LONDON (IT BOLTWISE) – David Schwartz, Mitarchitekt des XRP-Ledgers, weist Vorwürfe über seinen Einfluss auf den Kursverlauf zurück. Gleichzeitig verschärft sich die Lage für XRP-Investoren: Der Token handelt deutlich unter wichtigen gleitenden Durchschnitten. Abgeleitet aus Daten zu Futures-Kontrakten und Liquidationen deutet vieles eher auf Deleveraging als auf einen massiven Kapitulationsmoment hin. Entscheidend wird kurzfristig, ob die Zone um 1,12 bis 1,16 stabil bleibt.

David Schwartz, Gründungspartner hinter dem XRP Ledger und inzwischen Chief Technology Officer emeritus bei Ripple, versucht die Debatte um den anhaltenden Kursrutsch zu entschärfen – allerdings nicht, indem er die Kritik einfach abtut. In einer Diskussion auf X wurde er von Nutzern direkt darauf angesprochen, ob er eine Verantwortung für die schwache Kursentwicklung übernehmen müsse. Schwartz räumte ein, dass man schwer behaupten könne, er habe gar keinen Anteil an dem, was der Markt macht, betonte aber, sein Einfluss sei sehr begrenzt. Für Beobachter ist das vor allem deshalb relevant, weil die Community spürbar unruhiger wird: Wer lange Zeit fallende Kurse gesehen hat, sucht nach klaren Erklärungen – und nach Personen, die diese erklären können.
Der zeitliche Kontext macht deutlich, warum solche Aussagen in der Wahrnehmung eskalieren. Laut in der Berichterstattung herangezogenen CoinMarketCap-Daten hat XRP innerhalb eines Jahres ungefähr die Hälfte seines Werts verloren; kurze Erholungsbewegungen kamen, aber die dominante Richtung blieb nach unten. Dasselbe Kursmuster zeigte sich im gleichen Zeitraum auch bei Stellar (XLM), einem weiteren Projekt mit Zahlungsfokus. Daraus lässt sich technologisch weniger ableiten als marktpsychologisch: Wenn mehrere Liquiditätspfade und ähnliche Risiko-Profile gleichzeitig unter Druck geraten, wirken projektinterne Konflikte zwar als Funken, aber nicht als Ursache. Genau an diesem Punkt entsteht die Reibung – zwischen einer Erwartung, dass Governance- oder Entwicklungsrollen die Kursrichtung „mitsteuern“, und einer Realität, in der Märkte vor allem aus Kapitalströmen, Risikoappetit und Makro-Stimmung bestehen.
Schwartz versucht zugleich, das Framing um seine Person aktiv zu begrenzen. Er erklärte, dass immer mehr Accounts eigene Diskussionen starten, die angeblich nicht mehr thematisch mit dem Projekt zu tun haben, sondern ihn in den Mittelpunkt rücken – bis hin zu Vorwürfen, die weit über sachliche Kritik hinausgehen. Seine Reaktion: Er blockiert vermeintliche Störer konsequent und sieht die Maßnahme als beidseitig. Unterstützer, die werbliche Posts in off-topic Diskussionen setzen, würden demnach ähnlich behandelt wie Kritiker, die persönliche Angriffe wählen. Technisch betrachtet ist das nicht nur Community-Management, sondern auch Risikokommunikation: In Krypto-Ökosystemen können wiederkehrende Kontroversen die Signale, die Anleger aus Kennzahlen ziehen, überdecken. Inhaltlich stellt Schwartz zudem die Qualität der Kritik in den Vordergrund und kündigte an, Blocks aufzuheben, wenn Störungen künftig unterbleiben – begleitet von einer Idee aus der Community für einen wöchentlichen Thread für Neueinsteiger.
