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LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Auswertung zu den russischen Kriegsverlusten quantifiziert erstmals getrennt die Lage von Konskribierten und beschreibt, wie sich ihre Sterblichkeit im Kriegsverlauf verändert hat. Für die Zeit seit Beginn der Invasion weist die Datensammlung bestätigte Todesfälle von mindestens 350 Konskribierten aus. Besonders auffällig ist der starke Anstieg unmittelbar nach dem ukrainischen Vorstoß in die Region Kursk im August 2024. Zusätzlich werden inzwischen tausende bestätigte Offiziersverluste mit zeitlicher Entwicklung der Anteile genannt.

Russlands Verluste: Auswertung belegt steigende Zahl getöteter Konskribierter
Russlands Verluste: Auswertung belegt steigende Zahl getöteter Konskribierter (Foto: IT BOLTWISE)
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Im Russisch-Ukrainischen Krieg wird die Diskussion über Verluste meist als Gesamtbild geführt. Die vorliegende Datenauswertung verschiebt den Blick gezielt auf eine Gruppe, die in politischen Aussagen häufig anders dargestellt wird: Konskribierte, also Soldaten, die nicht über einen Vertrag als Berufspersonal in den Dienst der russischen Streitkräfte wechseln. Hintergrund ist die Diskrepanz zwischen den frühen Aussagen von Präsident Wladimir Putin und der später beobachtbaren Einsatzrealität. In seiner Rede am 8. März 2022 sagte er, „conscripts and reservists will not participate in the special military operation“, und betonte, es würden keine weiteren Einberufungen von Reservisten stattfinden. Laut der Auswertung hielten diese Versprechen jedoch nur bis zur späteren Ankündigung der „partial mobilisation“ im September 2022 stand.

Technisch und methodisch stützt sich das Projekt auf probate- und verwaltungsnahe Registerdaten, um Todesfälle zu identifizieren und zu verifizieren. Im Kern geht es um eine Schätzung der Gesamtzahl der Toten und um die Zuordnung einzelner Verstorbener zu Kategorien wie „Konskribierter“ oder „vertraglich gebundener Soldat“. Diese Trennschärfe ist entscheidend, weil sich die russische Rekrutierung im Kriegsverlauf wandelte: Vor Kriegsbeginn rekrutierten Konskribierte die wesentliche Basis für „professionelles Militär“. Während des Kriegs, so die Darstellung, wechselten viele Neuzugänge häufiger in als „freiwillig“ gerahmte Vertragsmodelle, außerdem werden auch Gefangene als Rekrutierungsquelle erwähnt. Gleichzeitig nimmt der Druck auf Konskribierte zu; die Auswertung beschreibt, dass auch formell „einjährige“ Verträge praktisch über das Kriegsende hinauswirken, weil sie bis zum Ende der „partial mobilisation“-Regelung fortgelten.

Der zeitliche Verlauf liefert dabei den größten Informationsgewinn. Für die Monate von Mai 2022 bis August 2024 heißt es, dass die monatlichen Verluste unter Konskribierten selten mehr als zehn Personen umfassten. Ab Anfang August 2024 änderte sich das Bild schlagartig: Als Auslöser nennt die Auswertung den ukrainischen Vorstoß in die Region Kursk, der einen Einsatzwechsel erforderte. Die Kurve steigender Verluste wird dabei unmittelbar nach diesem Datum sichtbar; und obwohl ein Teil der späteren August-Verluste noch als Folge der Überraschung bei anfänglich als „rear-echelon“-nah eingestuften Einheiten interpretiert werden könnte, passen die folgenden Muster nicht mehr zu dieser einfachen Erklärung. Zwischen September 2024 und Februar 2025 zeigen die Daten aus Sicht des Projekts, dass Konskribierte gezielt in Kampfzonen rund um Kursk verblieben.

