LONDON (IT BOLTWISE) – Der ADAC hat sein E-Auto-Ranking 2026 aktualisiert und gleich zwei BMW-Modelle an die Spitze gesetzt. Im Gesamttest erreichen der BMW iX3 50 xDrive und der BMW iX xDrive45 jeweils die Note 1,9. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis springt jedoch der Suzuki e-Vitara e-Axle 61 kWh mit der Note 1,3 deutlich nach vorn. Gleichzeitig zeigt das aktualisierte Testverfahren, dass frühere Ergebnisse nur eingeschränkt vergleichbar sind.

Wer beim ADAC-Test 2026 nur auf die Gesamtnote schaut, landet ziemlich schnell bei BMW: Der BMW iX3 50 xDrive und der BMW iX xDrive45 erreichen jeweils die beste Note 1,9. Dahinter folgen weitere Elektrofahrzeuge, darunter der Mercedes CLA Coupé 350 EQ 4MATIC, der Volvo ES90 Single Motor Extended Range Ultra sowie der Genesis Electrified G80 AWD, die jeweils auf 2,0 kommen. Genau an dieser Stelle lohnt der zweite Blick auf die Logik des Rankings, denn die überzeugendste Gesamtnote ist nicht automatisch der beste Kauf.
Technisch beginnt das Spitzenfeld bei BMW bei den fahrrelevanten Kernbereichen, die der ADAC im Autotest besonders bewertet: Der iX3 50 xDrive startet bei 70.900 Euro, leistet 469 PS und kommt laut Angaben im Test auf 15,4 kWh je 100 Kilometer. Der ADAC ordnet ihn insbesondere bei den elektrischen Themen stark ein – mit guten Fahrleistungen, einem effizienten Antrieb, hoher Reichweite und einer sehr guten Ladeleistung. Dazu kommt ein praktisches Detail, das im Alltag häufig über „Schönes Auto“ hinaus entscheidet: Auch die hohe Anhängelast spielt hier zugunsten des iX3.
Die Kehrseite zeigt sich dann eher in den Kosten- und Bedienaspekten. Beim iX3 bremst der Preis, außerdem nennt der ADAC eine teure Versicherung. Dazu kommen Punkte, die man im Alltag erst merkt, wenn man längere Strecken fährt oder im Stadtverkehr oft umschaltet: Die Blinker im Rücklicht sollen teils schlecht erkennbar sein. Auch funktionale Komfort- oder Fahrwerkswünsche bleiben unerfüllt, weil Fahrwerksoptionen wie adaptive Dämpfer fehlen – ein Thema, das insbesondere bei Kunden mit wechselnden Streckenprofilen oder höheren Ansprüchen an Fahrbahnkomfort relevant wird.
Beim BMW iX xDrive45 bleibt die Gesamtwirkung trotz anderer Stärken hoch. Er liegt preislich ab 83.500 Euro, bringt 408 PS auf die Straße und verbraucht 17,8 kWh je 100 Kilometer. Der ADAC lobt vor allem den Innenraum mit viel Platz, den noblen Charakter, die sehr gute Verarbeitung und den hohen Komfort. Dazu kommen positive Bewertungen bei Sicherheit und Serienausstattung. Gleichzeitig wird aber die typische Preisfrage aufgemacht, die große, komfortorientierte Fahrzeuge mit sich bringen: Größe macht unübersichtlicher, einen Frunk gibt es nicht, und die Ladeleistung fällt für diese Fahrzeugklasse nur „mäßig“ aus. Wenn dann noch der Anschaffungspreis hoch bleibt, verschiebt sich das Profil vom „besten Gesamtergebnis“ hin zum „besten Angebot für passende Nutzer“.
Während BMW im Gesamtvergleich dominiert, spielt beim Blick auf Reichweite und Effizienz auch der Mercedes CLA Coupé 350 EQ 4MATIC eine wichtige Rolle. Der ADAC bewertet ihn mit Note 2,0 und nennt einen Einstiegspreis von 64.956 Euro, 354 PS sowie 12,7 kWh je 100 Kilometer. In der Kategorie zählt er damit zu den besonders sparsamen Spitzenmodellen. Zusätzlich nennt der Test Lob für Fahrkomfort, Reichweite und verfügbare Assistenzsysteme – also genau jene Bausteine, die in der Praxis häufig den Unterschied zwischen einem „Einmal probiert“ und einem „Gern wieder“ ausmachen.
Im Alltag treten bei diesem Mercedes jedoch konkrete Schwächen auf, die für Familien, Vielnutzer oder Fahrer mit häufig wechselnden Mitfahrern besonders spürbar sind. Der ADAC nennt wenig Platz auf der Rückbank und eine eher überschaubare Serienausstattung. Dazu kommen Reibungspunkte in der Bedienung: „Nervige Slider“ für Lautstärke und Bordcomputer können je nach Gewöhnung das Fahrerlebnis im Alltag stören. Und auch hier bleibt der Preis ein Faktor, denn der CLA ist laut Test ebenfalls kein günstiges Auto – der Effekt einer starken Effizienz kann also durch andere Kostenpunkte relativiert werden.
Den deutlichsten Kontrast liefert der Suzuki e-Vitara e-Axle 61 kWh im Preis-Leistungs-Verhältnis: Er erreicht im Autotest nur Note 2,6, bringt beim Gegenwert aber Note 1,3 und damit den besten Wert im aktuellen Feld. Das ist zugleich die wichtigste Lehre aus dem Ranking: Die beste Testnote und der beste Kauf sind nicht identisch. Besonders relevant ist dabei auch die Methodikänderung des ADAC für 2026: Sicherheit und Umwelt zählen nun nicht mehr doppelt. Dadurch können Fahrzeuge im Vergleich zu früheren Tests schlechter abschneiden, und die neuen Ergebnisse sind laut ADAC nur bedingt mit älteren Bewertungen vergleichbar. Interessant ist dieser Effekt auch beim Audi Q4 40 e-tron, der im Autotest mit Note 2,1 gut dasteht, im Preis-Leistungs-Vergleich aber auf Note 2,0 kommt – während andere Modelle mit anderer Kostenstruktur deutlich stärker „im Preis“ wirken. Für Käufer bedeutet das am Ende eine klarere Entscheidungsmatrix: Wer täglich pendelt, mit welchen Ladewegen und welcher Nutzlast, und welches Budget verfügbar ist, entscheidet stärker als eine einzelne Gesamtnote.
Auch das aktualisierte Bild mit den Spitzenmodellen zeigt, wie stark sich Elektroautos heute in unterschiedliche „Versprechen“ segmentieren. Der iX3 steht für effiziente elektrische Kernwerte und Alltagstauglichkeit mit hoher Anhängelast, der iX xDrive45 liefert Komfort und Ausstattung, aber zu Lasten von Klasse-Ladeleistung und zusätzlichen Komfortoptionen. Der Mercedes CLA Coupé bringt sparsamen Verbrauch und Assistenz, muss sich aber bei Platz und Serienumfang der Konkurrenz stellen. Und der Suzuki e-Vitara macht sichtbar, dass ein günstigerer Einstieg nicht zwingend ein schwächerer Gesamtalltagskompromiss ist – er wirkt nur in der Logik des Preis-Leistungs-Vergleichs am stärksten. Wer aus dem ADAC-Test eine echte Kaufentscheidung ableiten will, sollte deshalb die Ergebnisse konsequent entlang des eigenen Nutzungsszenarios lesen.
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