FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Aktien von adidas und PUMA rutschen trotz kursnaher Anschlusskäufe leicht ab. Für Rückenwind sorgten am Markt vor allem die anstehenden Investorentermine: adidas lädt zum Investorentag ein, PUMA plant eine informelle Führungskräftesitzung. Im Fokus stehen damit Umsatz- und Profitabilitätserwartungen für die kommenden Monate. Analysten bleiben jedoch skeptisch, weil sie das Branchenwachstum strukturell schwächer sehen als in der Vergangenheit.

Am Aktienmarkt zeigen sich adidas und PUMA am Mittag mit spürbar gedämpfter Stimmung: Beide Papiere gaben jeweils um 0,7 Prozent nach. Ausschlaggebend ist dabei weniger ein einzelnes Negativsignal als die Reaktion auf neue Analystenkommentare. Besonders die Bank of America (BofA) stellte ihre Erwartungen im Vorfeld der nächsten großen Branchenschritte neu auf, darunter mit Kurszielsenkungen für beide Sportartikelhersteller. In der Praxis heißt das: Selbst bevor ein Unternehmen Zahlen liefert, preist der Markt die Frage ein, ob die nächste Ergebnisphase die Bewertung rechtfertigt.
Der unmittelbare Timing-Treiber sind die Termine der kommenden Woche. adidas soll laut Bericht zum Investorentag einladen, während PUMA eine informelle Führungskräftesitzung ankündigt. Solche Formate sind für Anleger wichtig, weil sie häufig ein Update zur mittelfristigen Ausrichtung liefern: weniger als „Q2-Reporting“, mehr als ein Ausblick auf Kanalstrategie, Produktmix und die Erwartung an das Tempo beim Umsatzwachstum. Anleger richten ihren Blick typischerweise auf die kurz- und mittelfristigen Umsatzerwartungen, weil genau diese Größen bestimmen, wie viel Wachstum in die künftigen Cashflows eingerechnet wird. Im aktuellen Umfeld wird dieser Abgleich allerdings durch eine Bewertungslücke erschwert: Für jeden Euro Gewinn zahlen Investoren seit rund zwei Jahren deutlich weniger als zuvor.
Genau an dieser Stelle setzt die Skepsis der Analysten an. Wenn Käufer am Markt weniger bereit sind, den Gewinn mit einem hohen Vielfachen zu bewerten, liegt die Messlatte für Unternehmen höher: Sie müssen nicht nur wachsen, sondern schneller oder profitabler als zuvor, um die gleiche Rendite für Kapitalgeber zu erreichen. Laut den Analysten verweist das auf ein strukturell niedrigeres Branchenwachstum, das sich bereits in den Geschäftszahlen zum zweiten Quartal abgebildet habe. Für BofA bedeutet das konkret, die Umsatzschätzungen zunächst zu kürzen – besonders für die nahe Zukunft. Gleichzeitig erwarten die Analysten, dass sich die Profitabilität der Sportartikelhersteller weniger schnell erholt als ursprünglich angenommen.
Die Auswirkungen wurden in Kurszielen greifbar: BofA senkte das Kursziel für adidas von 184 auf 156 Euro und für PUMA von 26 auf 21 Euro. Für PUMA bleibt die Einschätzung auf „Underperform“, also eine Erwartung, dass die Aktie die Vergleichswerte eher nicht erreicht. adidas hingegen erhält von derselben Bank weiterhin die Einstufung „Neutral“. Damit wird weniger ein kurzfristiger Crash erwartet, sondern eher ein flaches Renditeprofil: BofA geht offenbar davon aus, dass adidas innerhalb von zwölf Monaten insgesamt höchstens eine leicht positive Gesamtrendite aus Kursgewinn und Dividende nahe Null erwirtschaftet. Das ist für viele Portfolios ein Signal, dass das Chance-Risiko-Verhältnis ohne weitere positive Überraschung nicht stark genug ist, um sich zusätzlich zu positionieren.
Auch die Citigroup hat den Blick angepasst, allerdings mit einer Kauforientierung, die sich vom Ton der BofA unterscheidet. Die Bank senkte das Kursziel für adidas von 204 auf 200 Euro und rechnet nun ebenfalls mit einem geringeren Umsatzwachstum. Der entscheidende Unterschied: Trotz dieser Anpassung hielt Citigroup an der Kaufempfehlung fest. Das zeigt, dass Anleger nicht nur auf die absolute Höhe des Umsatzpfads achten, sondern auch auf die Frage, wie das Unternehmen die Ergebnisse absichern kann – etwa über Preisgestaltung, Kostenkontrolle oder die Fähigkeit, Promotions zu begrenzen. Wenn zwei Institute auf geringere Wachstumsraten kommen, kann die Bewertung trotzdem unterschiedlich ausfallen, je nachdem, wie stark die Profitabilität und der Kapitalrückfluss als „Puffer“ wirken.
Für die Marktlogik ist in diesem Fall besonders relevant, dass die Kursbewegung bereits vor den Unternehmens-Events stattfindet. Der Investorentag bzw. die Führungskräftesitzung fungieren dann als Bühne, auf der nicht nur Kennzahlen, sondern Glaubwürdigkeit und Umsetzbarkeit der Planung bewertet werden. Gerade wenn Analysten die Erholung der Profitabilität langsamer erwarten, wird es für adidas und PUMA schwieriger, mit bloßen Formulierungen zu überzeugen. Entscheidend ist, ob die Unternehmen das Thema Wachstum konkretisieren können: Welche Regionen, Kanäle und Produktkategorien sollen das Tempo liefern, und wie schnell sollen operative Verbesserungen sichtbar werden?
Damit rückt die praktische Umsetzungsfrage für Investoren in den Vordergrund: In einem Umfeld, in dem die Bewertung für Sportartikelhersteller seit zwei Jahren unter Druck steht, reicht ein moderater Ausblick häufig nicht. Wer sich vor dem Hintergrund der Kurszielsenkungen neu positionieren will, braucht Impulse, die entweder das erwartete Umsatzwachstum beschleunigen oder die Profitabilität nachweislich früher stabilisieren. Für die nächsten Handelstage und spätestens mit den Ergebnissen zu den angesprochenen Investor-Formaten dürfte daher nicht nur die Richtung, sondern auch die Präzision der Guidance im Fokus stehen. Denn wenn sich die Marktannahmen bestätigen, dürfte das Interesse an adidas und PUMA zunächst eher selektiv bleiben.
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