CORSICANA, TEXAS / LONDON (IT BOLTWISE) – Riot Platforms und Hut 8 nutzen ihre aktuellen Quartalszahlen, um konsequent fallende Bitcoin-Bestände für neue Ziele einzusetzen. Riot verkauft BTC, um den Bau von Rechenzentrums-Kapazitäten für eine KI-„Frontier AI Lab“-Mietstruktur abzusichern. Hut 8 verkauft dagegen weniger BTC, um Aktienrückkäufe zu finanzieren und die operative Finanzierungsbasis für Rechenzentren ohne zusätzliche Parent-Equity aufzubauen. Beide Wege zeigen, wie stark sich der KI-Rechenzentrumswettbewerb mit dem Krypto-Treasury-Management verschränkt.

Riot Platforms und Hut 8 gehören zu den größten börsennotierten Bitcoin-Mastern – und genau deshalb ist ihre Botschaft mit jeder Quartalsmeldung besonders deutlich: Die Unternehmen verkaufen den Vermögenswert, den sie eigentlich „anhäufen“ sollen. Im dritten Quartal bestätigten beide Miner, dass Treasury-Verkäufe nicht nur eine kurzfristige Liquiditätsmaßnahme sind, sondern in eine zweite Agenda eingebettet wurden: beim einen der Ausbau von Rechenzentrumsleistung für KI, beim anderen die Rückführung von Kapital an Aktionäre über Aktienrückkäufe.
Riot verkauft Bitcoin seit Jahresbeginn in einem Tempo, das man als planbar statt opportunistisch beschreiben kann. Laut Unternehmensangaben gingen 20.264 BTC in diesem Jahr für rund 1,5 Mrd. US-Dollar über den Tisch; zusätzlich wurde in einzelnen Quartalen jeweils über das Produktionsniveau hinaus verkauft. Im ersten Quartal entsprach das 3.778 BTC (etwa 2,5-mal so viel wie die eigene Produktion), im zweiten Quartal 4.300 BTC und im dritten Quartal sogar 12.186 BTC. Die Mittel flossen nicht in eine Equity-Aufstockung – Riot nahm 2026 keine neuen Aktien aus dem Markt – sondern in operative Investitionen: Datenzentrumsarbeit und die vollständige Rückzahlung einer 200 Mio. US-Dollar großen Coinbase-Kreditlinie, bei der damit alle verpfändeten Coins frei wurden.
Entscheidend ist dabei die technische und wirtschaftliche Konstruktionslogik der Rechenzentrumsstory. Riot unterzeichnete einen 15-jährigen „triple-net lease“ für den kompletten Corsicana-Standort in Texas mit 910 MW kritischer IT-Kapazität an eine als „Frontier AI Lab“ bezeichnete Mieteinheit. Über die Anfangsphase soll der Wert des Vertrags bei etwa 28 Mrd. US-Dollar liegen; die durchschnittliche Jahresmiete wird mit 1,8 Mrd. US-Dollar beziffert. Für die Struktur ist wichtig, dass Riot einen begrenzten Kapitaleinsatz verfolgt: Laut Angaben belaufen sich die Kapitalkosten auf etwa 6 Mio. US-Dollar pro MW, Riot übernimmt hiervon rund 2 Mio. US-Dollar für Standortarbeit und Strom, der Mieter deckt den Rest ab. Die Erstattung erfolgt über nicht rückgriffsbasierte Projektfinanzierung („non-recourse“) nach Lieferung jeder Bauphase; der Zeitraum der Auslieferung läuft von September 2027 bis Juli 2028.
