ZÜRICH / LONDON (IT BOLTWISE) – Die „Art Basel and UBS Survey of Global Collecting 2026“ zeichnet ein klares Bild: Junge Sammlerinnen und Sammler geben überproportional viel für bildende Kunst aus. Laut Studie recherchiert die Generation Z besonders intensiv selbst, nutzt Online-Quellen und greift zunehmend zu KI-gestützten Recherchetools. Gleichzeitig bleibt Privatsphäre für diese Altersgruppe ein zentraler Bestandteil ihrer Identität. Die Studie zeigt zudem, dass Herkunft, Provenienz und Seltenheit eher zum Kauf motivieren als der Status über den Preis.

Art Basel und UBS: Generation Z kauft mehr Kunst und bleibt privat
Art Basel und UBS: Generation Z kauft mehr Kunst und bleibt privat (Foto: IT BOLTWISE)
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Die „Art Basel and UBS Survey of Global Collecting 2026“ koppelt den Kunstmarkt nicht nur an ästhetische Trends, sondern an messbare Verhaltensmuster von vermögenden Privatpersonen. Im Zentrum steht die Frage, wie sich Prioritäten und Kaufentscheidungen verändern, wenn neue Generationen in den Sammelalltag hineinwachsen. Die Studie basiert auf 3.100 Antworten aus zehn Kunstmärkten – von den USA und Großbritannien bis hin zum chinesischen Festland, Hongkong, Frankreich, Australien, Deutschland, Japan, Brasilien und Singapur. Damit liefert sie eine breite Momentaufnahme, die weniger auf den „Show-Effekt“ des Marktes fokussiert als auf die Logik dahinter, wie Sammlungen aufgebaut und gepflegt werden.

Technisch und methodisch ist der spannende Punkt weniger die Katalogisierung von Werken, sondern die Beschreibung von Entscheidungswegen. Über alle Generationen hinweg berichten 72 % der Befragten, sie hätten vor einem Kauf intensiv oder in erheblichem Umfang selbst recherchiert. Für die Generation Z steigt dieser Wert sogar auf 80 %. Genau hier kommt digitale Unterstützung ins Spiel: Mehr als die Hälfte nutzt Online-Quellen für Informationen, Empfehlungen und Beratung. Parallel dazu nimmt die Nutzung von Apps und KI-basierten Recherchewerkzeugen weiter zu und hat sich innerhalb von zwei Jahren deutlich erhöht. Für Unternehmen, die im Umfeld von Wealth Management, Beratung oder Plattformen arbeiten, bedeutet das: Der Weg zur Kaufentscheidung wird stärker datengetrieben, weniger ausschließlich kuratorisch und zunehmend „assistiert“.

Die Studie legt außerdem offen, dass Status im Sammlerkontext anders funktioniert, als man es aus klassischen Marktmechanismen ableiten würde. Einzigartigkeit und Seltenheit stehen generationenübergreifend mit 43 % an erster Stelle der Motive. Anerkennung durch Expertinnen und Experten oder das Ansehen innerhalb von Sammlerkreisen werden demgegenüber seltener genannt. Zugleich wird Status nicht automatisch durch den Preis signalisiert, sondern entsteht durch Faktoren wie Provenienz, Originalität und die Entdeckung von Kunstwerken. Interessant ist dabei der Befund zur Exklusivität: Eine eingeschränkte Zugänglichkeit schmälert die Signalwirkung einer Sammlung laut Studie nicht; sie kann sie sogar verstärken. Damit verschiebt sich die Logik von „öffentlicher Sichtbarkeit“ hin zu kuratierter Zugangssteuerung.

