LONDON (IT BOLTWISE) – Die Air Force und Space Force müssen laut Secretary Troy Meink KI-gestützte Bedrohungen schneller auskontern als bislang. Er kündigt mehr Schutz der Stützpunkte über Point Defense sowie eine stärkere Kopplung von bemannten und autonomen Systemen an. Im Boden- und Luftraum sollen binnen weniger Jahre tausende einwegfähige Angriffsdrohnen und „Collaborative Combat Aircraft“ verfügbar werden. Parallel setzt die Space Force auf proliferierte Konstellationen, Interceptor-Technik und eine straffere Beschaffungsorganisation.

Secretary Troy Meink hat am 14. September auf der 2026 Air and Space Cyber Conference eine Kernthese deutlich gemacht: Die Verteidigungsfähigkeit der Air Force und Space Force darf nicht an einer Budget- und Planungslogik scheitern, die für „einen anderen Rhythmus des Krieges“ gebaut wurde. Laut Meink verschiebt sich das Tempo der Bedrohungslage dabei gerade dadurch, dass Gegner zunehmend KI-gestützte Systeme einsetzen. Der Vergleich, den er im Rahmen seiner Ansprache geliefert hat, ist dabei bewusst kontrastreich: In einem europäischen Einsatzszenario hätten Einweg-Angriffsdrohnen Artillerie als vorrangigen „Tötungsmechanismus“ abgelöst, während Panzer oft ungenutzt blieben. Für die technische Planung bedeutet das, dass Reichweite, Sensorik und Entscheidungsfähigkeit nicht länger nur im Verbund funktionieren müssen, sondern auch dann, wenn einzelne Plattformen untergehen oder nur eingeschränkt manövrieren können.
Im Zentrum steht für die nächsten Jahre eine Kombination aus KI-Entwicklung, schnellerem Lernen und skalierbarer Kampfkraft. Meink beschreibt KI als Wettbewerb um „top programming“-Ressourcen und als Technologie, die nicht nur die Schlachtbilder verändert, sondern auch Staaten begünstigt, die früher schlicht keine vergleichbaren Kapazitäten aufbauen konnten. Daraus leitet er eine Forderung ab, die zugleich finanziell und operativ formuliert ist: „cost-effective combat power“ und eine Innovationsgeschwindigkeit, die andere überholt. Technisch lässt sich diese Richtung vor allem an zwei Stellschrauben erkennen: erstens an stärker automatisierten Entscheidungs- und Einsatzprozessen, zweitens an der Beschaffungsseite, die sich an die reale Iterationsrate von Hardware- und Softwarezyklen anpassen muss. Dass Meink betont, es gebe bereits „hundreds“ an KI-Tools in der Luftwaffe, die von der Einsatzplanung bis zur Datenfusion reichen, passt in dieses Bild: Wo mehr Datenflüsse entstehen, wird eine KI-gestützte Orchestrierung von Missionen und Kontextdaten zum Engpasslöser.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Aussagen betrifft den Schutz der eigenen Infrastruktur vor Luftbedrohungen, die sich in kurzer Zeit weiterentwickeln. Meink spricht dabei erstmals explizit über den Einsatz von Waffen im Weltraum durch die Space Force: Es gehe um eine Erhöhung der Einsatzbereitschaft gegen existierende Bedrohungen und um on-orbit „space control weapons“, die die „Joint Force“ gegen feindliche Handlungen verteidigen sollen. Zusätzlich lenkt er den Blick auf „Point Defense“ als Begriffsrahmen für den Schutz von Basen, Flugplätzen und Operationen gegen Bedrohungen aus der Luft. Der entscheidende Punkt ist dabei nicht nur die Technologieauswahl, sondern das organisatorische Design: Meink verlangt neue Trainingsschwerpunkte und eine einheitliche, „seamless“ Ausführung, um gefährliche Lücken im Zeitalter von Drohnen und KI zu vermeiden. Historisch betrachtet ist das ein klassischer Transformationsmoment: Früher dominierten feste Verteidigungskonzepte und mehrstufige Koordination; heute müssen Reaktionsketten näher an Sensorik und Zielzuweisung heranrücken, weil Angreifer schneller handeln.