Während die Debatte in sozialen Netzwerken geführt wird, verschiebt sich die Aufmerksamkeit an den Märkten auf konkrete Schwellenwerte. XRP wurde zuletzt rund bei 1,17 US-Dollar gehandelt, etwa 2,4% im Tagesverlauf tiefer, und lag ungefähr 24,5% unter seinem Oktoberhoch von 1,55 US-Dollar – so die im Text genannten CoinGlass-Daten. Besonders signalstark wirken die Derivatezahlen: Für den vorherigen Tag wurden rund 10,7 Millionen US-Dollar an XRP-Futures-Liquidationen gezählt, das Open Interest lag bei etwa 2,76 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig fiel das Open Interest um 12,36%, nachdem der Kurs eine Unterstützungszone um 1,21 durchbrochen hatte. Wichtig ist die Interpretation: sinkendes Open Interest spricht dafür, dass Marktteilnehmer ihre gehebelten Positionen reduzieren, statt komplett „durchzukapitulieren“. Welche Seite – Long oder Short – dominiert, lässt sich aus dem beschriebenen Kennwert allerdings nicht direkt trennen.
Auch die technische Lage bleibt eng mit dem Sentiment verknüpft. ChartNerd nannte in der Berichterstattung eine relevante Nachfragezone zwischen 1,04 und 1,16 US-Dollar, nachdem die wöchentliche Unterstützung gebrochen wurde; ein Reclaim von 1,34 würde das technische Bild hingegen verbessern. Daneben lagen XRP offenbar unter seinen gleitenden Durchschnitten der 20- und 50-Wochen-Linie, die nach Verlust einer 10-Wochen-Unterstützung nun als Widerstand wirken. Ali Martinez stellte zusätzlich 0,99 als möglichen Boden in Aussicht und verwies auf dünnere Handelsaktivität sowie eine schrumpfende Marktpräsenz. Dark Defender hingegen argumentierte, die langfristige Struktur sei intakt: Die frühere Spanne um 1,12 – im Juli und August als Deckelung aufgetreten – müsse nun als Unterstützung halten, damit sich ein Rebound „sauber“ aufbauen könne. In Summe ergibt sich damit ein Bild mit zwei Ebenen: kurzfristig entscheidet der Bereich 1,12 bis 1,16 über das Momentum, mittelfristig rückt 0,99 als nächster Prüfpunkt näher.
Parallel dazu liefert der Blick auf Finanzprodukte einen Kontrast zu den fallenden Spot-Kursen. Die im Text genannten XRP-ETFs verzeichneten demnach in sechs Sitzungen des vergangenen Monats Nettozuflüsse, kumuliert rund 1,81 Milliarden US-Dollar. Für Entscheider ist das ein anderes Signal als das Tagesrauschen im Spotmarkt: Es deutet darauf hin, dass institutionell geprägte Akteure Schwäche nicht ausschließlich als Risiko, sondern teilweise als Einstiegschance interpretieren. Zusammengenommen – Deleveraging-Charakter bei den Derivaten, gleichzeitig anhaltende ETF-Zuflüsse – legt nahe, dass die Marktteilnehmer nicht geschlossen aus dem Asset herausziehen, sondern eher ihre Positionen neu ausbalancieren. Genau deshalb wird die Frage „Hält 1,12 bis 1,16?“ kurzfristig so dominant bleiben: Ein Bruch würde den Pfad Richtung 0,99 wahrscheinlicher machen, während eine Rückkehr über 1,34 den Druck auf den Chart verringern könnte.
Für die Anlegerperspektive ist der Disput um Schwartz indes mehr als nur ein Streit um persönliche Verantwortung. Er wirkt wie ein Spiegel der Emotionen in einer Community, die seit Monaten rückläufige Kurse verarbeitet. Dass Schwartz formal weiter an Ripple gebunden ist – er trat Ende 2025 aus dem Tagesgeschäft zurück, sitzt aber weiterhin im Board und trägt den emeritus CTO-Titel – erklärt auch, warum Spekulationen über seinen Einfluss nicht verschwinden. Er selbst beschreibt die Zusammenarbeit so, dass er zweimal im Monat mit seinem ehemaligen Team zusammentrifft, strategisch Input liefert, aber keine operative Steuerung übernimmt. Die eigentliche Relevanz liegt daher in der Kombination aus Governance-Narrativ und Kapitalmarktmechanik: Solange Derivate und Fondsströme unterschiedliche Bilder zeichnen, bleiben Kursbewegungen volatil – und jede öffentliche Debatte über Rollen, Einfluss und Verantwortung bekommt automatisch mehr Gewicht.
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