LITTLE ROCK / LONDON (IT BOLTWISE) – Judy Ferrell hat den Weg für die Aufnahme ihres Vaters, des verstorbenen Pfc. Avner W. McBride, in die Arkansas Military Veterans Hall of Fame geebnet. Der WWII-Soldat wird am 14. November in Little Rock geehrt. Im Mittelpunkt steht nicht nur seine militärische Laufbahn mit zwei Bronze Stars, sondern auch eine Biografie, die von Verwundungen, schweren Einsätzen und späterer Traumabewältigung geprägt war. Die heutige Ehrung zeigt zugleich, wie lokale Gedenkinitiativen in konkrete Anerkennung münden.

Wer in Rosie eine Gedenkziegel für die Militärgeschichte der Familie erwerben wollte, landete bei Judy Ferrell schließlich bei einer ganz anderen Form von Anerkennung: McBride, ihr Vater, wird als einer von 16 Arkansas-Veteranen am 14. November in die Arkansas Military Veterans’ Hall of Fame aufgenommen. Die Verleihung findet im DoubleTree by Hilton Hotel in Little Rock statt. Dass aus einem „einfachen“ Kauf für den Riverside Park in Batesville ein mehrstufiger Bewerbungs- und Auswahlprozess wird, wirkt im Rückblick fast wie ein Lehrstück darüber, wie sich ehrenamtliche Recherche, Aktenlage und persönliche Erinnerung gegenseitig beeinflussen.
Ferrells Ausgangspunkt war dabei pragmatisch: Sie wollte einen commemorative brick so formulieren, dass die Dienstzeit ihres Vaters korrekt abgebildet wird. Dafür suchte sie Unterstützung beim Independence County Veterans Services Office im Gerichtsgebäude und sprach mit Josh Morrison, dem VA-Vertreter. Als Ferrells Unterlagen aufzeigten, dass McBride zwei Bronze Stars erhalten hatte, war der nächste Schritt klar: „We have got to get him in the Veterans Hall of Fame“, brachte Morrison die Sache auf den Punkt. In der Folge arbeiteten Ferrell und Morrison ein Bewerbungsdossier aus, das dem Board der Hall of Fame vorgelegt wurde. Für die Nominierung gelten strenge formale Kriterien: McBride musste entweder in Arkansas geboren sein oder mindestens acht Jahre dort gelebt haben, außerdem eine ehrenvolle Entlassung aus dem US-Militär besitzen, von guter Charakterlage sein und dürfen keine Felony-Verurteilungen vorliegen; die Nominierungen laufen jährlich vom 1. Januar bis zum 30. Juni.
Inhaltlich führt die Laufbahn von Pfc. Avner W. McBride tief in die entscheidenden Phase des Zweiten Weltkriegs. Ferrell beschreibt ihn als Weltkriegs-Veteranen, der im US-Heer im Kampf in der Ardennenoffensive („Battle of the Bulge“) eingesetzt war und in Deutschland einen M24 Chaffee-Panzer fuhr. Der M24 gilt in der historischen Einordnung als kleinerer, schnellerer Tank, und Ferrell hebt hervor, dass er außerdem an einer besonders symbolträchtigen Übergangssituation beteiligt war: McBride habe das erste Fahrzeug über den Ludendorff Bridge fahren lassen, die 1945 von US-Truppen erobert wurde. Ergänzend zu den zwei Bronze Stars werden weitere Auszeichnungen genannt, darunter ein Marksmanship Medal sowie die European-African-Middle Eastern Campaign Medal, ein Overseas Service Bar und das World War II Victory Ribbon. Zugleich bleibt eine wichtige Lücke: Ferrell glaubt, dass ihr Vater mit einem Purple Heart geehrt worden sein könnte, doch die Army-Dateien seien verbrannt, weshalb es dazu keinen belastbaren Eintrag gegeben habe.
Besonders eindrücklich ist, wie Ferrell die konkreten Einsätze ihres Vaters schildert. Während der Alliierten-Vorstoßbewegung nach Deutschland sei McBride Teil einer Aufklärungsgruppe gewesen, die über die Remagen-Brücke über den Rhein ging – eine Brücke, die die Deutschen zuvor hatten zerstören wollen. Ferrell erinnert sich an den Mechanismus: „They asked for volunteers to drive an armored car across the bridge“, und jemand aus seinem Trupp habe gesagt, dass McBride das fahren könne, weil er dafür in Kansas ausgebildet worden sei. Der Ablauf war dabei nicht nur „Mut“, sondern auch Erfahrung: Ferrell beschreibt, wie es sich um Gleise gehandelt habe und er den Wechsel von den Schienenstücken am Gefühl der Reifen erkennen konnte. Auf der anderen Seite traf die Kolonne auf einen deutschen Soldaten, der mit einem Sprengsatz in Reichweite saß, den er jedoch nicht mehr abfeuern konnte. Diese Szene wird von Ferrell als Moment unmittelbarer menschlicher Begrenzung erzählt: Der Soldat habe erklärt, er könne die Brücke nicht sprengen, weil seine Familie auf der anderen Seite lebte.
