LONDON (IT BOLTWISE) – Akamai erweitert seine Zusammenarbeit mit Anthropic deutlich und setzt dabei auf verteilte Cloud-Infrastruktur für steigende CPU-Workloads. Der Vertrag läuft über sieben Jahre und kann sich laut Vereinbarung von 11,6 Milliarden US-Dollar auf rund 20 Milliarden US-Dollar aufstocken. Anthropic erhält zudem einen Optionsschein auf wandelbare, stimmrechtslose Vorzugsaktien der Serie B mit einem Ausübungspreis von 111,33 US-Dollar. Für Akamai steigen die Investitionsausgaben im laufenden Jahr voraussichtlich um rund 1,7 Milliarden US-Dollar, während die Umsatzprognose unverändert bleibt.

Der Schulterschluss zwischen Akamai und Anthropic bekommt eine neue Dimension: Der Cloud- und Edge-Anbieter hat eine langfristige Vereinbarung geschlossen, die Anthropic künftig noch stärker an Akamai-Services bindet. Im Kern geht es um Infrastruktur und Software, die verteilte CPU-Workloads von Anthropic übernehmen. Damit verschiebt sich die Zusammenarbeit weg von punktuellen Kapazitätsengpässen hin zu einem planbaren Betriebsszenario, in dem Netzwerkinfrastruktur, Rechenzugang und die dafür nötigen Komponenten kontinuierlich skalieren.
Konkret umfasst die Vereinbarung zunächst 11,6 Milliarden US-Dollar über sieben Jahre und lässt sich bei zusätzlichem Volumen um weitere 9 Milliarden US-Dollar auf rund 20 Milliarden US-Dollar aufstocken. Akamai beschreibt dabei ausdrücklich, dass die wachsenden CPU-Workloads von Anthropic über die eigene verteilte Infrastruktur und Software laufen sollen. Für viele KI-Setups ist diese Differenzierung wichtig: Während GPU-Kapazitäten häufig im Mittelpunkt stehen, benötigen Trainings- und Inferenz-Stacks auch massiv CPU-lastige Phasen – etwa für Vorverarbeitung, Routing, Serving-Logik, Datenzugriff und Teile der Orchestrierung. Genau an dieser Stelle kann ein Infrastrukturvertrag wie der vorliegende die operative Komplexität reduzieren.
Finanziell ergänzt wird das Paket durch einen Optionsschein für Anthropic. Dieser berechtigt zum Kauf wandelbarer, stimmrechtsloser Vorzugsaktien der Serie B; nach der Umwandlung entspräche das rund 7,7 Millionen Stammaktien oder bis zu 5 Prozent der ausstehenden Akamai-Aktien. Der Ausübungspreis liegt bei 111,33 US-Dollar pro Aktie. Der Mechanismus ist dabei nicht „alles sofort“: Rund 2 Prozent sollen im Zusammenhang mit der jetzt verkündeten Verpflichtung vesten, die restlichen 3 Prozent erst dann, wenn Anthropic den Vertrag um bis zu weitere 9 Milliarden US-Dollar erweitert.
Auch der Investitionspfad bleibt ein zentrales Thema. Akamai rechnet für die Investitionen im Rahmen der Vereinbarung mit rund 5,5 Milliarden US-Dollar an Investitionsausgaben (Capex). Für das laufende Geschäftsjahr soll die Umsatzprognose zwar unverändert bleiben, die Investitionsausgaben steigen jedoch um rund 1,7 Milliarden US-Dollar. Hintergrund ist laut Angaben insbesondere die Sicherung kritischer Lieferkettenkomponenten wie Speicher – ein Detail, das in KI-Projekten oft unterschätzt wird, weil sich Engpässe in der Praxis nicht nur auf Rechenleistung, sondern ebenso auf Speicher, Interconnect-Anbindung und damit zusammenhängende Lieferzeiten beziehen.
Der Markt reagiert schnell: Nach regulärem Handel an der NASDAQ beendete die Akamai-Aktie den Donnerstag bei 110,41 US-Dollar, nachdem sie zuvor um 6,78 Prozent gefallen war. Noch vor der eigentlichen Markteröffnung zeigte das Papier laut den Angaben nach Veröffentlichung der Meldung zeitweise einen Sprung von 21,35 Prozent auf 133,98 US-Dollar. An der Fundamentalseite knüpft sich zudem das Analystenbild: Bei 22 erfassten Einschätzungen liegt das durchschnittliche Kursziel bei 152,53 US-Dollar, 13 Häuser sehen „Kauf“, acht „Halten“ und eines „Verkaufen“. Für Anleger ist das deshalb nicht nur ein Stimmungsindikator, sondern ein Signal, dass die erwartete Skalierung der KI-Infrastruktur als belastbar angesehen wird.
Wichtig für die Einordnung der Vertragssumme ist allerdings der Blick auf die Kündigungsrechte: Die Vereinbarung räumt Anthropic Kündigungsoptionen ein, etwa bei erheblichen Ausfällen, Vertragsverstößen oder bestimmten Insolvenzfällen. Das bedeutet, dass die genannten Beträge nicht automatisch als gesicherter Umsatz in der vollen Höhe betrachtet werden können. Entscheidend werden damit die Quartalszahlen, in denen Akamai die daraus resultierenden Auslastungs- und Umsatzimpulse sichtbar machen muss. Gleichzeitig zeigt der Deal, wie stark KI-Entwicklung inzwischen in die Infrastruktur-Schichten „hinein verlängert“ wird: Wer KI-Inferenz und -Workflows im Betrieb zuverlässig bereitstellen will, braucht belastbare Kapazitätszusagen entlang der gesamten Kette – von Netzwerk und Software bis hin zu Speicher und Lieferfähigkeit.
Unternehmen, die selbst KI-Systeme betreiben oder daran angebunden sind, sollten aus dem Vorgang zwei praktische Leitmotive ableiten. Erstens: Infrastrukturverträge werden zunehmend zu strategischen Instrumenten, um KI-Workloads planbar zu skalieren, statt nur kurzfristig Kapazität einzukaufen. Zweitens: Die wirtschaftliche Bewertung hängt nicht allein am Top-Line-Volumen, sondern an Bedingungen wie Vesting-Logik, Investitionsplanung und an möglichen Kündigungsszenarien. Für die nächsten Schritte dürfte daher weniger die reine Schlagzeile zählen als die Frage, wie sauber sich Capex, Lieferkettenstabilität und tatsächliche Auslastung in den kommenden Berichtszeiträumen zusammenführen lassen.
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