Operativ kündigt Meink zudem eine klare Systemmix-Strategie an. Die Air Force setzt weiterhin stärker auf die Kombination aus bemannten und unbemannten Plattformen. Besonders deutlich wird das in seiner Aussage, dass man bemannte Luftfahrzeuge mit „low-cost autonomous systems“ koppeln werde, um Kampfkraft „at scale“ zu entfesseln. Für den Zeithorizont bis 2032 nennt er mehrere konkrete Zielbilder: Spezialeinheiten sollen die Fähigkeit erhalten, tausende autonome Einweg-Angriffswaffen einzusetzen; außerdem sollen autonome Kämpfer vom Typ „Collaborative Combat Aircraft“ (CCA) in Dienst gestellt werden, wobei er mindestens 500 Exemplare bis 2032 nennt. Diese CCA sollen laut Meink viele Aufgaben übernehmen, die heute bemannte Fighter erfüllen. Ergänzend nennt er zwei neue autonome Flugzeuge, die FQ-42 und FQ-44, mit den Namen „Vengeance“ und „Fury“. Auch wenn diese Namen nicht automatisch technische Spezifikationen verraten, signalisieren sie, dass hier parallel an mehreren Plattformklassen gearbeitet wird – mit dem gemeinsamen Ziel, autonome Flugkörper in größeren Stückzahlen und mit kürzeren Beschaffungszyklen verfügbar zu machen.
Der wirtschaftliche Kern kommt dann mit dem „Mass Modular Aircraft“-Konzept (MMA). Meink stellt MMA als unbemanntes Multi-Purpose-System dar, das „affordable, attritable, long range combat power“ bereitstellen soll. In seiner Kostenlogik ist die Botschaft eindeutig: Mit Budgetunterstützung plant die Behörde die Ausbringung von 100 MMA bis 2029 und nennt als Vergleich „half the cost“ eines CCA sowie „1/10 the cost“ von „fifth-gen“-Kampfflugzeugen. Daraus ableitend soll bis 2032 eine Flotte von 500 solcher Plattformen in den operativen Betrieb übergehen. Technisch ist hier vor allem die Modularität relevant, denn Modularität bedeutet in der Praxis, dass Baugruppen so austauschbar bleiben, dass Updates nicht jedes Mal das gesamte System neu qualifizieren müssen. Das passt zu Meinks Fokus auf eine schnellere Beschaffung, die er über die „Open Systems Architecture“-Idee zusätzlich stützt: Offene Systemarchitekturen erleichtern es, Komponenten und Subsysteme verschiedener Anbieter zu integrieren, was wiederum Wettbewerb fördern kann.
Die Beschaffungs- und Organisationsseite wird bei ihm schließlich zur zweiten großen Säule neben den Plattformen. Meink sagt, es seien „all 26“ „Portfolio Acquisition Executives“ etabliert worden; diese Rollen seien ermächtigt und verantwortlich, die Lieferung innerhalb definierter Mission Areas zu beschleunigen. Besonders wichtig: Er beschreibt die Delegation von nahezu jeder Befugnis, die rechtlich möglich sei, an diese PAEs. Für die meisten Programme gehöre dazu sogar die „Milestone Decision Authority“ – ein „big first“ in der Beschaffungswelt der Air Force. Genau hier liegt die technische Brücke zur KI-gestützten Bedrohungsabwehr: Wenn Entscheidungswege länger sind als die Zeit, die man braucht, um Systemversionen zu iterieren oder neue Softwarestände einzuspielen, verpufft der Vorteil automatisierter Analyse und schneller Planungswerkzeuge. Daneben nennt Meink auch Anpassungen im Training und in der Ausbildung: Basic Military Training werde so umgebaut, dass Luftwaffensoldaten von Anfang an mit Fluglinien, Übungsbereichen und dem operativen Umfeld in Berührung kommen; die Air Force Academy sei reorganisiert worden, um stärker auf den „profession of arms“-Gedanken auszurichten.
Auch im Weltraum setzt die Space Force laut Meink auf denselben Skalierungsmodus, allerdings mit anderen technischen Bausteinen. Er verweist auf „proliferated constellations“ und nennt als Beispiel das „Space-Based Interceptor“-Programm, das von einem ersten Vertrag bis zu „flight-ready hardware“ in weniger als einem Jahr gelangt sein soll. Außerdem sagt er, man mache ähnliche Fortschritte bei der „Space Data Network“-Initiative und beginne in diesem Monat mit dem Start der „Air Moving Target Indication“-Konstellation. Taken together sollen diese Investitionen laut Meink helfen, die Streitkräfte an das Bedrohungsumfeld von heute und morgen anzupassen und zu skalieren. Seine Warnung an die Industrie rundet das Bild ab: Viele Komponenten hätten ihre Kostenkurve überholt, die Leistung sei sehr hoch, aber die Kosten stiegen schneller als die Inflation. Damit setzt er eine klare Erwartung an Lieferketten, Fertigungsdesigns und Lebenszyklus-Engineering, die für jedes Unternehmen in der Zulieferkette unmittelbare Auswirkungen auf Kalkulation, Time-to-Production und die Fähigkeit haben, mit kurzen Zyklen mitzuhalten.
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