KWAJALEIN-ATOLL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Nasa erwartet, dass das Weltraumteleskop „Swift“ am Mittwoch in die Erdatmosphäre eintritt. Der geplante Rettungsversuch über die Robotersonde „LINK“ sollte den Satelliten anheben, geriet jedoch nach Problemen mit der Flugsteuerung außer Kontrolle. Nach Berechnungen der Aerospace Corporation fällt der Wiedereintritt voraussichtlich gegen 10.30 Uhr MEZ an, genaue Ort und Zeitpunkt bleiben unsicher. Je nach Restmasse könnte ein Teil der Komponenten auch die Erdoberfläche erreichen.

Der Wiedereintritt des Weltraumteleskops „Swift“ rückt näher – und zugleich wird die Grenze sichtbar, an der selbst gut geplante Wartungs- und Rettungsmissionen scheitern können. Das Problem ist nicht nur, dass „Swift“ seit fast 22 Jahren die Erde umkreist und damit in die Endphase seiner Nutzbarkeit gelangt. Entscheidend ist auch, dass der Versuch, den Absturz durch eine Umlaufbahn-Anhebung zu verhindern, technisch ausfiel: Die Nasa wollte mit „LINK“ eine Robotersonde ansetzen, die den Satelliten in eine höhere Bahn hätte bringen sollen, doch die Sonde geriet nach anhaltenden Problemen außer Kontrolle.
Nach Angaben der US-Forschungseinrichtung Aerospace Corporation wird der Wiedereintritt gegen 10.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit erwartet. Der Zeitkorridor ist dabei bewusst breit: Der tatsächliche Moment kann bis zu 26 Stunden vor oder nach dem berechneten Termin liegen. Wo genau „Swift“ abstürzt, bleibt daher offen. „Swift“ wiegt rund 1,5 Tonnen und dürfte beim Eintritt in dichtere Atmosphärenschichten zu großen Teilen verglühen; dennoch nennt der Bericht schwere Bauteile als mögliche Ausnahmen. Dazu zählen unter anderem Teile der Spiegel sowie Komponenten aus Wolfram, die die Erdoberfläche erreichen könnten.
Die Geometrie der Bahn liefert eine weitere Eingrenzung, aber keine saubere Vorhersage. Die Umlaufbahn ist gegenüber der Äquatorebene um etwa 21 Grad geneigt, wodurch ein Wiedereintritt nur zwischen dem 21. nördlichen und dem 21. südlichen Breitengrad möglich ist. In diesem Band liegen unter anderem Regionen wie Teile Hawaiis, Puerto Ricos und Südmexikos, daneben aber auch große Meeresflächen. Der genaue Zeitpunkt lässt sich dennoch nur schwer berechnen, weil die Dichte der oberen Atmosphäre stark schwankt. Genau diese variable Dämpfung bestimmt, wie stark Luftwiderstand „Swift“ im Endanflug abbremst – und damit, wann der Kontrollverlust über die Bahnmechanik in den tatsächlichen Wiedereintritt übergeht.
Der Rettungsversuch im All startete bereits Monate vor dem erwarteten Wiedereintritt und folgt damit einem Ansatz, der in der Satelliten-Industrie seit Jahren diskutiert wird: ältere Raumfahrzeuge ohne eigene Manövriersysteme später nachträglich zu „retten“, indem externe Robotersysteme sie übernehmen oder Bahnkorrekturen durchführen. Im Juli wurde dafür die Robotersonde „LINK“ eingesetzt, beauftragt durch die Nasa und realisiert über Katalyst Space Technologies. „LINK“ sollte sich dem Teleskop annähern und „Swift“ in eine höhere Umlaufbahn bringen. Das Budget für den Einsatz lag nach Angaben der Nachrichtenagentur AP bei 30 Millionen US-Dollar.
„LINK“ gelangte mit einer Pegasus-XL-Rakete von Northrop Grumman in den Weltraum. Laut Ablauf setzte das Trägerflugzeug „Stargazer“ die Rakete in rund 12.000 Metern Höhe über dem Kwajalein-Atoll auf den Marshallinseln ab. Doch die Flugsteuerung der Sonde bereitete Probleme: Nach dem Auftreten von Problemen geriet „LINK“ ins Trudeln, die Ingenieure konnten die Sonde später teilweise wieder steuern. Trotzdem wurde der eigentliche Rettungsversuch im August abgebrochen. Interessant ist dabei, dass „LINK“ sich später noch einmal dem Teleskop näherte und es fotografierte – der Missionseffekt verlagerte sich damit von der direkten Bahnänderung hin zum Test von Prozeduren, Sensorik und Einsatzfähigkeit in unruhigen Flugphasen.
Auch die Ursache für die immer schneller werdende Annäherung an die Endphase lässt sich technisch erklären. Laut Bericht beschleunigte verstärkte Sonnenaktivität den Höhenverlust, weil sie die obere Atmosphäre erwärmt und diese sich ausdehnt. Dadurch trifft den Satelliten mehr Atmosphärendichte, was den Luftwiderstand erhöht und die Bahn schneller absinken lässt. Am 20. Oktober war „Swift“ auf etwa 275 Kilometer Höhe gesunken. Das Teleskop konnte den zunehmenden Luftwiderstand nicht mehr ausgleichen und schaltete in den Sicherheitsmodus; anschließend beendete die Nasa den Betrieb, wie sie am 23. Oktober mitteilte.
Historisch betrachtet ist „Swift“ ein wichtiger Baustein für die Beobachtung kurzlebiger Hochenergie-Phänomene: Das Teleskop wurde am 20. November 2004 gestartet, ursprünglich für zwei Jahre ausgelegt, und beobachtete vor allem Gammastrahlenausbrüche. Daneben untersuchte es Supernovae, Schwarze Löcher und weitere Himmelsobjekte, und die daraus resultierenden Messdaten bildeten laut Bericht die Grundlage für zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen. Gleichzeitig unterstreicht der gescheiterte Rettungsversuch, wie schwer es ist, im laufenden Betrieb präzise Bahnkorrekturen umzusetzen – vor allem, wenn unvorhersehbare Faktoren wie atmosphärische Dichte und unruhige Steuerungszustände zusammenkommen. Für Betreiber und Entwickler von Satelliten und KI-gestützter Missionsplanung heißt das: Zukunftsfähige Wartungsansätze brauchen nicht nur praxistaugliche Roboter, sondern auch robuste Kontrollstrategien für den Fall, dass die Annäherung scheitert oder Systeme ins Trudeln geraten.
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