NÜRNBERG / LONDON (IT BOLTWISE) – Vom 9. bis 11. Oktober öffnen in Nürnberg und Erlangen zahlreiche Galerien sowie Kunstinstitutionen kostenlos ihre Türen. Besucherinnen und Besucher können sich auf ein breites Programm von Malerei und Fotografie bis zu Street Art, Animation und Performance freuen. Der Auftakt startet am Freitag, 9. Oktober, ab 18 Uhr im Heimatministerium in der Bankgasse 9. Besonders im Fokus stehen mehrere neue Ausstellungen mit unterschiedlichen Blickwinkeln auf Wirklichkeit, Erinnerung und Orientierung.

Wenn ein Wochenende nicht nur zum Anschauen, sondern zum bewussten Neu-Positionieren in der Stadt einlädt, lohnt sich oft ein Blick in die Details der Programmlinien. Beim Art Weekend Nürnberg öffnen Galerien und Kunstinstitutionen in Nürnberg und Erlangen vom 9. bis 11. Oktober kostenlos. Die Idee dahinter ist unkompliziert: Kunst soll sich nicht als „extra“ anfühlen, sondern als Teil des Alltagsweges. Entsprechend reicht das Spektrum laut Programm von Malerei und Fotografie über Skulptur und Street Art bis hin zu Animation und Performance.
Der offizielle Start fällt dabei auf den Freitag, 9. Oktober: Ab 18 Uhr beginnt der Auftakt im Heimatministerium, Bankgasse 9 in Nürnberg. Danach schalten viele der teilnehmenden Häuser in den Ausstellungs- und Veranstaltungsmodus und sorgen dafür, dass sich das Programm nicht in einem einzigen Gebäude erschöpft. Am Samstag sind die Türen zwischen 11 und 18 Uhr geöffnet, vereinzelt auch darüber hinaus. Am Sonntag erweitert sich der Spielraum noch einmal etwas weniger stark, hier ist die Entdeckung zwischen 11 und 16 Uhr vorgesehen.
Inhaltlich setzt das Wochenende auf unterschiedliche Strategien, wie Kunst Wirklichkeit spürbar macht. Die GALERIE VON&VON bringt beispielsweise in „OMNIPRESENT“ Architekturfotografien von Christian Höhn und die präzise Malerei von Ben Johnson zusammen. Im Mittelpunkt stehen dabei Perspektive, Raum sowie das Wechselspiel zwischen Realitätsbezug und Vorstellungskraft. Ergänzend gibt es am Freitagabend von 19 bis 22 Uhr „Bar and Talks“, wodurch die Ausstellung nicht nur als Objekt, sondern auch als Gesprächsanlass funktioniert.
Auch die Ausstellungsideen in weiteren Häusern ziehen die Besuchenden aus gewohnten Sehgewohnheiten heraus. In der Galerie Voigt zeigt „German Urban Pop Art II“ die Vielseitigkeit von Thomas Baumgärtel, der als „Bananensprayer“ bekannt ist. In der Beschreibung tauchen dabei mehrere Arbeitsweisen auf: Schablonen, Spraykunst, Collagen und Übermalungen. Genau diese Mischung aus Bildsprache und Materialität macht deutlich, wie Street-Art-Ästhetik in einem Galeriekontext neu gerahmt werden kann – nicht als reines „Gegenstück“, sondern als eigene Form von Bildproduktion und Komposition. Zusätzlich wird mit einer Straßen-Aktion auf einem XXL-Banner auf die Rolle von Baumgärtel verwiesen, in der auch die Verbindung von Kunst und öffentlicher Sichtbarkeit sichtbar wird.
