LONDON (IT BOLTWISE) – Im ADAC-Test für zehn E-Scooter mit Straßenzulassung schneiden sieben Modelle insgesamt gut ab, doch zwei Geräte zeigen ein gravierendes Sicherheitsproblem. Beim Belastungstest brechen bei Navee N65i II und Streetbooster Sirius die Lenker, wodurch die Gesamtnote auf 4,5 sinkt. Zusätzlich weichen Herstellerangaben zur Reichweite teils deutlich von den Messwerten ab. Für Käufer wird damit klar: Zulassung, Bremsen und echte Alltagstauglichkeit zählen mehr als Marketingdaten.

Der Markt für E-Scooter ist voll von Zahlen zu Reichweite, Tempo und Komfort – entscheidend ist aber, wie sich die Fahrzeuge in der Praxis unter Belastung verhalten. Beim ADAC-Vergleich von zehn aktuellen Modellen mit Straßenzulassung wurden nicht nur Reichweite und Preis, sondern auch Fahrverhalten, Bremsen, Bedienung, Sicherheit, Haltbarkeit, mögliche Schadstoffe und weitere Alltagsfaktoren geprüft. Das Ergebnis fällt überwiegend positiv aus: Sieben von zehn E-Scootern erreichen die Gesamtnote „gut“.
Richtig kritisch wird es jedoch bei zwei Modellen. Beim Navee N65i II und beim Streetbooster Sirius versagt der Lenker während einer Belastungsprüfung: Der Lenker bricht, sobald das Fahrzeug gezielt unter Last getestet wird. Genau deshalb vergeben die Tester nur die Gesamtnote 4,5. Der ADAC ordnet das Problem dabei als Sicherheitsrelevanz ein und betont, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen die Belastungen des Alltags aus seiner Sicht nicht ausreichend abbilden.
Das beste Gesamtergebnis erzielt der Segway Ninebot F3 Pro D mit der Note 2,0. In den Bewertungen punktete das Modell mit einem insgesamt komfortablen Fahrverhalten, gut abgestimmten Bremsen sowie einer Beleuchtung, die im Testkontext überzeugte. Auch das Zusammenspiel aus umfangreichem Display und einer zugehörigen App kam bei den Prüfern gut an. Ein handfester Schwachpunkt bleibt aber die Ladezeit: Für eine vollständige Ladung benötigen Nutzer mehr als acht Stunden.
Neben der strukturellen Sicherheit macht der Test auch bei den Alltagserwartungen Druck. So zeigen sich deutliche Abweichungen zwischen Herstellerangaben und realer Reichweite: Für den Odys Ultron i75 nennt der Hersteller eine Reichweite von bis zu 75 Kilometern, im ADAC-Test kommt das Modell hingegen auf knapp 48 Kilometer. Das ist für viele Käufer mehr als nur eine kleine Differenz – wer regelmäßig längere Strecken plant, sollte die angegebenen Reichweiten deshalb nicht als feste Zusage lesen, sondern als Ausgangspunkt für eine realistische Erwartung.
Auch die Sichtbarkeit im Straßenverkehr wurde genauer betrachtet. Beim Modell von SoFlow blendete das fest verbaute Frontlicht den Gegenverkehr, was in der Praxis zu gefährlichen Situationen führen kann. Zwar waren in den Tests alle Fahrzeuge mit Blinkern ausgestattet, obwohl diese erst ab dem kommenden Jahr vorgeschrieben sind; allerdings zeigten sich Probleme in der Erkennbarkeit: Bei einigen Modellen waren die Blinker von der Seite nur schwer oder gar nicht wahrnehmbar. Damit verschiebt sich der Fokus vom „Vorhandensein“ hin zur nutzbaren Wirksamkeit, denn ein Blinker, der im Alltag kaum zu erkennen ist, reduziert den Sicherheitsgewinn.
Die Relevanz solcher Mängel lässt sich zudem aus Unfallzahlen ableiten. Laut Angaben des Statistischen Bundesamts registrierte die Polizei im vergangenen Jahr rund 16.500 Unfälle mit E-Scootern, das entspricht etwa 38 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei starben 38 Menschen, rund 1.900 wurden schwer und etwa 16.200 leicht verletzt; mehr als vier von fünf Verunglückten waren selbst mit dem E-Scooter unterwegs. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat fordert vor diesem Hintergrund unter anderem einen Befähigungsnachweis für Menschen ohne Führerschein, eine Anhebung des Mindestalters von 14 auf 15 Jahre sowie eine Seitenbeleuchtung für E-Scooter.
Für die Kaufentscheidung folgt daraus ein sehr pragmatischer Prüfpfad. Der ADAC empfiehlt, vor dem Kauf konkret zu überlegen, wie der E-Scooter genutzt werden soll: Für hügelige Strecken raten die Tester zu einem leistungsstarken Motor und einer guten Federung, außerdem sollte vor dem Kauf eine Probefahrt erfolgen. Unabhängig vom Modell gehört ein Helm zur Grundausstattung, weil Unfallstatistiken besonders häufig Kopf- und Gesichtsverletzungen zeigen. Daneben bleibt für Käufer wichtig, ob das Gerät in Deutschland rechtlich sauber nutzbar ist: Die Verbraucherzentralen verweisen darauf, dass günstige Modelle aus dem Internet oder aus dem Ausland oft keine notwendige Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) besitzen. Ohne ABE darf ein E-Scooter nicht im öffentlichen Straßenverkehr gefahren werden; fehlende Betriebserlaubnis und fehlende Haftpflichtversicherung können zudem zu Bußgeldern und im zweiten Fall zu strafrechtlichen Konsequenzen führen. Wer diese Punkte vor dem ersten Fahrtversuch prüft, reduziert das Risiko spürbar – und kann gleichzeitig sicherstellen, dass Reichweite und Bremsleistung im Alltag tatsächlich zusammenpassen.
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