LINZ / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Maschinen- und Anlagenbau in Österreich sieht sich einem spannenden Wandel gegenüber, da Startups zunehmend als Innovationsquelle betrachtet werden. Auf einem VDMA-Event in Linz diskutierten Branchenführer über die Chancen und Herausforderungen dieser Zusammenarbeit.

Die österreichische Maschinenbauindustrie steht vor einem Wandel, der durch die Zusammenarbeit mit innovativen Startups geprägt wird. Auf einem kürzlich in Linz abgehaltenen VDMA-Event kamen führende Vertreter von Unternehmen wie ANDRITZ, Primetals Technologies und TRUMPF zusammen, um ihre Erfahrungen und Strategien im Umgang mit Startups zu teilen. Helmut Wöginger von ANDRITZ betonte die Bedeutung der Kooperation mit Late-Stage-Startups, die bereits über erprobte Systeme und einen Umsatz von mindestens einer Million Euro verfügen. Diese Strategie ermöglicht es ANDRITZ, sich auf Startups zu konzentrieren, die in den Bereichen Dekarbonisierung, Digitalisierung und Kundenservice tätig sind.
Ein bemerkenswertes Beispiel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist die Entwicklung eines autonomen Krans für eine Zellstofffabrik, der Züge in weniger als zwei Stunden entlädt. Dieses Projekt wurde mit einem Startup aus dem Schwarzwald realisiert, an dem sich ANDRITZ später beteiligte. Heute dient dieses Startup als verlängerte Werkbank für KI-Anwendungen, was die strategische Bedeutung solcher Partnerschaften unterstreicht.
Christian Böhm von TRUMPF hob hervor, dass neben dem institutionalisierten Venture-Arm auch die einzelnen Geschäftsbereiche aktiv nach Startups suchen, um spezifische Bedürfnisse aus der Praxis zu decken. Die extrem kurzen Innovationszyklen im Bereich der Künstlichen Intelligenz machen es unerlässlich, sich für externe Innovationen zu öffnen. Ein Erfolgsbeispiel ist die Zusammenarbeit mit dem Startup Remote, das in den Bereichen Computer Vision, Remote Operation und Equipment-as-a-Service tätig ist.
Gerald Fliegel von Primetals Technologies beschrieb die vielfältigen Kanäle, über die das Unternehmen Startups scoutet. Neben dem PIER 4-Netzwerk und VDMA nutzt Primetals auch AWS Connect, Hackathons und das globale Open Innovation Office des Mutterkonzerns Mitsubishi Heavy Industries. Diese umfassende Herangehensweise ermöglicht es, innovative Lösungen aus verschiedenen Teilen der Welt zu integrieren.
Florian Schnitzhofer von Sysparency, selbst Gründer und Business Angel, gab einen ehrlichen Einblick in das österreichische Startup-Ökosystem. Er lobte die frühe staatliche Förderung durch Institutionen wie FFG, AWS und KGG, warnte jedoch davor, dass diese Förderungen eine Falle darstellen könnten, da sie Gründer dazu verleiten, sich später mit echten Kundenbedürfnissen auseinanderzusetzen. Schnitzhofer empfahl, dem Beispiel israelischer Startups zu folgen und von Beginn an international und auf Englisch zu agieren.
Die Diskussion in Linz verdeutlichte, dass erfolgreiche Exits wie jene von Dynatrace oder Restic dazu beitragen, dass Kapital in die Region zurückfließt und in neue Startups investiert wird. Dies verbessert das Ökosystem kontinuierlich und schafft eine dynamische Umgebung, in der Innovationen gedeihen können. Die österreichische Maschinenbauindustrie steht somit vor der Herausforderung, diese Chancen zu nutzen und gleichzeitig die spezifischen Bedürfnisse und Herausforderungen der Branche zu adressieren.
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