Spannend wird es zudem dort, wo Ausstellungen mit Symbolik und Material arbeiten, statt nur Motive nebeneinander zu stellen. In der KREISGalerie treffen in „UNDER THE SKIN“ Werke des finnischen Malers Mika Vesalahti und der deutschen Künstlerin Susanne Stiegeler aufeinander. Die Programmbeschreibung nennt Objekte aus Knochen und Gold, dazu pastose Malerei. Das Arrangement beschäftigt sich laut Text mit Vergänglichkeit, Erinnerung und dem, was unter der sichtbaren Oberfläche liegt. Damit verschiebt sich der Fokus bei vielen Besucherwegen: Nicht nur das, was ins Auge springt, steht im Zentrum, sondern auch das, was sich dem ersten Blick entzieht.
Daneben legt das Wochenende den Schwerpunkt auf Verunsicherung und Orientierung – allerdings auf sehr unterschiedlichen Wegen. Im GALERIEHAUS NORD untersucht „FIGHT.FLIGHT.FREEZE.“ von Matthias Ströckel, wie Bedeutung und Orientierung entstehen. Landkarten, Sprache, wissenschaftliche Modelle und alltägliche Gegenstände werden dabei durch künstlerische Eingriffe verändert, wodurch vertraute Ordnungssysteme neu lesbar werden. Im Krakauer Haus wiederum treffen Perspektiven zweier Kunsthochschulen aufeinander: Animationsfilme von Studierenden und Absolventen der Kunstakademien Krakau und Nürnberg erzählen persönliche Geschichten, experimentieren mit Bildern und setzen auf spielerische Formen. Am Samstag, 10. Oktober, ab 18 Uhr folgt außerdem eine Vernissage mit der Performance „LAYER OF ECHOES“ von JAEHEE & LYNN – ein Termin, der das Programm klar in Richtung „Kunst als Ereignis“ erweitert.
Wer Kunst nicht nur betrachtet, sondern aktiv in den Austausch gehen möchte, findet dafür im 83 | Raum für Kunst eine konkrete Gelegenheit: Am Samstag und Sonntag gibt es jeweils um 14 Uhr kostenfreie Führungen durch „Meisterklasse Lüppertz & Gäste“, bei denen die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler vor Ort dabei sind. Weitere Stationen setzen wiederum auf spezifische Medien: Die Bode Galerie zeigt „Stop Motion“ mit Werken von Helge Leiberg, in denen Linie und Farbe sowie Bewegungen sichtbar werden. Die Galerie Jacobsa widmet Michael Mathias Prechtl zum 100. Geburtstag eine Gedächtnisausstellung mit Aquarellen, Zeichnungen, Lithografien sowie Entwürfen für Illustrationen und Plakate. Bei LeonArt treffen in „TRASH SPLASH“ die Positionen von Isabell Heusinger und Petra Krischke aufeinander; das verbindende Thema Wasser wird dabei mit einem kritisch-ironischen Blick auf Sehnsüchte und Obsessionen verbunden. Ein solch dichtes Nebeneinander verschiedener Formsprachen erklärt, warum gerade ein kostenloser Rahmen für viele Besucher die Hemmschwelle senkt: Man kann schneller zwischen Stilen wechseln, ohne den Ausflug an eine einzige Schwerpunkt-Ausstellung zu „koppeln“.
Für die Praxis bedeutet das: Wer mit klarer Route plant, sollte weniger nach dem „Top-Event“ greifen, sondern nach Kontrasten zwischen den Häusern. Das Programm ist gerade deshalb stark, weil Malerei, Animation und Performance nicht als getrennte Welten wirken, sondern als unterschiedliche Zugänge zum gleichen Kernmotiv – dem Perspektivwechsel. Wenn Galerien, Institutionen und Stadtwege drei Tage lang miteinander verknüpft werden, entsteht genau die Art von Experimentierfläche, die man sonst oft nur mit zusätzlichen Ticket-Terminen bezahlt. Wer sich jetzt entscheidet, hat außerdem einen realen Vorteil: Die Programmeinbindung in einen konkreten Zeitrahmen von Freitagabend bis Sonntagmittag macht spontane Anpassungen leichter, statt den Besuch an starre Tagespläne zu binden.
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