BORSDORF BEI LEIPZIG / LONDON (IT BOLTWISE) – Ajambow bringt einen wassergefüllten Fitness- und Therapiebogen ins Rampenlicht und setzt dabei auf verstellbaren Widerstand. Die Gründer Susan Schmidt und Simon Werner treten mit einem Deal-Fokus von 300.000 Euro für zehn Prozent ihrer Ajambow GmbH auf. Das Training verspricht wechselnde Impulse durch das Fließen des Wassers im Bogen und soll die tiefer liegende Rumpfmuskulatur ansprechen. Entscheidend ist zudem die Kombination aus Gerät im Heimtraining und zertifiziertem Kursbetrieb.

Ajambow wirkt auf den ersten Blick wie ein ungewöhnlicher Fitnessbogen, doch die Idee dahinter ist klar auf einen spezifischen Trainingsreiz zugeschnitten: Statt mit einem festen Widerstand zu arbeiten, wird das Gerät vor der Nutzung mit Wasser gefüllt. Wenn sich der Bogen bewegt, durchläuft das Wasser Bereiche mit unterschiedlichen Querschnitten und erzeugt dadurch wechselnde Geschwindigkeiten und Impulse. Genau dieser Mechanismus soll den Körper in jeder Wiederholung zum Ausgleich zwingen – mit dem Anspruch, vor allem die tiefer liegende Rumpfmuskulatur stärker zu aktivieren als es viele klassische Übungen mit konstantem Widerstand leisten.
Technisch betrachtet hängt der Effekt nicht am „Wasser an sich“, sondern an der Kopplung von Fluiddynamik und Bewegung: Das Gerät ist rund 1,10 Meter lang, wiegt leer etwa 700 Gramm und kommt mit 0,5 bis 1,5 Litern Wasser auf gut zwei Kilogramm. Wer die Wassermenge variiert, verändert damit auch die Intensität des Impulses. Die Trainingseinheiten, die der Hersteller empfiehlt, sind vergleichsweise kompakt: dreimal 15 Minuten pro Woche. Ergänzend gehören laut Unternehmen Choreographien zu einem Konzept, das sich als rund 100 Übungsvideos präsentiert, davon mehr als drei Stunden frei zugänglich.
Der Marktauftritt des Startups ist dabei eng mit dem Thema „Rückenprävention“ verknüpft. Ajambow bezeichnet das Workout als Präventionskurs nach Paragraf 20 SGB V und verweist damit auf die Möglichkeit, dass gesetzliche Krankenkassen Kurse in dieser Kategorie bezuschussen. Das ist bei Geräten für das Heimtraining ein relevanter Unterschied, weil viele Wettbewerber zwar Produkte verkaufen, aber nicht zwingend einen Kursbetrieb in entsprechender Struktur mitbringen. Gleichzeitig bleibt die Frage nach der belastbaren Evidenz: Das Unternehmen verweist auf eigene EMG-Messungen, die eine bis zu rund 30-prozentige höhere Aktivierung von Rumpf- und Schultermuskeln zeigen sollen. Eine solche Eigenmessung belegt jedoch keine klinische Wirksamkeit gegen Rückenschmerzen, weil es sich nicht um eine unabhängige Studie mit entsprechenden Endpunkten handelt.
Bemerkenswert ist auch, wie Ajambow versucht, das „Heimtraining“ mit einem Studio-Ansatz zu verzahnen. Das Konzept nennt eine Unterstützung durch die Sportwissenschaftliche Fakultät der Universität Leipzig; außerdem führt das Unternehmen laut eigenen Angaben Unternehmenseigenes Training und Begleitung über ausgebildete Trainer in Studios zusammen. Dazu gehört eine eigene Studiokarte, und als weitere Einsatzfelder werden Physiotherapie und Ergotherapie genannt. Für Interessierte bedeutet das: Wer das System kauft, erhält nicht nur ein Sportgerät, sondern baut auf eine Trainingslogik und eine Begleitstruktur, die zumindest in der Außendarstellung stärker standardisiert wirkt als bei reinen „Bänder und Rollen“-Setups.
Finanziell positioniert sich Ajambow im Mittelfeld – eher „ernsthaftes Heimtraining“ als Zubehör. Der wassergefüllte Fitnessbogen kostet im Shop zur Ausstrahlungszeit 129,95 Euro statt regulär 149,95 Euro; ein Seil-Set schlägt mit 49,95 Euro zu Buche, die Korkrolle ebenfalls mit 49,95 Euro. Ein Bundle aus Bogen und Seil-Set kostet 179,95 Euro, das Balance Board 219,95 Euro und das komplette Trainingsset 399,95 Euro. Damit wird deutlich, dass Käufer für das Gesamtpaket deutlich mehr als für ein Gymnastikband einplanen, und genau hier muss das Konzept seine Mehrwerte gegenüber dem breiten Markt für Rückentraining plausibel machen.
In der Sendungslogik ist das Unternehmen zudem mit hohen Erwartungen verknüpft. Susan Schmidt und Simon Werner, beide 55 Jahre alt, verlangen in Folge 6 der 20. Staffel 300.000 Euro für zehn Prozent ihrer Ajambow GmbH – eine Bewertung, die nach einfacher Rechnung eine Unternehmensgröße von drei Millionen Euro impliziert, obwohl das Unternehmen erst 2024 gegründet wurde. Solche Zahlen wirken in einer Deal-getriebenen TV-Umgebung oft wie ein Beschleuniger, können aber auch als Härtetest gelesen werden: Wer gesundheitsbezogene Nutzen verspricht, muss im Pitch nicht nur ein fertiges Produkt mit Vertriebskanal liefern, sondern auch eine überzeugende Beweiskette. Dass das System bereits im Handel steht und über einen Kursbetrieb in Studios verfügbar gemacht wird, ist ein starkes Argument; die Gegenposition liegt in der offenen Frage, wie gut sich der Nutzen über unabhängige Evidenz und langfristige Effekte belegen lässt.
Ob die „Löwen“ zugreifen, entscheidet sich im Verlauf der Ausstrahlung. Für Technik- und Produktentscheider bleibt der spannende Kern weniger die TV-Bühne als die Kombination aus Gerätedesign, trainingswissenschaftlicher Begründung und einem strukturierten Kursangebot. Gerade bei Wellness- und Präventionsprodukten entscheidet sich häufig im Alltag: durch Bedienbarkeit, Wiederholbarkeit der Trainingsreize und die Fähigkeit, eine klare Fortschrittslogik in ein Heimprogramm zu übersetzen. Ajambow versucht genau diese Brücke – und macht damit sichtbar, wie stark sich der Markt zwischen physischem Training, Content-Plattform und „medizinisch-nah“ deklarierter Kursarchitektur entwickelt.
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