Quantitativ kommt die Auswertung auf mindestens 350 bestätigte Tote unter Konskribierten für den gesamten bisherigen Kriegsverlauf. Die Redaktion beschreibt zudem ein streng überprüftes Vorgehen: Freiwillige hätten jede einzelne Akte gegen den Status „nicht unter Vertrag mit dem Verteidigungsministerium“ gegengeprüft, bevor die Liste separat veröffentlicht wurde. In derselben Logik ordnet die Datenlage auch eine breitere Kategorie ein: In den eigenen Aufzeichnungen finden sich mindestens 668 getötete Soldaten, die während ihres verpflichtenden Wehrdienstes einen Vertrag unterzeichnet haben. Das wird ausdrücklich als Untergrenze dargestellt, weil die Kategorie „ehemalige Konskribierte“ bei späteren Jahrgängen schwerer zu verifizieren sei. Für 2026 wird außerdem betont, dass die Datenlage aktuell unvollständiger ist; damit könnten künftige Updates die Zahlen noch erhöhen.

Auch über die Kategorie hinaus zeigt die Auswertung, wie sich der Verlustmix im Zeitverlauf verschiebt. Am Anfang, so heißt es, trugen besonders Freiwillige und später Gefangenenrekrutierungen in Form von „Assault groups“ einen großen Teil der Verluste. Nach dem Ende der intensiven Phase rund um Bakhmut sei der massenhafte Einsatz von Gefangenen dann rückläufig gewesen; Ende 2024 seien Freiwillige wieder zur größten Gruppe unter den bestätigten Gefallenen geworden. Daneben wird die Entwicklung von Offiziersverlusten beschrieben: Bis zum 6. November 2026 seien 7.983 Tote von Offizieren der russischen Armee und anderer Sicherheitskräfte bestätigt worden, während der Anteil dieser Offiziersverluste an der Gesamtheit im Verlauf sinke. Anfangs hätten Offiziere zeitweise bis zu 10% der Todesfälle ausgemacht; bis November 2024 sei dieser Wert auf 2–3% zurückgegangen. Als Erklärung nennt die Auswertung sowohl veränderte Kampftaktiken als auch die erhöhte Rekrutierung von Freiwilligeninfanterie, die im Vergleich zu ihren Kommandeuren ein deutlich höheres Risiko trage.

Für die technische und unternehmerische Einordnung ist weniger die politische Bewertung als die Datenlogik selbst relevant. Solche strukturierten Verlustdaten zeigen, wie wichtig belastbare Identitätszuordnung, Quellenabgleich und kategoriebasierte Auswertungen für Analytik in Konfliktumgebungen sind. Gleichzeitig macht die Darstellung deutlich, dass Verzerrungen entstehen können, wenn Kategorien je nach Verifizierbarkeit ungleich gut dokumentiert sind und Updates zeitlich nachlaufen. Für Entscheider in der Daten- und KI-Industrie liegt hier ein praktischer Bezug: Wer mit öffentlich zugänglichen Dokumenten, Registerdaten und konsensorientierten Validierungsprozessen arbeitet, braucht ein klares Schema für Statusdefinitionen (Konskribiert vs. Vertrag vs. „freiwillig“) und eine nachvollziehbare Historie der Datenaktualisierung. Auch die konkrete Nennung einzelner militärischer Ränge und Todesumstände unterstreicht, dass solche Projekte nicht nur Summen liefern, sondern über Metadaten bis in Rang- und Einsatzkontexte hineinreichen.

Unterm Strich verdichtet die Auswertung die bisherige Erzählung über russische Verluste zu einem differenzierteren Bild: Konskribierte werden nicht nur als Randnotiz sichtbar, sondern als Gruppe, deren Einsatz sich in der zweiten Kriegshälfte offenbar stärker verändert hat als zunächst angenommen. Der zeitliche Bruch um August 2024 nach dem Vorstoß in Kursk bildet dabei den Schwerpunkt der Argumentation. Gleichzeitig bleibt die Datengrundlage dynamisch: Die Auswertung weist selbst darauf hin, dass die neuesten Monate und einzelne Statuskategorien noch unvollständig sind und sich die Zahlen in zukünftigen Updates verschieben können. Für Leserinnen und Leser, die Konfliktanalytik betreiben oder strategisch nutzen, ist genau diese Kombination aus methodischer Herleitung und Aktualisierungsdisziplin die eigentliche Aussage.

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