HERMANTOWN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Stadtrat von Hermantown hat am späten Freitagabend mehrere Beschlüsse für ein geplantes Google-Rechenzentrum im Nordosten Minnesotas gefasst. Nach Protesten und verschobenen Terminen stimmten die Ratsmitglieder unter anderem über einen Entwicklungsvertrag, eine Sondernutzungsgenehmigung sowie einen Plan zur Stilllegung ab. Befürworter verweisen auf Investitionen, Arbeitsplätze und eine Decommissioning-Vereinbarung über 210 Millionen US-Dollar, während Gegner die Beschränkung der Teilnahme und die Größe der Anlage kritisieren. Unabhängig vom Votum stehen jedoch noch mehrere anhängige Klagen sowie weitere Genehmigungsschritte bevor.

In Hermantown nahe Duluth hat der Stadtrat nach einer mit Protesten begleiteten Nachtschicht zentrale Weichen für ein umstrittenes Rechenzentrum gestellt. Nachdem der geplante Abstimmungstermin bereits zweimal verschoben worden war, fiel die Entscheidung letztlich am späten Freitagabend einstimmig. Laut Bericht dauerten die öffentlichen Wortmeldungen vier Stunden, die anschließende Diskussion rund eine Stunde; das Treffen endete kurz vor Mitternacht. Schon die Abläufe vor der Abstimmung wurden zum politischen Thema: Die Stadt begrenzte die Teilnahme auf 85 Personen, schloss ein zusätzliches Ausweichzimmer und bot stattdessen eine virtuelle Option zum Mitverfolgen sowie die Möglichkeit, Kommentare im Voraus per E-Mail einzureichen.
Technisch und planerisch geht es bei dem Vorhaben um ein sehr großes Infrastrukturprojekt mit 1,7 Millionen Quadratfuß Fläche, das auf mehr als 200 Acres in einem ländlich geprägten Wohngebiet entstehen soll. Der Beschluss umfasst nach Angaben aus dem Bericht einen Entwicklungsvertrag; daneben genehmigte der Rat eine Sondernutzung sowie einen Decommissioning-Plan für den Fall, dass das Rechenzentrum nicht fertiggestellt oder aufgegeben wird. Diese Stilllegung ist auch in der politischen Argumentation der Befürworter ein Kernpunkt: Hermantowns Bewohner Eric Palmer verwies auf eine Decommissioning-Vereinbarung über 210 Millionen US-Dollar, die die Stadt im Worst Case absichern soll.
Auch bei den Zugeständnissen rund um Grundstücks- und Bauparameter zeigt sich, wie eng Sicherheitsfragen, Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz miteinander verknüpft sind. Google habe demnach in den Wochen vor den Abstimmungen unter anderem eine Anfrage für bis zu 80 Millionen US-Dollar an Grundsteuer-Vergünstigungen zurückgezogen. Für Hermantown bedeutet das laut Bericht einen geschätzten jährlichen Zufluss von rund 3 Millionen US-Dollar an Grundsteuern. Zudem soll das Unternehmen private Brunnen im Umfeld der Entwicklung überwachen; außerdem reduzierte es die Projektgröße von vier Gebäuden auf drei und begrenzte die Gebäudehöhe auf 33 Fuß. Gegenüber der Einordnung der Gegner wirkt das trotzdem wie ein Kompromiss mit Grenze: Sie betonen, dass selbst die verbleibenden drei Gebäude größer seien als „sechs Fußballfelder“ pro Einheit – die Größenordnung bleibt also spürbar.
Die Konfliktlinie verschiebt sich damit von der reinen Frage „Rechenzentrum ja oder nein“ hin zu „unter welchen Bedingungen“. Befürworter rahmen das Vorhaben als lokalen Infrastruktur- und Beschäftigungsimpuls; Dave Lislegard, ein ehemaliger Landesabgeordneter aus dem Iron Range, stellte in der Debatte heraus, dass es Eingaben gegeben habe und das Projekt daraufhin verändert worden sei. Gegner sehen dagegen vor allem ein demokratisches Problem: Richard Hilton kritisierte, der Rat vertrete eine Konzerngröße statt die Bürgerinteressen, und argumentierte, kleine Änderungen würden nicht ausreichen, um den Kern der Auseinandersetzung zu entschärfen. Brian Bergeron richtete den Fokus auf die Verfahrensfairness, indem er die Beschränkung auf 85 Teilnehmende und die kurzfristige Organisationslogik als nicht repräsentativ bezeichnete.
Dass das Thema national anschiebt, macht die Debatte zusätzlich explosiv. Der Bericht ordnet Rechenzentren als politische Zündschnur ein, bei der Umfragen in unterschiedlichen politischen Lagern eine ablehnende Haltung in den eigenen Gemeinden zeigen. In Hermantown führte die Kontroverse sogar dazu, dass drei Erstkandidaten für zwei freie Stadtratsmandate antreten. Für die Verwaltung bleibt zugleich der nächste technische Engpass: Neben den lokalen Beschlüssen muss auch die Minnesota Public Utilities Commission noch ein Strombezugs- bzw. Elektrizitätsservice-Abkommen zwischen Google und Minnesota Power genehmigen. Erwartet wird ein Bedarf von 500 Megawatt; als Vergleichsgröße nennt der Bericht die gesamte Stromversorgung, die laut Citizens Utility Board of Minnesota für Minneapolis, St. Paul, Duluth und Rochester zusammen benötigt würde.
Damit endet die Geschichte rechtlich noch nicht, auch wenn der Stadtrat den Weg für den nächsten Schritt freigemacht hat. Unabhängig vom Votum stehen nach Angaben aus dem Bericht drei anhängige Klagen im Raum, die die Umweltprüfung, den städtischen Prozess zur Änderung der Zonierungsregeln und den Eigentumsstatus des betroffenen Lands betreffen. Der Stadtanwalt Christopher Virta erklärte zu Beginn der Sitzung, dass diese Punkte die Fortsetzung der Agenda nicht verhindern; außerdem bleibt zu klären, wie die weiteren Prüf- und Genehmigungsschritte in der Praxis zusammenspielen. Parallel plant Google bereits ein weiteres Rechenzentrum außerhalb von Pine Island bei Rochester, das laut Bericht nach einem Vergleich in einem besonders intensiven Umweltprüfprozess stehe. Für Unternehmen und Investoren ist damit klar: KI-Infrastruktur wird nicht nur über Technik entschieden, sondern über einen Mix aus Umweltauflagen, Versorgungsnetzen und gerichtlichen Verfahren, der sich kurzfristig wie ein Projektplanungsrisiko anfühlen kann.
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