LONDON (IT BOLTWISE) – Apple bewirbt die Apple Watch Series 12 und Ultra 4 mit besonders genauer Herzfrequenzmessung. In einem mehrtägigen Selbsttest wurde die Series 12 direkt gegen eine Garmin Forerunner 570 verglichen – jeweils mit einem Brustgurt als Referenz. Dabei zeigte sich vor allem: Die starke “Start-Latenz” früherer Apple-Generationen ist deutlich reduziert. Gleichzeitig bleiben Auffälligkeiten bei schnellen Lastwechseln und bei der Dichte der Messpunkte bestehen.

Apple setzt im Wearable-Markt immer wieder auf ein Versprechen, das auf den ersten Blick simpel klingt: Herzfrequenz “am besten” zu messen. Doch gerade bei optischen Sensoren auf der Handgelenksseite ist das technisch schwerer als bei vielen anderen Messgrößen. Die Messkette hängt von Hautkontakt, Bewegungsartefakten, Durchblutung, Umgebungslicht und dem Timing ab, mit dem das System auf Belastungssprünge reagiert. Genau hier setzt der aktuelle Praxisvergleich an: Der Autor hat die Apple Watch Series 12 im Alltag und während unterschiedlicher Workouts gegen eine Garmin Forerunner 570 getestet und dabei explizit einen elektrischen Brustgurt als Referenz herangezogen.
In den Rahmenbedingungen des Tests zeigt sich, warum die Ergebnisse für Technik-Interessierte trotzdem aufschlussreich sind: Die Messung erfolgte mit einem optischen Sensor auf dem Handgelenk, während der Brustgurt die “Referenzwerte” liefert. Die Geräte wurden gleichzeitig getragen, eine Uhr pro Handgelenk, positioniert nach Herstellerangaben. Als Einflussfaktoren wurden nicht nur die Passform berücksichtigt, sondern auch die Probensituation: Der Tester beschreibt relativ helle Haut ohne Tätowierungen und Handgelenke mit eher kleinerem Umfang; deshalb wurde konsequent die 42-mm-Ausführung der Modelle gewählt, während größere Größen für andere Nutzer verfügbar sind. Fit ist in solchen Setups keine Randnotiz, sondern kann die Signalqualität massiv verändern – ein lockerer Sitz produziert genau jene Lücken und Unschärfen, die im Verlauf sichtbar werden.
Apple begründet die Messverbesserung mit einer Überarbeitung des optischen Sensors. Konkret nennt der Text größere LEDs und eine engere Anordnung im Kreis, also eine Anpassung, die darauf abzielt, die Beleuchtung des Gewebes konsistenter zu machen und das SNR (Signal-to-Noise Ratio) zu verbessern. Apple stützt diese Behauptung zudem mit einer Studie, die zwar mehrere konkurrierende Geräte und verschiedene Aktivitäten abdeckt, aber in der Darstellung pro Gerätekombination und Workloaddauer im Kern stark verdichtet wird. Für den Praxisnutzen ist genau diese Verdichtung kritisch: Wenn man nicht sieht, wie ein Sensor in der zeitlichen Dynamik reagiert, bleibt offen, ob die Messung bei Peaks, bei schnellen Übergängen oder beim “Ramp-up” wirklich gleichwertig ist. Der Autor setzt daher auf zusätzliche eigene Datenpunkte und versucht, die Grenzen des Vergleichs transparent zu machen: Es ist ein informeller Test mit einer Person, die Messungen außerhalb von Workouts werden nicht erfasst, und Ergebnisse anderer Reviewer können abweichen.
Die Testtage sind vor allem deshalb interessant, weil nicht nur “statische” Cardio-Szenarien vorkommen, sondern auch Workouts mit schnellen Intensitätswechseln und griffbasierten Belastungen. Dazu zählen Tretmühlensprints, Trail-Runs, eine Ruder-Einheit sowie mehrere Kraftsessions. In diesen Phasen zeigen optische Sensoren typischerweise, wo ihre Schwächen liegen: Zu Beginn einer Belastungsphase kann das System kurz hinterherhinken, bei Peaks können Werte “verpasst” werden, und zwischen Intervallen drohen entweder Sprünge oder fehlende Datenpunkte. Im ersten Testsatz erkennt der Autor ein nahezu gleichwertiges Bild: Garmin zeigt gelegentlich einen kleinen Lag am Anfang des Intervalls, während die Apple Watch dieses Problem nicht zeigt, dafür aber manchmal die höchsten Werte kleiner Spitze-Impulse nicht vollständig abbildet. Das wird als Unentschieden eingeordnet.
