LONDON (IT BOLTWISE) – OpenSSH veröffentlicht mit Version 10.6p2 einen Notfallfix gegen eine Schwachstelle, bei der Angreifer auf manchen Alpine-Systemen ohne Passwortschutz Logins erzwingen können. Betroffen sind Konstellationen ohne PAM und mit aktivem Passwort-Login, etwa bei openssh-server-Paketen in Alpine, die ohne PAM gebaut wurden. Der Angriff nutzt dabei musl-spezifisches Verhalten bei sehr langen Passwörtern und das „Salt-Leihen“ aus anderen Konten. Für Admins bedeutet das: Paketupdate plus Neustart oder sofort Passwortauthentifizierung abdrehen.

Wer Alpine Linux produktiv mit dem Standardpaket von OpenSSH nutzt, sollte die Veröffentlichung von OpenSSH 10.6p2 als dringliche Betriebsaufgabe behandeln. Die Änderung adressiert einen Authentifizierungsfehler, bei dem Angreifer auf manchen betroffenen Servern als Nutzerkonten ohne Passwort einsteigen können – also Konten, deren Passwortfeld nicht ein echtes Passworthash-Ergebnis enthält, sondern das Platzhalterzeichen „*“. Entscheidend ist dabei nicht nur „Alpine + sshd“, sondern eine spezielle Kombination aus SSH-Konfiguration und der Art, wie das System Passwörter intern prüft.
Die technische Kernidee lässt sich am besten so zusammenfassen: Ohne Pluggable Authentication Modules (PAM) prüft sshd Passwörter selbst. Dabei ruft der Dienst die C-Bibliotheksfunktion crypt() aus der C-Implementation auf, die auf Alpine über musl bereitgestellt wird. Wenn ein Konto als „passwortlos“ markiert ist, besteht die gespeicherte Information im Passwortfeld im Wesentlichen nur aus „*“. Im fehlerhaften Zusammenspiel kann sshd dann trotz fehlender echter Eingabe akzeptieren – weil musl bei bestimmten langen Passwörtern mit musl-typischem Fehlerverhalten zurückgibt, und dieser Rückgabewert mit dem gespeicherten Platzhalter kollidiert.
Laut dem OpenSSH-Projekt stuft Damien Miller die Schwachstelle als kritisch ein und betont gleichzeitig, dass nicht alle Plattformen gleichermaßen betroffen sind. Systeme, die Passwortprüfungen über PAM erledigen, sowie Umgebungen, die nicht auf musl basieren (etwa mit glibc), fallen nach den vorliegenden Informationen aus dem Risiko heraus. Ebenso nicht betroffen sind Konfigurationen, in denen Password-Logins deaktiviert sind. Damit erklärt sich auch, warum der Fix in der Praxis besonders schnell Wirkung entfalten soll: Er richtet sich gegen die genaue Fehlerquelle in sshd’s Passwort-Validierungskette, statt nur an einer einzelnen Konfigurationsoption zu „drehen“.
Alpine selbst beschreibt die Exponierung über vier Bedingungen, die zusammen erfüllt sein müssen. Ein Server muss erstens openssh-server ausführen, der ohne PAM gebaut wurde (oder openssh-server-pam mit deaktiviertem UsePAM). Zweitens muss PasswordAuthentication auf „yes“ stehen; das ist in OpenSSH-Default-Konfigurationen häufig die Ausgangslage. Drittens benötigt das Zielkonto im Passwortfeld „*“, also ein Konto ohne gesetztes Passwort, und viertens muss mindestens ein weiteres lokales Konto auf dem System einen Hash mit $5$ oder $6$ besitzen. Der entscheidende Punkt für die Angriffslogik: Ein einziges Konto mit einem echten Passworthash genügt, um alle passwortlosen „*“-Konten in diesem Setup angreifbar zu machen, solange der Angreifer zudem den exakten Nutzernamen eines solchen passwortlosen Kontos kennt.
