WASHINGTON D.C. / LONDON (IT BOLTWISE) – Das NASA-Teleskop Swift kehrt in den nächsten Tagen unkontrolliert zur Erde zurück. Die US Space Force rechnet nach der aktuellen Meldung mit einem Absturz am Freitag, den 6. November. Ein Großteil dürfte in der Atmosphäre verglühen, einzelne Bauteile können jedoch den Boden erreichen. Betroffen wäre im ungünstigsten Fall ein Streifen rund um den Äquator, in dem viele Regionen Afrikas, Asiens und Australiens liegen.

Das Neil Gehrels Swift Observatory der NASA ist auf dem Weg in die Erdatmosphäre – und zwar ohne präzise Steuerung. Hintergrund ist, dass der Satellit nach Angaben der NASA bereits abgeschaltet wurde. In den nächsten Tagen sinkt das etwa 1,5 Tonnen schwere Weltraumgerät durch den weiterhin vorhandenen atmosphärischen Widerstand ab: Auch wenn in niedrigen Erdumlaufbahnen nur noch sehr dünne Luftreste existieren, reichen sie aus, um die Bahnenergie langsam aufzuzehren. Swift befindet sich dabei in einer Phase, in der das Abbremsen nicht mehr durch aktive Bahnkorrekturen ausgeglichen werden kann.
Für die Risikoeinschätzung ist vor allem entscheidend, wann und wo der Absturz endet. Die US Space Force erwartet laut aktueller Meldung den Absturz für den Freitag, den 6. November. Die Flugbahn des Teleskops verläuft schräg zum Äquator; im Startjahr 2004 lag die Bahnneigung bei 20,6 Grad. Daraus ergibt sich ein Überflugkorridor, der grob bis zu rund 21 Grad nördlich und südlich des Äquators reicht. Da sich die Erde unter der Umlaufbahn weiter dreht, kann der genaue Einschlagpunkt innerhalb dieses Streifens variieren – das macht die Vorhersage für konkrete Orte schwerer als bei einer streng vertikal oder sehr gleichförmig ablaufenden Reentry-Geometrie.
Geografisch betrachtet liegt die mögliche Absturzregion damit nicht in einem engen Umkreis um einen einzelnen Ort, sondern entlang eines Bandes rund um den Äquator. In diesem Korridor werden in der Berichterstattung unter anderem Teile Mexikos und Mittelamerikas sowie Staaten wie Kolumbien, Venezuela, Peru und Abschnitte im nördlichen Bereich Brasiliens genannt. Daneben werden Regionen in Afrika aufgeführt, darunter Nigeria, Äthiopien, Kenia sowie die Demokratische Republik Kongo. Auch in Asien und Ozeanien kann der Endpunkt liegen: genannt werden Indien, Sri Lanka, die Philippinen, Indonesien und der Norden Australiens. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen dem wahrscheinlichen Materialverhalten beim Eintritt in die Atmosphäre und der Reichweite von Trümmerfragmenten: Swift ist so konstruiert, dass der größte Teil durch die Reibungshitze verglühen dürfte.
Welche Bauteile überhaupt eine realistische Restchance haben, den Boden zu erreichen, hängt stark von Material und Lage im Flugkörper ab. Nach Angaben, die sich auf die Missionserwägungen stützen, könnten einzelne Komponenten aus Wolfram sowie Teile der Spiegel die Belastungen eher überstehen. Wolfram gilt in der Raumfahrt als besonders hitzebeständiges Material, weil es hohe Schmelz- und Siedepunkte besitzt und thermisch belastbar ist. Selbst wenn solche Teile nicht vollständig verglühen, ist der Einschlag nach derzeitigem Stand am wahrscheinlichsten im Meer, weil große Teile des Korridors über Ozeanflächen liegen. Der Grund ist weniger „Glück“ als Geografie: Der Reentry-Korridor schneidet die Erdoberfläche zu einem großen Anteil im Wasser.
Dass Swift überhaupt im freien Sinkflug landet, hängt eng mit dem gescheiterten Versuch zusammen, das Teleskop aktiv anzuheben. Das in Arizona ansässige Unternehmen Katalyst Space Technologies erhielt im Jahr 2025 einen Auftrag über 30 Millionen US-Dollar, um Swift mit einem Roboter-Raumfahrzeug auf eine höhere Bahn zu heben. In einem Ende September veröffentlichten Statement betonte Dr. Shawn Domagal-Goldman, Leiter der Abteilung für Astrophysik am NASA-Hauptquartier in Washington D.C., dass es sich „von Anfang an um eine Mission mit hohem Risiko, aber auch hohem Gewinnpotenzial“ gehandelt habe. Tatsächlich gelang es dem Raumfahrzeug LINK jedoch nicht, Swift einzufangen oder anzuheben; während der Inbetriebnahme trat eine Störung auf, die die Lageregelung beeinträchtigte und zu einer mehrachsigen Drehung führte, wodurch die Kommunikation zeitweise unterbrochen wurde. Laut Unternehmensangaben fielen zudem zwei der drei Reaktionsräder aufgrund eines Fehlers im Stromversorgungssystem aus.
Der technische Kern der Situation liegt in der Wechselwirkung aus Sonnenaktivität, Thermosphäre und Bahnmechanik. Bei hoher Sonnenaktivität heizt sich die obere Atmosphäre stärker auf und dehnt sich aus. Dadurch treffen in Höhen, in denen sonst nur noch wenige Teilchen existieren, mehr Teilchen auf Satelliten, bremsen diese stärker und lassen sie schneller absinken. Swift war dabei besonders früh betroffen: Um die geplante Rettung durch ein aktives Anheben zu ermöglichen, musste das Teleskop im Schnitt noch etwa 300 Kilometer über der Erdoberfläche fliegen. Da Swift nach NASA-Angaben schon Anfang Februar unter 400 Kilometer gefallen war, wurden viele Beobachtungen eingestellt, um die Lage auf ein Minimum zu reduzieren. Statt fortlaufend neue Ziele anzusteuern, richtete die Bodenkontrolle das Teleskop so aus, dass der Bremseffekt der Luft möglichst klein blieb; nur der Detektor für Gammablitze lief weiter. Am 20. Oktober machte Swift seine letzte Beobachtung, weil die dichtere Luft die Instrumente so stark beeinflusste, dass sie ihre Ziele nicht mehr stabil anpeilen konnten.
Für die nächsten Tage bleibt die zentrale Frage daher weniger „ob“ es zum Wiedereintritt kommt, sondern „wo“ einzelne Fragmente letztlich enden könnten. Aus technischer Sicht ist ein unkontrollierter Reentry zwar häufig mit einem hohen Anteil vollständig verglühender Bauteile verbunden, aber die Restunsicherheit bleibt: Deshalb werden Überwachungsdaten und Flugbahnmodelle eng aktualisiert. Für Organisationen mit Sitz im möglichen Korridor ist die praktische Konsequenz vor allem organisatorisch – etwa das Vermeiden unnötiger Annahmen über konkrete Einschlagorte. Gleichzeitig zeigt der Fall Swift, wie stark sich Erfolg oder Scheitern von Evakuierungsmanövern an Systemzuständen wie Lageregelung und Energieversorgung entscheiden können, selbst wenn Startplanung und Missionslogik grundsätzlich bereit für die Rettung ausgelegt sind.
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