TAMPA / LONDON (IT BOLTWISE) – AACSB hat gemeinsam mit internationalen Wissenschaftsorganisationen ein Rahmenwerk veröffentlicht, das Business Schools dabei unterstützt, die Wirkung ihrer Forschung über den akademischen Raum hinaus sichtbar zu machen. Der Bericht erscheint im Umfeld der ersten Research Impact Conference und adressiert gezielt die Frage, wie Definition, Bewertung und Kommunikation von Forschungswirkung künftig auf Outcomes statt nur auf Outputs ausgerichtet werden. Praktische Ressourcen wie ein Bewertungsinstrument und ein Leitfaden für das Forschungswirkungs-Ökosystem sollen Hochschulen bei der Umsetzung helfen.

Business Schools geraten zunehmend unter Legitimationsdruck: Forschung gilt zwar als Kernleistung der akademischen Ausbildung, doch immer häufiger wird erwartet, dass sich Nutzen und Wirkung auch außerhalb von Fachpublikationen belegen lassen. Genau an dieser Stelle setzt ein neues Rahmenwerk an, das von der AACSB und einer Global Research Impact Task Force erarbeitet wurde. Der Ansatz ordnet Forschungswirkung als Ökosystem ein, in dem Unternehmen, Politik, Lehre, Lernende und gesellschaftliche Akteure miteinander verzahnt sind. Damit entsteht ein gemeinsamer Verständniskern, der bisherige Lücken bei der Operationalisierung von Wirkung schließen soll.
Technisch und organisatorisch ist die zentrale Verschiebung bemerkenswert: weg von der reinen Betrachtung messbarer Outputs (z. B. Veröffentlichungen oder Zitationen) hin zu Outcomes und Wirkung. Das Rahmenwerk beschreibt nicht nur, was Wirkung sein kann, sondern auch, wie Einrichtungen diese systematisch definieren und bewerten. Dazu wird betont, dass wirkungsvolle Forschung häufig aus kontinuierlichem Austausch entsteht: zwischen Forschenden und Praktikern, zwischen Entscheidungsträgern und Lernenden sowie über langfristige Kooperationen mit Gemeinschaften. Im Ergebnis soll die Wirkungsmessung stärker an Strategien, Anreizsysteme, Kultur und Infrastruktur gekoppelt werden.
Ein wesentlicher Kontext ist der Timing-Effekt: Der Bericht erscheint parallel zur ersten Research Impact Conference der AACSB, die mit der Academy of Management durchgeführt wird. Für Business Schools ist das wichtig, weil sich so ein klarer Umsetzungsrahmen samt Austauschfläche etablieren kann, statt lediglich Leitlinien „für später“ zu formulieren. Laut AACSB-Geschäftsführung Lily Bi soll der Fokus von einer Output-Logik zu einem Outcome- und Wirkungsverständnis verlagert werden. Gerade in der betriebswirtschaftlichen Ausbildung wirkt das wie ein Weckruf, denn Bewertungs- und Akkreditierungsprozesse verlangen zunehmend konsistente Argumentationslinien über den gesamten Lebenszyklus von Forschung bis Lehre.
Im Markt ist das auch ein Wettbewerbssignal. Zwar ist AACSB selbst eine der großen Instanzen für Business-Education, doch die eigentliche Dynamik entsteht durch Vergleichsdruck mit alternativen Akkreditierungs- und Standardrahmen, etwa über EFMD (EQUIS) oder weitere Qualitätsinitiativen. Für Schulen bedeutet das: Wer Forschungswirkung nicht glaubwürdig dokumentiert, riskiert Nachteile in Rankings, Bewerberkommunikation und Förderanträgen. Experten erwarten dabei meist keine „eine Kennzahl für alles“, sondern robuste Narrative plus belastbare Nachweise. Genau diese Balance greift das Rahmenwerk auf, indem sowohl quantitative als auch qualitative Evidenz als Bestandteil einer ausgewogeneren Wirkungsmessung empfohlen wird.
Historisch betrachtet ist das Thema nicht neu, aber die Messbarkeit und Vergleichbarkeit waren lange begrenzt. In der Vergangenheit konzentrierten sich viele Evaluationssysteme stark auf leicht erfassbare Publikations- und Zitationsdaten, weil sie standardisiert erhoben werden konnten. Mit wachsender Bedeutung von Wissens- und Technologietransfer, Praxispartnern und gesellschaftlichem Mehrwert entstanden jedoch Ansätze, die Wirkung breiter verstehen wollten. Das neue Papier knüpft an diese Entwicklung an, indem es explizit das Wirkungs-Ökosystem beschreibt und Einrichtungen dazu ermutigt, Ansätze stärker an ihren jeweiligen Auftrag auszurichten. So wird Forschungswirkung weniger als einzelnes Ergebnis, sondern als Prozess in einer Organisation verstanden.
Regulatorisch und datenschutzseitig steckt der Teilerfolg in der sauberen Governance: Wenn Schulen Wirkung über Partnerschaften und Fallbeispiele belegen, steigen Anforderungen an Datenminimierung, Einwilligungsmanagement und nachvollziehbare Dokumentation, etwa bei vertraulichen Unternehmensinformationen oder personenbezogenen Rückmeldungen von Lernenden. Das Rahmenwerk adressiert dies indirekt, indem es institutionelle Rahmenbedingungen fordert, die vielfältige Wirkungsformen fördern. Praktisch heißt das für die IT- und Compliance-Ebene: Es braucht klare Richtlinien, wie Daten für Nachweise erhoben, gespeichert, freigegeben und für externe Stakeholder kommuniziert werden. Damit lassen sich auch Reputationsrisiken reduzieren, die bei unpräziser oder selektiver Darstellung von Outcomes entstehen.
Für die Umsetzung liefert der Bericht zusätzlich konkrete Ressourcen, darunter ein Instrument zur Bewertung der Forschungswirkung sowie einen Leitfaden zum Forschungswirkungs-Ökosystem. Das ist für die Enterprise-Praxis relevant, weil Schulen ihre bestehenden Prozesse nicht „von Null“ aufsetzen müssen, sondern gezielt prüfen können, welche Bausteine bereits wirken und wo Lücken entstehen. Zukunftsfähig wird der Ansatz, wenn Einrichtungen die Empfehlung zu Strategien, Verbindungen zwischen Forschung und Lehre und die Stärkung externer Beziehungen in eine messbare Roadmap übersetzen. In den kommenden Jahren dürfte damit der Aufbau von Wirkungskommunikation zu einem zentralen Bestandteil von Qualitätsmanagement werden, insbesondere im Zusammenspiel mit globalen Standards wie den AACSB Global Standards for Business Education 2026 und dem Pathways-to-Impact-Modell.
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