Gerade dieser Perspektivwechsel spiegelt sich stark in der Haltung zur Privatsphäre wider. Die Studie berichtet, dass die jüngsten Sammlerinnen und Sammler sowohl offline als auch online die privatesten sind. Angehörige der Generation Z teilen Informationen über ihre Sammlungen am seltensten öffentlich im Internet und bevorzugen geschlossene, nur auf Einladung zugängliche Räume. Privatsphäre sei für sie ein zentraler Bestandteil persönlicher und kultureller Identität. Für die Marktkommunikation heißt das: Sichtbarkeit ist nicht automatisch Reichweite, und Reichweite ist nicht automatisch Vertrauen. Wer die Zielgruppe erreichen will, muss häufiger über die Qualität von Gesprächsformaten, die Verlässlichkeit von Beratung und die Gestaltung von Zugangsmechanismen nachdenken – nicht nur über die Verteilung von Content.

Auf der Finanz- und Ausgabenseite wird die Rolle der Generation Z besonders deutlich. Für das Jahr 2025 und das erste Halbjahr 2026 gab die Generation Z mehr für bildende Kunst aus als jede andere untersuchte Altersgruppe; die Ausgaben lagen dabei mehr als doppelt so hoch wie die älterer Generationen. Zudem stellte die Studie 2026 nahezu die Hälfte aller Käuferinnen und Käufer von Kunstwerken im Wert von mehr als einer Million US-Dollar. Auffällig ist auch, wie stark Familie als Einstieg wirkt: 28 % der Befragten nennen ihr familiäres Umfeld als wichtigsten Einstiegspunkt, bei der Generation Z liegt dieser Anteil bei 40 %. Fast 90 % der geerbten Kunstwerke bleiben in den Sammlungen der Nachkommen – eine Konstellation, die Wealth-Prozesse, Vermögensnachfolge und Kunstnarrative eng miteinander verknüpft.

Auch die Kategorien der Sammelleidenschaft wirken zunächst vertraut, entwickeln aber zugleich Breite. Bildende Kunst bleibt zwar die wichtigste Ausgabenkategorie, doch viele Sammlerinnen und Sammler investieren verstärkt in weitere Sammelobjekte. Die Studie beschreibt zudem, dass die Generation Z und die Babyboomer die breitesten Sammelinteressen aufweisen und besonders häufig mehrere Sammelkategorien gleichzeitig abdecken. Ergänzend dazu werden Weitergabe und gesellschaftliches Engagement als wiederkehrendes Motiv sichtbar: Fast ein Viertel der Befragten plant in den kommenden zwölf Monaten Schenkungen an Museen. Viele wollen außerdem Künstlerpreise, Stiftungen, Residenzprogramme oder private Museen unterstützen. Für Stiftungs- und Familienorganisationsstrukturen ist das relevant, weil sich hier kulturelle Absichten unmittelbar in langfristige Eigentums- und Vergabestrategien übersetzen lassen.

Aus industriepolitischer Sicht liefert die Kombination aus hohem Rechercheanteil, steigender KI-Nutzung und gleichzeitig ausgeprägter Privatsphäre eine klare Botschaft an den Markt. Die jüngeren Gruppen entscheiden nicht weniger rational, sondern anders: Sie greifen häufiger auf digitale Quellen zurück, nutzen KI-gestützte Recherchewerkzeuge und binden ihr Sammeln stärker in persönliche Netzwerke ein. Zugleich bleibt die Kommunikation sensibel, weil viele Informationen nicht öffentlich geteilt werden sollen. Für Beratungs- und Dienstleistungsanbieter heißt das, Angebote so zu designen, dass sie sowohl bei Datenzugriff und Recherche helfen als auch diskrete Austauschformate unterstützen. Der Vermögens- und Kunsttransfer, den UBS als globalen Trend seit Jahren begleitet, wird in der Studie damit nicht nur thematisch, sondern in konkreten Verhaltensindikatoren sichtbar – und die nächsten Ausgaben solcher Erhebungen dürften besonders spannend werden, wenn sich digitale Tools weiter verfeinern und die Eigentümerlogik noch stärker generationenübergreifend vernetzt.


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