplanung mit der Anlagenrealisierung am Hafen und dem Umbau an Bord in eine belastbare Projektkette überführen.
Aus Entwicklersicht lässt sich die Initiative als Teil einer größeren Trendwelle im Wasser-Transport einordnen: Elektrische Antriebe werden dort attraktiv, wo wiederkehrende Fahrprofile kurze Umschlagzeiten haben und definierte Laderoutinen im Hafen möglich sind. Gleichzeitig bleibt der größte Hebel nicht die Batterie allein, sondern die Auslegung des Gesamtsystems aus Energiemanagement, Netzbelastung, Ladefenstern und Betriebsplan. Wenn die „Tàbor“ wie geplant weiter genutzt und die Infrastruktur wie vorgesehen ausgebaut wird, könnte die Elektrifizierung auf der Route Konstanz–Meersburg ein nachvollziehbares Referenzmodell für ähnliche Fährverbindungen am See- und Flusssystem werden. Bis dahin entscheidet vor allem der nächste Schritt: ob der Bund die Förderung bewilligt und damit den Zeitplan für den Umbau freigibt.
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