Parallel dazu läuft das eigentliche Mining im Hintergrund weiter, aber die finanzielle Wucht verschiebt sich spürbar. Riot produzierte im Quartal 1.637 BTC bei durchschnittlichen Kosten von 39.265 US-Dollar je BTC vor Abschreibungen; gleichzeitig sank die Mining-„Revenue“ um 28% auf 116 Mio. US-Dollar, weil der durchschnittliche Bitcoin-Preis von 114.361 US-Dollar auf 70.855 US-Dollar fiel. Die Gesamtumsätze lagen bei 181,4 Mio. US-Dollar und blieben damit nahezu stabil (jahr-über-jahr), während Datenzentrums- und Engineering-Einkünfte den Rückgang abfingen. Mit Blick auf die Mietverträge verweist Riot zudem darauf, dass es im Portfolio insgesamt 1.151 MW vermietet hat – unter Einbindung eines AMD-Vertrags sowie eines früheren Rockdale-Lease mit demselben Mieter. Der Vorstand um CEO Jason Les nennt für den Endzustand ein erwartetes Net Operating Income von über 2 Mrd. US-Dollar pro Jahr.
Hut 8 setzt im Kontrast weniger stark auf den Baufortschritt über Treasury-Verkäufe, sondern stärker auf die Rückführung von Kapital. Das Unternehmen verkaufte im Quartal rund 954 BTC für 74,8 Mio. US-Dollar und im Oktober etwa 2.148 BTC für 175,4 Mio. US-Dollar; insgesamt wurden 3,3 Mio. Aktien für zusammen 250 Mio. US-Dollar eingezogen. Am 2. November erhöhte der Verwaltungsrat die Rückkaufsautorisierung auf 1 Mrd. US-Dollar. CEO Asher Genoot stellte dabei heraus, dass Aktionäre nach den Rückkäufen einen größeren Anteil an einer wachsenden Plattform besitzen, die über Bitcoin-Verkäufe aus der Bilanz finanziert wird. Gleichzeitig betont Hut 8, dass die Data-Center-Planung nicht von einer weiteren Verwertung der Treasury-Bestände abhängen soll.
Wie Hut 8 die Finanzierung aufsetzt, ist dabei mindestens genauso relevant wie die Aktienstory. Hut 8 schloss laut Angaben eine 1,07 Mrd. US-Dollar Senior-Secured-Revolving-Credit-Fazilität ab, die zum Quartalsende ungenutzt war; außerdem sollen River Bend und Beacon Point auf Projektebene finanziert werden – ohne zusätzliche Parent-Equity und ohne Rückgriffsschuld („recourse debt“) auf die Mutter. Für Beacon Point wurde die Mietbindung ausgebaut: Der jeweilige Tenant verdoppelte das Commitment um eine zweite 352-MW-Lease, wodurch das kontraktierte Volumen auf rund 19,6 Mrd. US-Dollar für den Campus und auf 26,6 Mrd. US-Dollar für das Portfolio steigt. Zusätzlich wurde eine Vereinbarung getroffen, zwei „energized“ Standorte in West Texas mit bis zu 230 MW aus einem Chapter-11-Prozess zu kaufen, für bis zu 180 Mio. US-Dollar.
Auf Ebene der Ergebniskennzahlen zeigt Hut 8 ebenfalls die typische Balance zwischen Krypto-Marktbewertung und operativer Ergebnisrechnung. Im Quartal lag der Nettogewinn bei 189,5 Mio. US-Dollar, gestützt vor allem auf 413,8 Mio. US-Dollar Gewinne aus digitalen Assets, „mostly unrealized“. Umsatzseitig ging es auf 71,1 Mio. US-Dollar von 83,5 Mio. US-Dollar zurück, unter anderem weil Hut 8 sein traditionelles Cloud-Geschäft verkauft hat und das Mining in „American Bitcoin“ verlagert wurde – ein Venture, an dem Hut 8 mehrheitlich beteiligt ist. Adjusted EBITDA (ohne Bitcoin-Mark-to-Market) betrug 33 Mio. US-Dollar. Während Hut-8-Aktien bis zum Handelstag um rund 17% einbrachen, stiegen Riot-Anteile um etwa 13% – ein Hinweis darauf, dass der Markt die beiden Kapitalpfade unterschiedlich bewertet.
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