LONDON (IT BOLTWISE) – Cathie Woods ARK-Fonds reduzieren in mehreren Depots ihre Positionen bei Robinhood und Teradyne und erhöhen stattdessen den Fokus auf KI-Infrastruktur, Rüstung sowie Raumfahrt. Parallel dazu trennt sich ARK im Biotech-Bereich von einzelnen Diagnostik- und Werkzeug-Anbietern und verstärkt den Schwerpunkt auf Therapeutika. Im Hintergrund verschiebt der Anleihemarkt die Bewertungslogik für Wachstumsaktien deutlich spürbar. Entscheidend für Anleger dürfte sein, wie stark sich die Zinsbelastung im kommenden Datentakt tatsächlich auf diese „Long-Duration“-Themen auswirkt.

ARK schaltet mitten im Zinsstress spürbar die Gewichte um: Die aktuellen Handelsbewegungen bündeln sich in drei Kaufsträngen, während ARK gleichzeitig Abgaben bei Positionen tätigt, die nicht mehr zur neuen Schwerpunktsetzung passen. Im Kern geht es um einen Wechsel von Robinhood- und Teradyne-Gewichten hin zu KI-Infrastruktur, Verteidigung und Raumfahrt – flankiert von einer Biotech-Strategie, die eher auf Therapeutika und KI-gestützte Wirkstoffforschung setzt als auf genomische Werkzeuge oder reine Diagnostik. Besonders auffällig ist, dass ARK die Anpassungen nicht als große Einzelumschichtung verkauft, sondern über mehrere Fonds hinweg in einer klar erkennbaren thematischen Logik verteilt.
Die KI-Komponente erhält dabei ein sehr konkretes Standbein: CoreWeave rückt in den Mittelpunkt. ARK baut die Position laut den veröffentlichten Transaktionsdaten seit Ende September schrittweise auf. Am 6. Oktober flossen über die Fonds ARKK und ARKW rund 8,5 Millionen US-Dollar in den Rechenzentrumsbetreiber; am 7. Oktober wurde nachgelegt. Im Technologiefokus ARKW entsprach der jüngste Kauf knapp 0,28 Prozent des Fondsvermögens. Außerdem setzte ARK bereits am 2. Oktober mit etwa 20 Millionen US-Dollar in Richtung Cerebras Systems ein deutliches Zeichen – und ergänzte das Tech-Paket am 7. Oktober zusätzlich mit Käufen in Höhe von etwa 8 Millionen US-Dollar bei Meta Platforms.
Während die KI-Seite vor allem auf die „Kostenbasis“ von KI zielt – also Rechenleistung, Infrastruktur und unterstützende Halbleiter-/Systemanbieter – streut ARK bei Verteidigung, Luft- und Raumfahrt breiter. Kratos Defense & Security Solutions steht mit Käufen von gut 9 Millionen US-Dollar im Fokus, daneben werden unter anderem AeroVironment, Intuitive Machines und Joby Aviation genannt. Beim Mondlandespezialisten Intuitive Machines lag der Zukauf im Raumfahrtfonds ARKX knapp bei 0,32 Prozent des Fondsvermögens; bei Archer Aviation fiel der Schritt bereits früher aus, als ARK über drei Fonds rund 12 Millionen US-Dollar investierte. Ergänzend taucht das Thema Automatisierung bzw. autonomes Fahren über mehrere Kandidaten auf, etwa WeRide, Pony AI, Kodiak AI sowie Aurora Innovation, die zeitlich versetzt hinzukam.
Im Biotech-Bereich ist die Veränderung weniger ein „Wachstum statt Abbau“, sondern eher eine Neujustierung der Art des Investments. ARK trennt sich von Anbietern genomischer Werkzeuge und Diagnostik: Twist Bioscience, 10x Genomics und CareDx wurden verkauft, CareDx sogar mehrfach (u. a. am 5. Oktober sowie erneut am 7. Oktober). Der Verkauf bei CareDx wog am 7. Oktober mit knapp 0,54 Prozent des Fondsvermögens stärker als jede andere ARK-Transaktion des Tages in diesem Segment. Auf der Kaufseite dominieren Therapeutika und KI-gestützte Wirkstoffforschung: Intellia Therapeutics wurde nahezu täglich aufgestockt, unter anderem mit gut 500.000 zusätzlichen Aktien am 2. Oktober. Recursion Pharmaceuticals tauchte in mehreren Kaufzeitpunkten im Depot auf, ergänzt um Nurix Therapeutics und Kymera Therapeutics. Eine bemerkenswerte Ausnahme bleibt Veracyte: Dort baut ARK seit Ende September stetig aus, unter anderem für rund 18,6 Millionen US-Dollar.
Dass die Bewegungen nicht automatisch als „große antizyklische Wette“ missverstanden werden sollten, zeigen die Größenordnungen. Viele Käufe bewegen sich jeweils nur im Bereich von 0,01 bis 0,3 Prozent des Fondsvermögens. Damit ist für die Anlegerlesart weniger die absolute Stückzahl entscheidend, sondern die Richtung: ARK konzentriert auf Themen, deren Wertlogik stark vom Zeithorizont abhängt. Beim Abbau wird das Bild dagegen konzentrierter: Bei Personalis, DraftKings und Teradyne lagen die Anteilskürzungen jeweils über 0,4 Prozent. Konkret verbuchte Teradyne den größten Einzelverkauf der Woche mit rund 27,4 Millionen US-Dollar am 6. Oktober; am 7. Oktober reduzierten ARKQ und ARKX erneut (im Fonds ARKQ entsprachen die Kürzungen gut 0,43 Prozent). Robinhood wurde am Dienstag für rund 7,2 Millionen US-Dollar verkauft und zur Wochenmitte erneut reduziert. Im Fintechfonds ARKF tauschte ARK schließlich DraftKings gegen Genius Sports – also Wettanbieter gegen Sportdatenlieferant – mit gut 0,52 beziehungsweise 0,45 Prozent des Fondsvermögens.
Für die Einordnung spielt der Makro-Teil eine zentrale Rolle: Steigende Renditen drücken vor allem den heutigen Wert künftiger Gewinne, weil Kapital künftig anders kalkuliert wird. Laut der Meldung, auf die sich der Text bezieht, kletterte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen im Handelsverlauf zeitweise auf 5,35 Prozent, nachdem sie zuvor auf den höchsten Stand seit 2002 gestiegen war. Eine spätere Auktion drückte die Renditen zwar wieder etwas, doch der grundlegende Mechanismus bleibt: „Long-Duration“-Wachstumstitel reagieren empfindlich auf Änderungen im Zinsumfeld. Hinzu kommt ein operativer Punkt für Anleger: ARK veröffentlicht Transaktionen erst nach Handelsschluss. Damit entscheidet sich die Trefferquote der Verschiebung – zumindest kurzfristig – stärker am Anleihemarkt und an den Zinsimpulsen bis zur nächsten Notenbank-Entscheidung am 28. Oktober als an der einzelnen Ordergröße. Für CIOs, Portfoliomanager und High-Conviction-Anleger heißt das: Nicht nur die Branchenstory („KI-Infrastruktur“, „Verteidigung“, „Therapeutika“), sondern auch die Abhängigkeit vom Diskontierungsfaktor muss in die Bewertung einfließen.
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