Auf den Trail- und Tretmühlenläufen bleibt das Muster ähnlich, aber die Nuancen verschieben sich. Garmin soll häufiger den Start von Peaks verpassen, während die Apple Watch eher dazu neigt, einzelne Messpunkte gar nicht zu liefern, insbesondere zu Beginn einer Session. Diese Differenz ist wichtig, weil sie das “Wie genau?” auf zwei Ebenen trennt: Es geht nicht nur um Abweichungswerte, sondern auch um die Frage, ob überhaupt ein Messwert für den relevanten Zeitpunkt existiert. Besonders deutlich wird das in der Kraftsektion. Bei einer Ruder-Einheit berichtet der Autor, dass Garmin deutlich mehr Daten im zweiten Intervall verliert – fast die Hälfte bleibt laut Beschreibung aus. Apple dagegen über- bzw. unterschätzt in mehreren Stellen, und bei schnellen Übergängen zwischen Intervallen “fängt” sie nicht zuverlässig die unteren Werte ein. Insgesamt beschreibt der Tester die Kraftworkouts als problematisch für beide Systeme, wobei Garmin häufiger zu niedrige Werte liest, während Apple in Einzelfällen eher zu hoch geht und gleichzeitig insgesamt weniger Werte meldet.
Aus der Gesamtsicht zieht der Autor dann zwei zentrale Schlüsse. Erstens: Apple ist bei der dynamischen Herzfrequenzmessung weniger im Rückstand als frühere Generationen. Die Series 12 wird in den Tests deutlich genauer als die Series 10 oder 11 bewertet, vor allem, weil die Start-Latenz weniger stark ausfällt. Zweitens bleibt Garmin im “Best-Case” schwer zu schlagen. Der Autor sieht Garmin an den besten Tagen mit nahezu perfekten Verläufen, während er vergleichbare Spitzenkurven bei der Apple Watch nicht beobachtet hat – zumindest nicht in dieser Testwoche. Dabei nennt er konkrete Effekte: Apple hat gelegentlich Probleme beim Hochfahren auf korrekte Werte zu Beginn, überschätzt zeitweise, erreicht bei schnellen Intervallwechseln nicht die vollen Tiefwerte und liefert aus seiner Sicht zu spärliche Datenpunkte. Genau diese Sparsamkeit ist ein zweischneidiger Vorteil: Sie kann bedeuten, dass das System Messwerte nicht ausgibt, wenn es sich unsicher ist. Für das Nutzererlebnis heißt das aber auch: In den Diagrammen entstehen Lücken, die man als “Messungsausfall” wahrnimmt, obwohl es technisch möglicherweise ein Qualitätsfilter ist.
Damit landet der Vergleich bei einem pragmatischen Ergebnis statt bei einer eindeutigen Siegerstory. Der Autor hat am Ende Schwierigkeiten, Apple den pauschalen Titel “bestes Handgelenk-Tracking” zu geben, betont aber, dass die Series 12 insgesamt auf Augenhöhe mit Garmin liegt und als A-Tier einzuordnen ist. In der Argumentation schwingt außerdem ein systematischer Gedanke mit: Wenn man wirklich alle Wearables mit einbezieht, dann müsste man eigentlich auch Brustgurte als Referenzklasse betrachten, denn sie sind grundsätzlich näher an der elektrischen Messung und damit objektiv genauer als optische Sensorik. Für die Zielgruppe von Unternehmens- und Technikentscheidern ist das nicht nur ein Gadget-Vergleich: Die Messqualität entscheidet über die Verlässlichkeit von Trainings-Insights, über korrekte Zonen bei HR-basiertem Coaching und über die Interpretierbarkeit von Belastungsdaten in späteren Analysen. Genau deshalb lohnt der Blick auf die Messdynamik – Peaks, Ramp-up und Intervallwechsel sind im echten Betrieb oft wichtiger als der Durchschnitt über eine komplette Session.
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