LONDON (IT BOLTWISE) – Arthur Hayes erwartet, dass Bitcoin bis Ende 2026 auf 125.000 US-Dollar steigt. Seine Kernthese lautet: Wenn wieder mehr Liquidität in das Finanzsystem zurückfließt, profitieren riskante Assets wie BTC überproportional. Entscheidend sind dabei nicht nur Makrodaten, sondern konkrete politische und marktseitige Treiber wie ein mögliches CLARITY-Gesetz, anhaltende Spot-ETF-Zuflüsse und ob der Kurs eine wichtige Trendzone hält.

Bitcoin handelt aktuell wieder oberhalb der 80.000-US-Dollar-Marke und markiert damit einen wichtigen psychologischen und charttechnischen Bereich, den viele Marktteilnehmer nach der vorangegangenen Konsolidierung aufmerksam beobachten. Genau in diesem Umfeld hat Arthur Hayes, Mitgründer von BitMEX und CIO von Maelstrom, seine Erwartung erneuert: Bis Dezember soll die Aktie des Kryptomarkts im Extremfall 125.000 US-Dollar erreichen. Hayes verknüpft die Prognose nicht primär mit reinem Technik- oder On-Chain-Buzz, sondern mit einem Makro-Motiv: Liquidität müsse zurück in das System fließen, sodass institutionelle und globale Risikoallokationen erneut anziehen. Für Anleger und Unternehmen ist daran vor allem interessant, wie stark regulative Entscheidungen und Kapitalströme die realen Preisbewegungen überlagern.
Hayes‘ Argumentation startet mit dem, was er als „ruhige Kreditverknappung“ im ersten Quartal beschreibt: Viele Tech- und Dienstleistungsunternehmen hätten in der Breite auf KI-gestützte Agenten gesetzt und dabei Stellen abgebaut. In der Folge schwächten sich Einkommen, und damit sinke die verfügbare Kreditnachfrage beziehungsweise die Borrowing-Power, die typischerweise den Geldfluss in Konsum und Märkte stützt. In diesem Umfeld, so die Logik, leidet die Risikoneigung: Wenn Finanzierung schwerer wird, bleibt Kapital häufiger in defensiveren Klassen oder wird gar nicht erst investiert. Dass Bitcoin in seinem Szenario im Quartal spürbar verliert, passt damit als Spiegelbild eines risk-off Regimes in ein makrogetriebenes Bild.
Für das zweite Quartal sieht Hayes jedoch eine Verschiebung. Er verweist auf steigende US-Verteidigungsausgaben im Kontext der aktuellen geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und leitet daraus zusätzlichen Finanzierungsbedarf ab, der wiederum Liquidität und Risikoappetit anfeuern könne. Ergänzend kommt aus seiner Sicht ein Wechsel bei der Geldpolitik hinzu: Er erwartet keine schnelle geldpolitische Straffung unter dem kommenden Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh. Selbst wenn die Fed ihre Bilanz verkleinern würde, könnten Banken laut Hayes weiter Geld bewegen – etwa über US-Treasurys, Reserven sowie Repurchase Agreements (Repos). Hier zeigt sich der entscheidende Unterschied zu vielen vereinfachten Krypto-Erzählungen: Nicht „die Fed“ als Schlagwort, sondern konkrete Kanäle im Geld- und Bankensystem entscheiden darüber, ob Liquidität praktisch verfügbar bleibt.
Technisch betrachtet steckt in Hayes‘ Ansatz eine Art „Transmission-Mapping“ zwischen Makroebene und Marktmechanik. Der von ihm genannte Effekt lockerer Bankreserven würde – als Annahme – mehr Spielraum für Kreditvergabe schaffen. Auf dieser Grundlage skizziert er eine Größenordnung von rund 1,3 Billionen US-Dollar neuer Kredite, die sich in Summe zu deutlich mehr zusätzlichem Kreditwachstum in der Realwirtschaft entwickeln könnten. Mehr Kredite bedeuten in der Regel mehr Risikoaufnahme, und riskante Assets erhalten wieder eine höhere Gewichtung in Portfolios. Für Bitcoin ist das relevant, weil der Markt häufig als Vehikel für Liquiditäts- und Erwartungsumschichtungen dient: Wenn Kapital verfügbar ist, kann es auch schneller in neue oder bestehende Positionen wechseln. Das macht die Prognose weniger zu einer einzelnen „Preisformel“ und mehr zu einem Szenario, das stark von Kreditzyklen abhängt.
