HERZLIYA / LONDON (IT BOLTWISE) – Der israelische Startup SafeFields treibt die aktive Kompensation elektromagnetischer Strahlung in Fahrzeugen voran. Im Mai sicherte sich das Unternehmen mit dem Zulieferer Veoneer eine strategische Vereinbarung zur Fertigung und Vermarktung der Technologie. Parallel arbeitet SafeFields an Prototypen mit einem europäischen Automobilhersteller, dessen Fahrzeugstart für 2029 geplant ist. In Israel wird der Ruf nach Transparenz über Strahlenwerte politisch lauter, während die Technologie gleichzeitig in Richtung Serienreife gedrängt wird.

SafeFields will Autos mit aktiver Strahlungs-Kompensation massentauglich machen
SafeFields will Autos mit aktiver Strahlungs-Kompensation massentauglich machen (Foto: IT BOLTWISE)
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In der Debatte um elektromagnetische Emissionen in Fahrzeugen verschiebt sich gerade der Fokus: Statt nur über Risikoannahmen zu streiten, rückt eine konkrete technische Gegenmaßnahme in den Mittelpunkt. Das israelische Startup SafeFields, gegründet 2021 in Herzliya, will dafür eine Art „aktive Rauschunterdrückung“ für Strahlung etablieren. Der Ansatz zielt nicht auf klassische Abschirmung mit schweren Metalllagen, sondern auf eine aktive Kompensation des Feldes im Innenraum. Damit kann das Thema von einem politischen Streitfeld zu einem Engineering-Problem werden, das sich in Entwicklungszyklen, Testreihen und späteren Stücklisten abbilden lässt.

SafeFields berichtet über zwei parallele Hebel für den Markteintritt: die Arbeit mit Automobilherstellern im engeren Entwicklungsmodus und ein Vertriebsweg über einen Tier-1-Zulieferer. Im Mai schloss das Unternehmen laut den vorliegenden Angaben eine strategische Vereinbarung mit Veoneer, einem global tätigen Elektronik- und Automotive-Sicherheitszulieferer. Veoneer soll die SafeFields-Systeme fertigen und vermarkten; eingebaut werden sollen sie in den Fahrzeugen des genannten europäischen Herstellers ab 2029. Gleichzeitig läuft eine Entwicklungskooperation mit einem europäischen Automobilkonzern, bei der SafeFields Prototypen bereitstellt und Tests kurz bevorstehen. Die Identität des europäischen Herstellers bleibt dabei bewusst vertraulich, was im Kontext der Aussage zur Zurückhaltung europäischer Unternehmen gegenüber sichtbar werdenden Verbindungen zu israelischen Firmen verständlich ist.

Technisch beschreibt SafeFields die Hauptquelle der Emissionen in modernen Fahrzeugen weniger im Sinne „der Batterie“, sondern im Kabelbaum: dicke Leitungen, die den Wechselstrom zwischen Batterie, Wechselrichter (Inverter) und E-Motor transportieren. Je länger und stärker dimensioniert diese Verbindungen ausgeführt sind, desto größer soll die resultierende Strahlung werden. Besonders relevant wird das in Hybriden und Plug-in-Hybriden, weil die Leitungen typischerweise über den Fahrzeuginnenraum verteilt zwischen Front und Heck verlaufen. Zudem steigt der Pegel laut Beschreibung in Phasen wie Beschleunigung und Bremsen, also genau in Situationen, in denen Fahrzeuge hohe Leistungssprünge verarbeiten. Das Unternehmen kontrastiert damit die traditionelle Abschirmungsstrategie: Kabel werden in strahlungsabsorbierende Materialien und oft auch in schwere, teure Metallabschirmungen gehüllt, was jedoch Zusatzgewicht bedeutet, die Reichweite beeinflussen kann und den Energieverbrauch erhöht.

Als Kernmechanismus setzt SafeFields auf aktive magnetische Feldkompensation. Das Prinzip wird mit Noise-Canceling-Kopfhörern verglichen: Ein System erzeugt ein Gegenfeld, das dem vorhandenen Feld um 180 Grad phasenverschoben gegenübersteht. Ziel ist eine starke Reduktion der Strahlung im Innenraum, SafeFields nennt dabei Werte von 90% bis 95% weniger Emissionen. Praktisch arbeitet das System mit Strahlungssensoren an mehreren Punkten im Fahrzeug und entlang des zentralen Kabelstrangs. Diese Sensorwerte fließen in eine elektronische Steuereinheit, die das Gegenfeld innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde anpasst und damit der sich ständig ändernden elektromagnetischen Lage des Fahrzeugs folgt. In einer solchen Regelung ist entscheidend, dass das System nicht „einmalig“ kompensiert, sondern dynamisch auf Lastwechsel reagiert, weil sich Frequenzen und Feldstärken beim Fahrbetrieb kontinuierlich verändern.

