SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – Eric Schmidt hält rund 1 Prozent an Anthropic und könnte beim geplanten Börsengang zu den größten Gewinnern zählen. Medienberichten zufolge wird die Bewertung für den Start zwischen 1,5 und 2 Billionen US-Dollar diskutiert. Je nachdem, wo die finale Spanne landet, bewegt sich Schmidts rechnerischer Gewinn zwischen mehreren Milliarden und einem deutlich höheren Szenario. Unklar bleibt vorerst, ob Schmidt seit seinem Einstieg bereits Anteile verkauft hat.

Der geplante Börsengang von Anthropic steht weniger wegen eines einzelnen Produkts im Fokus als wegen einer einzigen, hoch gehebelten Beteiligung: Eric Schmidt hält nach übereinstimmenden Angaben rund 1 Prozent am KI-Entwickler hinter Claude. In solchen Phasen entscheidet nicht nur die Story rund um das Modelltraining, sondern vor allem der Preis, den der Markt für den gesamten Unternehmenswert ansetzt. Genau hier gehen die Signale auseinander: Für den Börsenstart werden offenbar Bewertungen in einer Spanne von 1,5 bis 2 Billionen US-Dollar diskutiert, was die mögliche Wirkung von Schmidts Anteil stark vervielfacht.
Die Hebelwirkung lässt sich historisch gut nachvollziehen. Schmidt legte nach Angaben, die auf frühere Finanzierungsdaten verweisen, im Jahr 2021 mit einem zweistelligen Millionenbetrag einen Grundstein in der Series-A-Runde. Zu diesem Zeitpunkt lag die Bewertung nach veröffentlichten PitchBook-Daten bei 461 Millionen US-Dollar. Die Gegenüberstellung ist eindrücklich: Am oberen Ende der nun genannten Bewertungsspanne entspräche das dem mehr als 4.300-fachen dieser damaligen Größenordnung. Für Investoren und Portfoliomanager zeigt sich darin auch, wie schnell sich die Preislandschaft bei führenden KI-Unternehmen innerhalb weniger Jahre verschiebt.
Für Schmidts Privatvermögen hängt das Ergebnis dabei an zwei Variablen, die nicht vollständig gleichzeitig beantwortet sind. Erstens: Welche Bewertung wird für die Börse tatsächlich zugrunde gelegt? In einem Szenario würde Schmidts Beteiligung laut Medienrechnungen auf Nettoebene um rund ein Drittel auf knapp 80 Milliarden US-Dollar steigen. Selbst im Vergleich zu einer zuletzt genannten privaten Bewertung von 965 Milliarden US-Dollar würden rechnerisch noch einmal etwa 10 Milliarden US-Dollar zusätzlich in Frage kommen. Zweitens bleibt eine offene Frage: Es ist unklar, ob Schmidt seit dem Einstieg bereits Anteile abgestoßen hat. Genau diese Differenz zwischen theoretischem Anteil und realisiertem Bestand kann aus einem „Papierszenario“ im besten Fall einen realen Gewinn machen, oder ihn deutlich begrenzen.
Während die Bewertungsdebatte den Kapitalmarkt beschäftigt, zeigt der Kontext der Investmentstrategie, warum Schmidts Rolle in der Branche sichtbar bleibt. Seine Investmentvehikel, darunter TomorrowVentures, Innovation Endeavors und das Family Office Hillspire, setzten offenbar lange stark auf Konsumenteninternet und Software. In der Zwischenzeit investiert Schmidt jedoch zunehmend parallel in KI-Entwickler wie Mistral AI, Reflection AI und World Labs. Für die Marktmechanik ist das relevant: Solche Portfoliostrategien reduzieren zwar nicht automatisch das Risiko einzelner Assets, sie erhöhen aber die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest ein Teil der Wette am Markt „durchgezogen“ wird, sobald Liquidität über den Kapitalmarkt verfügbar ist.
Der Bewertungsunterschied zwischen den genannten Schätzungen lässt sich auch über operative Kennzahlen erklären, die im Vorfeld des Listings diskutiert werden. Medienberichte verweisen darauf, dass das nachlassende Wachstumstempo ein Grund für die vorsichtigere Preisgestaltung ist. Anthropic habe den Investoren zuletzt im dritten Quartal einen Umsatzanstieg um 45 Prozent zum Vorquartal auf 16,8 Milliarden US-Dollar genannt, während im zweiten Quartal das Wachstum noch stärker gewesen sein soll, als der Umsatz auf 11,6 Milliarden US-Dollar stieg. Als zweite Messlatte wird die Series-H-Runde vom Mai herangezogen: Dabei habe das Unternehmen 65 Milliarden US-Dollar eingesammelt, bei einer Bewertung von 965 Milliarden US-Dollar – nach 380 Milliarden US-Dollar in einer Finanzierungsrunde im Februar. Damit liegt selbst die von Reuters genannte Marke der Berichte (sofern sie sich an diesen Daten orientiert) rechnerisch noch über der zuletzt kommunizierten privaten Bewertung.
Konkreter wird es beim Zeitplan. Anthropic könnte die formelle Vermarktung seiner Aktien frühestens in der Woche ab dem 9. November beginnen, was einen Handelsstart noch vor dem US-Feiertag Thanksgiving plausibel macht. Spätestens zum Jahresende soll die Notierung erfolgen; auch das Volumen wird ambitioniert beschrieben. Medienangaben zufolge will Anthropic beim Börsengang die Größenordnung des Rekord-Listings von SpaceX vom Juni erreichen oder übertreffen, das mit 1,77 Billionen US-Dollar beziffert wurde. Ab dem Start der Vermarktung wird außerdem üblicherweise eine Preisspanne veröffentlicht. Genau dann wird sich zeigen, ob die Nachfrage eher an der vorsichtigeren Bewertung orientiert sein wird oder die optimistischere Spanne trägt – und damit, welche „Milliarden-Wette“ aus Schmidts Einstieg von 2021 tatsächlich real eingelöst wird.
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