Besonders heikel wird die Lage in konkreten Alpine-Use-Cases. Laut Sicherheitsbeschreibung gehören dazu passwortlose Nutzer, die beim Anlegen ohne Passwort entstehen (etwa via adduser ohne Passwort oder per usermod mit „*“), sowie Nutzer, die über Verzeichnisdienste via musl-nscd eingebunden sind und daher keine Shadow-Einträge besitzen. Auch „root“ wird als Sonderfall genannt: In bestimmten Basisimages ist root: * bereits seit etwa Alpine 3.16 als passwortlos ausgeliefert. Die Standard-Schutzlogik über PermitRootLogin prohibit-password verhindert zwar klassische root-Logins über Passwortauthentifizierung, sie schützt jedoch nicht, wenn ein bereits exponiertes Konto sich per doas oder ähnlichen Mechanismen weiter eskalieren kann.
Aus Betriebs- und Wartungssicht liefert Alpine dafür klare Handlungsanweisungen. Der eigentliche Fix besteht aus einem Paketupdate und einem anschließenden Neustart, weil ein reines Upgrade des Pakets den bereits laufenden sshd-Prozess nicht automatisch mit der neuen Logik startet. Praktisch heißt das: apk upgrade -U -a ausführen und danach rc-service sshd restart starten. Für Point Releases werden bereits integrierte Versionen genannt (u. a. 3.21.10, 3.22.8, 3.23.8 und 3.24.4), und auch Branches zwischen 3.16 und 3.21 erhalten Fix-Pakete trotz End-of-Support-Status. Wer OpenSSH selbst baut, sollte sicherstellen, dass die Version 10.6p2 oder neuer enthalten ist; die Release-Notizen referenzieren die Codeänderung.
Falls ein Update kurzfristig nicht möglich ist, empfiehlt die Advisory eine sofortige Eindämmung über das Deaktivieren von Passwort-Logins. Dazu soll PasswordAuthentication auf „no“ gesetzt werden; wichtig ist, die eigene Sitzung offen zu lassen und einen neuen Login-Check abzuwarten, bevor man bestehende Zugänge beendet. Alpine setzt auf Konfigurationsdateien unter /etc/ssh/sshd_config.d, die ab bestimmter Version auch Drop-ins auslesen; entsprechend ist die sauberste Maßnahme, die Konfiguration konsistent über sshd -t zu prüfen und dann sshd neu zu starten. Als Indikator für potenziell kompromittierte Systeme nennt die Beschreibung außerdem Suchmuster in Logs wie „Accepted password for an account that has no password“, inklusive der typischen Zielkonten. Zudem wird angemerkt, man solle im Zweifel doas-Nutzung, kürzlich angelegte Benutzer, Dateien und authorized_keys prüfen – denn ein passwortloses Konto ist nicht automatisch ein vollständiger Incident, aber es ist eine klare Eskalationsspur.
Warum es so schnell gehen musste, erklärt auch der Zeitkontext: Das OpenSSH-Team berichtet, im Laufe der Woche intern vom Problem erfahren zu haben und daher unmittelbar gepatcht zu haben. Gleichzeitig wird auf die wachsende Gefahr langer Embargos verwiesen, weil inzwischen automatisierte Systeme bekannte Schwachstellen teilweise binnen Stunden erneut identifizieren können. Ein CVE-Name wurde in den vorliegenden Informationen noch nicht zugewiesen, die technische Ursache ist aber nachvollziehbar: musl begrenzt die effektive Passwortlänge für crypt() bei 256 Bytes im konkreten Fehlfall, sshd akzeptiert anschließend passende Platzhalter, und eine spätere OpenSSH-Änderung hatte bereits zuvor die „Username-Existence-Leak“-Thematik adressiert. Der Fix in 10.6p2 stellt letztlich sicher, dass sshd bei zu kurzen gespeicherten Passwortfeldern keinen Match mehr annimmt – und schließt damit genau die Lücke, die in kombinierten Alpine-Setups aus Konfiguration, musl-Fehlerpfad und Salt-Handling entsteht.
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