LONDON (IT BOLTWISE) – Action punktet mit Dauertiefpreisen und einem ständig wechselnden Sortiment. Der Artikel zeigt jedoch, dass der Preisvorteil im Warenkorb je nach Produkt deutlich schwanken kann. Bei einigen Eigenmarken gleichen sich die Kosten pro Einheit durch Mengen- und Qualitätsunterschiede an. Außerdem wird sichtbar, wie Kostenstrategie, Lieferketten-Organisation und das Timing durch die Inflation den Erfolg stützen.

Wer Action besucht, erlebt das Gefühl von „immer neue Funde“ – und genau daraus macht der niederländische Non-Food-Discounter ein Geschäftsmodell. Über 3.300 Filialen in 15 europäischen Ländern, darunter in Deutschland mehr als 650 Geschäfte, sorgen dafür, dass der Laden nicht nur ein Ausweichort für Sparfüchse ist, sondern ein regelmäßiges Ziel. Pro Woche verkauft die Kette rund 6.000 Produkte, wobei zwei Drittel unter zwei Euro kosten. Die zentrale Frage bleibt aber: Wenn das Preisschild so auffällig niedrig wirkt, woher kommt der Vorteil wirklich – und wann kippt er im Detail?
Ein Blick in die Kalkulation zeigt den Mechanismus. In einem Test mit Eigenmarken aus Haushalt, Pflege und Freizeit lag der Warenkorb bei rund 32 Euro bei Action, während vergleichbare Artikel bei anderen Anbietern spürbar teurer waren. Gleichzeitig heißt das nicht, dass der Vorteil überall „pro Kopf“ gleich bleibt. Beim Toilettenpapier etwa spielt die konkrete Ausprägung des Produkts hinein: Auf der Rolle steckt weniger Papier als bei der Konkurrenz. Sobald man den Preis pro Blatt umrechnet, landet Action bei einigen Vergleichsgrößen nur noch gleichauf – mit Anbietern wie Rewe, Aldi und dm. In der Praxis heißt das: Der Aha-Moment beim Etikett kann im Umrechnungsdetail verschwinden.
Für die Preisdynamik ist auch die Einkaufsmacht entscheidend. Der Artikel beschreibt, dass Action in sehr großen Mengen bestellt, wodurch Hersteller ihre Kalkulationen stark nach unten fahren müssen. Dass dabei Margen extrem klein ausfallen können, wird anhand einer Darstellung eines Produzenten deutlich, der die Zusammenarbeit mit Action als wirtschaftlich „schmal“ beschreibt. Gleichzeitig wird der Preisvorteil nicht nur über den Einkauf erzeugt, sondern auch über eine konsequente Kostendisziplin im eigenen Haus: Filialen sind schlicht eingerichtet, die Beleuchtung bleibt funktional, aufwendige Deko wird vermieden, und auch im Marketing hält man sich auffällig zurück. Carsten Kortum, Professor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, ordnet das als Investitionszurückhaltung „im Verhältnis zum Umsatz“ ein – gerade Werbung und Marketing gelten damit als Kostenhebel statt als Wachstumsbeschleuniger.
Technische Produkte sind der Bereich, in dem Verbraucher besonders gut vergleichen müssen. „Billig“ ist nicht automatisch „schlecht“, und der Artikel räumt ein, dass bei kurzlebigen Gebrauchsgütern wie Putzlappen oder Deko das Preis-Leistungs-Verhältnis häufig passt. Bei Technik dagegen können Materialqualität und Verarbeitung differieren, weil der Zielkorridor im Einkauf enger ist. Interessant ist dabei: Im erwähnten Marktcheck schnitten Elektrogeräte dennoch positiv ab. Die Eigenmarke Home Essentials trägt durchgängig das GS-Siegel für geprüfte Sicherheit, und Fachleute aus dem Umfeld der Elektrotechnik sollen bestätigt haben, dass die Geräte die gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Der praktische Schluss für Käufer: Bei Technik zählt nicht nur der Gesamtpreis, sondern auch Siegel, Verarbeitung und Erwartungsdauer.
Dass Action in den letzten Jahren besonders stark wirkt, hängt auch mit dem Makro-Umfeld zusammen. Laut den genannten GfK-Daten stiegen zwischen 2022 und 2024 die Non-Food-Ausgaben bei Billig-Discountern von 2,6 auf 3,2 Milliarden Euro, während die Umsätze mit ähnlichen Produkten bei klassischen Lebensmittel-Discountern sanken. Haushalte sparen demnach gezielt bei Deko und Zubehör, also bei Artikeln, die man zwar häufig kauft, aber nicht zwingend zum Überleben braucht. Auch das Einkaufserlebnis verstärkt die Schleife: Weil sich das Sortiment fortlaufend ändert, kommen Kunden immer wieder, um „nichts zu verpassen“. Dazu kommt der Effekt von Influencern, die vermeintlich günstige Entdeckungen in sozialen Netzwerken zeigen, was den Marketing-Effekt verstärkt, ohne dass dafür klassische Werbebudgets in entsprechender Höhe nötig wären.
Hinter der Kulisse steht jedoch nicht nur Logistik, sondern auch Arbeitsalltag. Der Text verweist auf hohen Zeitdruck beim Einräumen der Ware und nennt als Besonderheit, dass es in Deutschland keine Betriebsräte gibt. Besonders hart ist die Angabe, dass mehr als 80 Prozent der Action-Angestellten 2024 erneut ihren Job kündigten. Parallel bleibt das Thema Nachhaltigkeit in der Darstellung ambivalent: Action wirbt zwar mit recycelten Materialien und zertifizierten Rohstoffen, aber Greenpeace-Experte Moritz Jäger-Roschko sieht darin kein „wirklich grünes“ Modell, weil die Strategie aus niedrigen Preisen und kurzer Verfügbarkeit künstliche Kaufanreize fördere. Für Unternehmen und Einkaufsteams bedeutet das: Der Konflikt zwischen kurzfristiger Preisattraktivität und langfristigem Nachhaltigkeitsversprechen ist kein Randthema, sondern berührt das Kernprinzip der Store-Logik.
Historisch erklärt sich der Aufstieg auch über Kapital und Skalierung. Ein Wendepunkt sei 2011 gewesen, als die britische Investmentgesellschaft 3i bei Action einstieg. Damals hatte das Unternehmen laut Darstellung etwa 250 Filialen, fast ausschließlich in den Niederlanden. Der Kapitalzufluss habe dann die Expansion in andere europäische Märkte erleichtert; seitdem sei der Umsatz im Schnitt um etwa 26 Prozent pro Jahr gewachsen. Heute hält 3i rund 80 Prozent der Anteile und bezeichnet die Beteiligung als wichtigsten Wert im Portfolio. Ergänzend nennt der Artikel die operative Seite: Action betreibt 18 Verteilzentren und vier Hubs quer durch Europa und senkte seit 2021 die eigenen CO2-Emissionen um 56 Prozent, unter anderem durch Ökostrom und Biokraftstoff für den Fuhrpark. Unterm Strich bleibt dennoch ein gemischtes Bild: Oft lohnt sich Action bei Haushaltswaren und Dekoration, während der Vorteil bei einzelnen Produkten durch kleinere Packungsgrößen schrumpfen kann – und bei technischen oder langlebigen Anschaffungen sollte der zweite Blick grundsätzlich Pflicht sein.
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