Auch im Alltag der Soldaten zeigt sich, wie eng Krieg und Bodenarbeit verbunden waren. Ferrell zeichnet McBrides Lebenslauf von Rosie bis zur Front nach: Er besuchte nach eigenen Angaben nur bis zur sechsten Klasse die Schule, war als eines von sieben Kindern in typische Hofarbeiten eingebunden und begann schon mit fünf Jahren, Hühner zu versorgen; mit sieben arbeitete er hinter dem Pflug. In der Grundausbildung habe er dann bewiesen, dass er „out-run, out-shoot, out-work“ konnte – besonders gegenüber „city boys“. Nach dem Krieg setzte er die Arbeit fort, zunächst als Landwirt, später als Steinmetz für seinen Bruder Oren. Auch religiös und gesellschaftlich war er verankert: Ferrell nennt ihn als Diakon über Jahre bei Salado Baptist Church sowie als begeisterten Jäger, der Großneffen und Enkel im Jagdhobby anleitete. Gerade diese Kontinuität macht verständlich, warum die Erinnerungen an die Kriegszeit erst Jahrzehnte später wieder stärker hervortraten.
Die Belastung durch den Krieg taucht in Ferrells Erzählung mehrfach auf – und zwar sowohl in Ereignissen als auch in der Verarbeitung. Sie berichtet, dass McBride nach seiner Rückkehr zwar Albträume gehabt habe, aber als Familienvater zunächst wenig über den Krieg sprach. Später, in den 80ern, verschlimmerten sich die Träume erneut; als er beim VA Unterstützung suchte, sei ihm geraten worden, über die Erlebnisse zu sprechen. Ferrell stellt heraus, dass das für ihn schwer war, weil es ihn jedes Mal zum Weinen brachte. Gleichzeitig wird die Art der Traumadynamik greifbar: Er habe von dem Anblick der Konzentrationslager berichtet, von der gezielten Unterernährung („not feed them very much at all, or not feed them at all“) und davon, dass selbst Mitgefühl in einem System aus Zwang und Entmenschlichung gefiltert wird. Ferrell sagt auch, sie habe für sich selbst später erst Zugang zu dem gesamten Ausmaß gefunden – ihr Vater habe diese Seite lange verborgen.
Was die Wehrmachtserfahrung zusätzlich verdichtet, sind die Schilderungen konkreter Gefahrensituationen. Ferrell erzählt von einem Gefecht in einem Dorfgebiet, in dem ein Scharfschütze einen Kameraden tötete und die Crew anschließend den Schützen bekämpfte. Ebenso beschreibt sie den Moment, in dem McBride nicht mehr „planmäßig“ außen am Panzer war: Ein Kamerad, gerade erst aus dem Feldhospital zurück, sollte eigentlich die Außenwache übernehmen, doch McBride habe seinen Platz getauscht. Danach folgte ein Einschlag auf der gegenüberliegenden Seite einer Hecke, der ihn bewusstlos machte. Die Crew habe den Tank nicht stoppen dürfen, weil sie davon ausging, dass er tot sei, und weil noch geschossen wurde – McBride blieb zurück. Als er 18 Stunden später aufwachte, war es vollkommen dunkel; erst nach weiteren 24 Stunden fand ihn jemand. Ferrell fügt hinzu, dass er danach zwar behandelt wurde, aber schon in der Nähe des Kriegsendes wieder zur Einheit zurückkehrte: „I had to see the end of it.“
Im weiteren Verlauf tritt die moralische Komplexität stärker hervor. Ferrell berichtet von einem Schlüsselmoment, in dem McBride in einem Dorf zum ersten Mal einen Jungen erschoss: Er habe gesehen, dass dieser „uniform“ trug, sich umgedreht und geschossen, aber der Junge sei nicht gestorben. Der Knabe habe geweint, nach seiner „mama“ gerufen, und McBride habe – so Ferrells Darstellung – ältere Frauen gebeten, dem Kind zu helfen und es aus der Uniform zu befreien. Später habe McBride nach dem Krieg auch im Military Police Corps gedient und bei Verhaftungen von Nazi-Kriegsverbrechern geholfen; selbst dabei beschreibt Ferrell ein Moment von Zwang und Hilflosigkeit, als Hunde den Zugang blockierten und er einen Hund erschießen musste. Schließlich sagt sie, ihr Vater habe nie als jemand gewirkt, der Anerkennung gesucht habe: Für ihn habe es „just doing his job“ bedeutet. Ferrell formuliert deshalb die eigentliche Pointe der heutigen Ehrung sehr persönlich: Sie sei stolz, dass ihr Vater unter den Veteranen anerkannt wird, und dass die Familie die Anerkennung letztlich als „durchgehaltenes“ Projekt verstanden habe – nicht als Abkürzung, sondern als gründliche Arbeit an der Erinnerung.
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