STUTTGART / LONDON (IT BOLTWISE) – Pendler und Schüler müssen sich erneut auf deutliche Einschränkungen bei SWEG-Bussen einstellen. Für Donnerstag und Freitag ruft Verdi zu Warnstreiks in mehreren Verkehrsgebieten auf. Die Gewerkschaft macht stockende Tarifverhandlungen sowie fehlende Gespräche zum Schutz von Fahrerinnen und Fahrern bei betriebsbedingten Kündigungen geltend. Der angekündigte Ausfallumfang betrifft unter anderem Gammertingen, Lahr, Kehl und Müllheim.

In Südwestdeutschland trifft der nächste Warnstreik der Gewerkschaft Verdi den Alltag von Pendlern und Schülern deutlich: Wie aus dem Vorfeld angekündigt wird, müssen sich Nutzerinnen und Nutzer in mehreren Busgebieten der SWEG (Südwestdeutsche Landesverkehrs GmbH) in den kommenden Tagen auf starke Einschränkungen einstellen. Konkret sind Warnstreiks für Donnerstag und Freitag terminiert, und die betroffenen Regionen werden dabei breit über den Raum verteilt, sodass der Ausfall nicht auf einen einzelnen Landkreis oder eine Stadt beschränkt bleibt.
Technisch und organisatorisch ist dabei weniger die Streikdurchführung selbst das eigentliche Problem als die kurzfristige Anpassung der Fahrpläne im laufenden Betrieb. Die SWEG teilte mit, dass in den genannten Verkehrsgebieten mit erheblichen Fahrtausfällen zu rechnen sei. Betroffen sind dabei unter anderem Gammertingen, Lahr, Schutterwald, Kehl, Endingen, Emmendingen, Weil am Rhein und Müllheim. Für Fahrgäste bedeutet das in der Praxis häufig längere Reisezeiten, Umstiege oder das Wegfallen ganzer Verbindungen, weil Busleistungen nicht wie bei einzelnen technischen Störungen einfach auf andere Fahrzeuge verteilt werden können.
Der Kern des Konflikts liegt nach Angaben der Gewerkschaft in den Tarifverhandlungen, die offenbar ins Stocken geraten sind. Verdi verweist darauf, dass es in der laufenden Tarifrunde bereits zum sechsten Ausstand gekommen ist. SWEG hatte die Streikaufrufe in früheren Phasen als unverhältnismäßig bezeichnet; Verdi stellt dem jedoch die Frage entgegen, warum Gespräche mit dem Ziel eines verlässlichen ÖPNV nicht vorankommen. In diesem Zusammenhang wird auch der Schutz von Fahrerinnen und Fahrern bei betriebsbedingten Kündigungen nach Neuausschreibungen thematisiert.
Aus Sicht des Arbeitskampfs ist zudem die Verantwortungsfrage zentral: Verdi-Verhandlungsführerin Friederike DeCoite argumentiert, SWEG und das Land als Eigner müssten Verantwortung übernehmen, um mit der Gewerkschaft über Lösungen zu verhandeln. Auch der Landesfachbereichsleiter Verkehr, Jan Bleckert, macht deutlich, dass es für die Gewerkschaft schwer nachzuvollziehen ist, dass ein landeseigenes Unternehmen nicht bereit gewesen sei, über den Schutz der Beschäftigten bei betriebsbedingten Kündigungen nach Neuausschreibungen zu sprechen. Damit verschiebt sich der Konflikt von einer reinen Lohnfrage hin zu einem Paket aus Arbeitsplatzsicherheit, Sozialstandards und Verlässlichkeit der Verkehrsleistung.
Historisch betrachtet ist die SWEG ein typischer Akteur im südwestdeutschen ÖPNV: Das Unternehmen entstand 1971 aus dem Zusammenschluss mehrerer Nebenbahn- und Busgesellschaften. Heute betreibt die SWEG sowohl Schienen- als auch Busverkehr und steht dabei mehrheitlich im Eigentum des Landes Baden-Württemberg. Für solche landeseigenen Verkehrsunternehmen ist ein stabiler Tarifabschluss besonders wichtig, weil sie im Wettbewerb um Strecken zwar regelmäßig Ausschreibungen aussetzen oder verlieren können, der Betrieb aber dennoch im Alltag verlässlich funktionieren muss. Warnstreiks treffen daher nicht nur die Beschäftigten, sondern wirken auch direkt auf die Planungs- und Qualitätsversprechen gegenüber Kommunen, Schulen und Unternehmen.
Für den Markt und die Fahrgastkommunikation bedeutet der erneute Ausstand zugleich einen Belastungstest: Wenn es wie hier bereits der sechste Ausstand in der laufenden Tarifrunde ist, steigt der Druck auf alle Beteiligten, kurzfristige Ersatzkonzepte vorzubereiten und die Auswirkungen transparent zu kommunizieren. In tarifpolitisch angespannten Phasen zeigt sich außerdem, wie stark betriebliche Resilienz von Verhandlungstaktik und Fristen abhängt. Während Verdi betont, bundesweit werde über höhere Entgelte im Eisenbahntarifvertrag verhandelt, bleibt aus Fahrgastsicht vor allem entscheidend, wann sich die Situation wieder normalisiert und welche Gespräche konkret zu einer Lösung führen.
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