Neben dem Liquiditätsargument führt Hayes drei konkrete Katalysatoren an, die den Weg bis zu 125.000 US-Dollar beschleunigen oder verlangsamen können. Der erste ist politischer Natur: der CLARITY Act. Würde er passieren, könnte er Krypto-Assets stärker als Teil des US-Finanzsystems definieren und damit die Tür für mehr ETF-Produkte, Corporate-Treasuries sowie Bankverwahrung (Custody) öffnen. In der Praxis wirkt so eine Klarstellung wie ein Risikoabbau-Mechanismus für Institutionen: Compliance wird planbarer, Produkte werden leichter skalierbar, und Custody-Friktionen sinken. Im Marktumfeld wird berichtet, dass die Beratung in einem frühen Zeitfenster der Frühlingsmonate an Bedeutung gewinnt, und genau diese Timings könnten in die Kursentwicklung hineinwirken.
Der zweite Katalysator sind Spot-ETF-Zuflüsse. Laut den im Umfeld genannten Daten hätten US-Spot-Bitcoin-ETFs im März und April positive Zuflüsse in Milliardenhöhe verzeichnet, und bereits in den ersten Tagen im Mai sollen die Zuflüsse erneut hoch gewesen sein. Der Markt liest solche Zahlen typischerweise als institutionellen Nachfrage-„Proof“: Während Privatanleger oft eher zyklisch reagieren, können ETF-Flüsse länger anhaltend wirken, sofern Produkte weiterhin Zuflüsse anziehen. Hayes‘ Schwelle liegt dabei nicht bei einer einzigen Zahl, sondern bei einem Verlauf: Wenn die Zuflüsse über einen längeren Zeitraum robust bleiben, könnten Preisniveaus oberhalb von 90.000 US-Dollar wahrscheinlicher werden. Bremsen dagegen Outflows oder stagnierende Zuflüsse ein, verschiebt sich der Zeithorizont – von einem schnellen „Breakthrough“ hin zu einem verlängerten Aufbauprozess.
Der dritte Punkt ist chart- und strukturorientiert: die Frage, ob Bitcoin die sogenannte Bull-Market-Support-Zone hält. Hayes verweist auf eine Zone, die durch zwei langfristige gleitende Durchschnitte definiert wird – in seinem Beispiel um rund 79.000 US-Dollar. Entscheidend ist weniger, dass gleitende Durchschnitte „magisch“ sind, sondern dass sie in der Praxis als Referenz für systematische Strategien, Risikobudgets und Momentum-Setups dienen. Wenn der Kurs diese Zone nach einem Rücklauf verteidigt, steigt die Wahrscheinlichkeit für Trendfortsetzung; wenn nicht, kann sich ein Rally-Muster schnell in eine neue Konsolidierungsphase drehen. Historisch ist in vergleichbaren Phasen beobachtet worden, dass Rückkehr über solche Zonen größere, mehrmonatige Bewegungen auslösen kann – allerdings mit der typischen Einschränkung, dass Liquidität und Kapitalströme die Geschwindigkeit bestimmen.
Für die Realitätsprüfung seiner 125.000-US-Dollar-Erwartung kombiniert Hayes daher drei Bedingungen: anhaltend starke Liquidität bis in den vierten Quartal 2026, stabile ETF-Zuflüsse sowie Kursstabilität über der Support-Zone. In einem solchen Szenario wäre der Weg über 100.000 US-Dollar eine Art Zwischenstation, die sich aus institutionellem Demand und Risikoappetit ableiten lässt, bevor das höhere Zielband erreicht wird. Bleiben jedoch einzelne Faktoren aus – etwa wenn politische Klarheit verzögert wird oder ETF-Nachfrage abkühlt –, könnte die Rally „stall“ zeigen und sich in das nächste Jahr verlängern. Für Unternehmen und Entwickler ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: Krypto-Use-Cases sollten nicht nur in Tech-Stacks gedacht werden, sondern auch in Finanzmarkt-Szenarien, in denen Regulierung, Custody und Kapitalströme als zentrale Betriebsparameter wirken. Und auch aus Compliance- und Security-Sicht wird das Thema greifbar: Je stärker Bitcoin als „Institutional Vehicle“ wahrgenommen wird, desto relevanter werden sichere Verwahrprozesse, saubere Datenflüsse und belastbare Audits rund um On-Chain-Expositionen.
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