WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Raiffeisen Bank International (RBI) hat das Ergebnis ihres freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots für Addiko nach Ablauf der Nachfrist veröffentlicht. Insgesamt gingen Annahmeerklärungen zu 18.688.243 Addiko-Aktien ein, das entspricht 96,79 % der angebotenen Aktien. Die Transaktion bleibt an aufschiebende Vollzugsbedingungen gebunden, deren Erfüllung spätestens bis zum 14. Mai 2027 geplant ist. Für Serbien meldet das Unternehmen zudem einen bereits abgeschlossenen Verfahrensstand bei den relevanten Freigaben.

Raiffeisen Bank International (RBI) hat nach dem Ende der verlängerten Annahmefrist das Ergebnis ihres freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots zur Kontrollerlangung bei der Addiko Bank AG (Addiko) veröffentlicht. Der formale Anstoß war im Mai 2026 erfolgt: RBI bot dabei den Erwerb sämtlicher ausgegebenen und ausstehenden auf Inhaber lautenden, nennwertlosen Stückaktien von Addiko (ISIN AT000ADDIKO0) gemäß § 25a Übernahmegesetz (ÜbG). Die ursprüngliche Annahmefrist lief bis 29. Juli 2026, 17:00 Uhr MESZ, und wurde anschließend nach § 19 Abs 3 ÜbG für jene Aktionäre verlängert, die bis zu diesem Zeitpunkt nicht angenommen hatten.
Bis zum Ende der Nachfrist gingen bei der Annahme- und Zahlstelle insgesamt Annahmeerklärungen zu 18.688.243 Addiko-Aktien ein. Das entspricht 96,79 % der angebotenen Addiko-Aktien und zeigt, dass der Zustimmungsgrad deutlich über dem liegt, was für eine strukturelle Mehrheit typischerweise erforderlich wäre. Gleichzeitig macht RBI klar, dass der Vollzug noch nicht als abgeschlossen gilt: Das Angebot steht weiterhin unter dem Vorbehalt des Eintritts der in der aktualisierten Angebotsunterlage genannten aufschiebenden Vollzugsbedingungen. Damit bleibt der entscheidende Schritt für die Kontrollübernahme an die Finalisierung regulatorischer Hürden gekoppelt, auch wenn die Aktionärsseite bereits in sehr hohem Maß mitgezogen hat.
Auch bei den Behördenfreigaben setzt das Update auf einen präzisen Zeit- und Länderrahmen. RBI weist darauf hin, dass die Transaktion in einer Reihe von Jurisdiktionen angemeldet wurde, darunter Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina, Ukraine, Kosovo sowie Albanien. Bei den kartellrechtlichen Freigaben sind die Voraussetzungen nach Unternehmensangaben bereits mit Ausnahme der Kartellbehörde in Albanien sowie Bosnien und Herzegowina erteilt. Bei den bankaufsichtsrechtlichen Freigaben nennt RBI die betroffenen Behörden in Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien, Montenegro sowie Bosnien und Herzegowina; für Serbien sei das Verfahren bereits erfolgreich abgeschlossen.
Für den weiteren Ablauf nennt RBI einen konkreten Mechanismus: Das Settlement soll spätestens zehn Börsetage nach Erfüllung der Vollzugsbedingungen gemäß Punkt 4.1. der Angebotsunterlage stattfinden. Sämtliche Vollzugsbedingungen müssen bis spätestens 14. Mai 2027 erfüllt sein. Entscheidend ist dabei die Wirkung auf die Zielstruktur: Sofern alle aufschiebenden Bedingungen eintreten und das Angebot verbindlich wird, plant RBI nach der Abwicklung, in Summe 18.688.557 Aktien an Addiko zu halten. Das entspräche 95,74 % des derzeitigen Grundkapitals von Addiko.
Ein weiterer strategischer Punkt betrifft die geplante Struktur nach dem Erwerb. RBI greift dabei auf einen wichtigen regulatorischen Impuls aus der Region zurück: Nachdem die Nationalbank Serbiens der Alta Banka die Banklizenz entzogen hat, bewertet das Unternehmen den geplanten Carve-out der Addiko-Tochtergesellschaften in Serbien sowie in Bosnien und Herzegowina (Sarajevo, Banja Luka) und Montenegro (Podgorica) „aus heutiger Sicht“ als unwahrscheinlich. Entsprechend geht RBI davon aus, alle Addiko-Tochtergesellschaften zu behalten. Diese Einschätzung ist deshalb relevant, weil Carve-outs typischerweise mit Kapital- und Risikoabbau sowie einer gezielten Konsolidierungslogik verknüpft sind; wenn diese Teilabspaltung wegfällt, verschiebt sich zwangsläufig die Integrations- und Aufsichtspraxis hin zu einer stärker durchgehenden Einheit.
Aus Markt- und Umsetzungssicht zeigt die Meldung damit gleich zwei Dinge: Erstens ist der Anteil der angenommenen Aktien sehr hoch, wodurch die größte „Stakeholder-Komponente“ bereits weitgehend auf RBI ausgerichtet ist. Zweitens bleibt die tatsächliche Kontrollübernahme dennoch eng an die Schnittstellen aus Kartellrecht und Bankaufsicht gebunden, inklusive Restpunkten in einzelnen Ländern. Für potenzielle Folgefragen bedeutet das: In der Zeit bis zur verbindlichen Umsetzung rücken Prozesse wie die weitere Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden, die Prüfung der Bedingungen sowie die Abstimmung der Settlement-Mechanik in den Vordergrund. Gleichzeitig liefert die Carve-out-Einschätzung einen Vorgeschmack darauf, wie sich externe Entscheidungen im Bankensektor direkt auf die Post-Merger-Architektur auswirken können.
Für Beobachter aus dem Bank- und M&A-Umfeld ist die Kombination aus klarer Annahmequote, konkreter Settlement-Taktung und einer zeitlich befristeten Vollzugsfrist bis Mai 2027 ein typisches Muster bei komplexen Übernahmen in regulierten Märkten. Dennoch bleibt die konkrete Umsetzung ein mehrstufiger Prozess: Bis die aufschiebenden Vollzugsbedingungen eintreten, bleibt das Ergebnis faktisch „unter Bedingung“, selbst wenn der Aktionärsrücklauf bereits sehr stark ausfällt. Damit wird die entscheidende Frage für die nächsten Monate weniger, ob RBI genügend Stimmen hat, sondern ob die regulatorischen Resthürden in den genannten Jurisdiktionen termingerecht geschlossen werden.
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