Politisch und gesellschaftlich ist das jedoch nur die eine Seite. In Israel hat sich die Debatte um Strahlung in Fahrzeugen bereits in der Knesset-Wirtschaftsausschuss-Sitzung im Januar konkretisiert. Nach den vorliegenden Angaben kam es dort zu einer Auseinandersetzung zwischen Positionen, die vor potenziellen gesundheitlichen Risiken warnen, und solchen, die Entwarnung geben. Der Ausschuss hat als Ergebnis eine Prüfung durch das Verkehrsministerium angestoßen – gemeinsam mit Umwelt- und Gesundheitsministerium – um eine Transparenz der Strahlenwerte für Verbraucher zu erreichen. Zusätzlich haben Gesetzesinitiatoren ein eigenes Vorhaben eingebracht: Dort geht es um die Pflicht zur Offenlegung von Strahlenwerten in Werbung und beim Händler. Unter dem beschriebenen Gesetzentwurf soll das Gesundheitsministerium Strahlenkategorien bewerten, und jede Anzeige für ein neues Fahrzeug müsste diese Bewertung anzeigen. Der entscheidende Punkt: Das ist in der Quelle als „vorgeschlagen“ und damit als nicht abgeschlossen dargestellt, wodurch sich für Unternehmen und Technikplaner vor allem die Frage stellt, wann und wie stark solche Transparenzanforderungen konkret werden. SafeFields baut genau auf dieser Schnittstelle aus öffentlichem Interesse und regulatorischer Vorwirkung: Eine klare Kennzeichnung könnte den Wettbewerb um messbar niedrigere Werte intensivieren.

Dass der Markt nicht „auf Zuruf“ reagiert, zeigt auch die Geschäftsstrategie des Startups. Direktverkäufe an Automobilhersteller sind laut Beschreibung wegen hoher Markteintrittshürden und langer Freigabeprozesse für ein Startup schwer und zeitaufwendig. Deshalb setzt SafeFields auf den indirekten Weg über einen Tier-1-Partner wie Veoneer, weil dieser eine etablierte Pipeline zu Herstellern bildet. Gleichzeitig sondiert das Unternehmen weitere Tier-1-Kooperationen und berichtet über laufende Gespräche mit zusätzlichen Automobilherstellern, darunter auch in China. Parallel verfolgt SafeFields einen zweiten Track im Aftermarket: In Israel vertreibt das Startup bereits ein System, das nachträglich eingebaut werden kann. In der Quelle wird ein Preis von 2.900 Schekel (rund 950 US-Dollar) genannt, was im unteren Preissegment möglicherweise bremsen kann, im Premiumbereich aber eher akzeptiert werde. Für die Skalierung sind Aftermarket-Lösungen strategisch interessant, weil sie Entwicklungszyklen im Neuwagenbau umgehen und frühe Umsätze liefern können; das Unternehmen nennt hierfür steigende monatliche Erlöse, einschließlich einer Größenordnung von 100.000 US-Dollar pro Monat.

Finanziell bewegt sich SafeFields ebenfalls in einem Wachstumsrahmen: Bislang nennt die Quelle eine Gesamtfinanzierung von 12 Millionen US-Dollar, verteilt auf Investoren aus Automotive, High-Tech und Energie. Dazu gehören unter anderem private Beteiligungen von SolarEdge-Gründern sowie Investitionen über relevante Import- und Beteiligungsstrukturen. Aktuell bereitet SafeFields eine weitere Finanzierungsrunde vor, die auf eine internationale Expansion des Aftermarket-Geschäfts in Europa und den USA zielt sowie den Ausbau der Engineering-Teams für die massenhafte Produktion mit Veoneer unterstützen soll. Ein weiterer Schritt geht über den Fahrzeugbereich hinaus: SafeFields plant für das kommende Jahr eine neue Geschäftssparte und startet laut den Angaben Pilotprojekte in Zusammenarbeit mit Israel Electric Corp. sowie Afcon. Dabei soll die Eignung der aktiven Kompensation für Transformatorräume und Hauptverteilungen in Wohn- und Bürogebäuden geprüft werden, wobei der Engineering-Umstand in solchen Installationen als einfacher beschrieben wird, weil es dort weniger strikte Größen- oder Gewichtsbeschränkungen gibt.

Für die Tech- und Produktverantwortlichen in der Automobilindustrie liegt die eigentliche Spannung in der Kombination aus Regulatorik, Messbarkeit und Umsetzbarkeit. Wenn Transparenzpflichten tatsächlich kommen sollten, könnten Systeme wie das von SafeFields vom „nice-to-have“ zum Differenzierungsfaktor werden – ähnlich, wie Sicherheitsfeatures im Laufe der Zeit vom Sonderausstattungsstatus zum Standard wanderten. Gleichzeitig bleibt die wissenschaftliche Debatte über gesundheitliche Auswirkungen niederfrequenter Strahlung laut Quelle nicht abschließend geklärt, weshalb die Kommunikation mit Kunden und die Methodik der Messungen besonders wichtig sind. Das Unternehmen positioniert sich in diesem Umfeld bewusst: Oded Einat sagt wörtlich, „We have almost no competitors worldwide, and we are years ahead of any potential rivals“. Unabhängig davon, ob sich diese Einschätzung bestätigt, zeigt die Roadmap mit Veoneer und der geplanten Integration ab 2029, dass hier ein Anbieter versucht, aus einem gesellschaftlichen Thema eine technologische Produktkette zu machen.


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