SINGAPUR / LONDON (IT BOLTWISE) – Arthur Hayes warnt auf der Gamma Prime Investing Conference vor überdimensionierten Investitionen in KI-Rechenzentren. Der frühere BitMEX-Chef erwartet, dass Rechenleistung dadurch bis Ende 2027 oder 2028 extrem günstig und im Überfluss verfügbar wird. Seine Konsequenz: Statt auf klassische KI-Software setzt er mit dem Kryptoprojekt „Flop“ auf einen Spotmarkt für KI-Agenten-Inferenz. Als Profiteur sieht er dabei vor allem Bitcoin und andere Kryptowährungen.

Arthur Hayes warnt vor KI-Überinvestitionen: „Flop“ setzt auf billige Rechenleistung
Arthur Hayes warnt vor KI-Überinvestitionen: „Flop“ setzt auf billige Rechenleistung (Foto: IT BOLTWISE)
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Arthur Hayes liefert mit seiner Warnung vor KI-Überinvestitionen weniger eine technische Kritik als eine Erwartungskurve für den Markt: Wenn Rechenzentren in großem Stil gebaut werden, entsteht zunächst ein Angebotsschock, und der trifft am Ende weniger die Chip- und Softwarelieferanten, sondern vor allem die Preissignale, die sich aus Kapazitätsverfügbarkeiten ableiten lassen. In Singapur argumentierte Hayes auf der Gamma Prime Investing Conference, dass die Menschheit „Billionen US-Dollar“ für den Bau von KI-Rechenzentren verschwendet. Seine Kernhypothese lautet, dass nach jeder Investitions- und Kapazitätswelle eine Phase folgt, in der Rechenleistung sehr billig und in großer Menge verfügbar wird.

Hayes knüpft dabei an ein wiederkehrendes Muster an, das er aus früheren Technologiesprüngen ableitet: Auf die Übertreibung folgt Überkapazität, dann kommt der Crash, anschließend werden Rettungsmechanismen ausgelöst. Für das Verständnis ist wichtig, dass er „Rettung“ nicht als moralischen Appell meint, sondern als Marktlogik: In der Übergangsphase geraten Preise unter Druck, Kapital wird neu verteilt, und wer diese Sequenz antizipiert, kann von den späteren Anpassungen profitieren. Genau dort verortet er auch seinen Anlagefokus. Hayes sagte wörtlich: „Glücklicherweise haben wir Bitcoin und andere Kryptowährungen, die diese überschüssige Liquidität auffangen können, und daher wissen wir, welche Anlage sich am besten entwickeln wird, wenn die Rettungsmaßnahmen kommen“ – und ergänzte: „Man muss einfach nur Geduld haben.“

Technisch betrachtet verschiebt sich mit seiner These der Fokus weg von der Frage, ob große KI-Modelle „funktionieren“, hin zur Frage, wie die Kosten pro Inferenz und die Auslastung von Hardware langfristig in der Preisbildung ankommen. Hayes setzt die Druckstelle bei den Abnehmern der Rechenleistung an: Zu den Endkunden, die Nachfrage treiben, zählte er SpaceX, OpenAI und Anthropic. Aus seiner Sicht verdienen diese Unternehmen derzeit nicht genug, um die Finanzierung neuer Kapazitäten dauerhaft zu tragen. Die Logik dahinter ist simpel: Sobald die Rechenzentren fertig sind, verlangen Infrastrukturbetreiber Zahlungen für die zugesagte Leistung. Hayes formulierte als mögliches Zeitfenster Ende 2027 oder 2028, also genau dann, wenn ein erheblicher Teil der neuen Kapazitäten verfügbar wird.

Damit wird die Diskussion für Anleger primär eine Bewertungsfrage. Selbst wenn man Hayes’ Angebotsannahme teilt, folgt daraus nicht automatisch, dass „die Gewinner“ der Aufrüstung scheitern. Hayes schränkt ein, dass es auch ein Bullenszenario geben könne, in dem KI innerhalb von zwölf Monaten „so nützlich“ wird, dass die Nachfrage nach Rechenleistung stark genug steigt, um KI-Unternehmen wieder in die Gewinnzone zu drücken. Interessant ist außerdem, dass er nicht nur kritisiert, sondern bereits heute einzelne Gewinner ausmacht: Er nannte Speicherchiphersteller sowie NVIDIA als Zulieferer, die Geld verdienen. Für Investoren sei dann die zentrale Frage, welchen Kurs sie für die später erwarteten Gewinne zahlen – und ob fallende Kurse oder sogar Short-Positionen in KI-nahe Werte angesichts der potenziellen Überkapazität überhaupt „eine wirklich gute Investitionsmöglichkeit“ darstellen.

Hayes’ eigenes Gegenmodell heißt „Flop“ und soll laut seiner Planung im ersten Quartal 2027 starten. Das Kryptoprojekt will ein Zahlungsnetz für KI-Agenten bereitstellen, das die direkte Kopplung von Nutzung und Token-Ökonomie ermöglichen soll. Der Mechanismus ist dabei auf eine Situation zugeschnitten, in der Rechenleistung deutlich günstiger wird: Geplant ist ein Spotmarkt für Rechenleistung, bei dem Teilnehmer für bereitgestellte Grafikprozessoren und ausgeführte KI-Inferenz mit Flop-Token belohnt werden. Hayes formulierte die Wette knapp so: Wenn Agenten eine Währung direkt in Rechenleistung „tauschen“ können – also in das, was sie verbrauchen –, dann würden sie diese Währung auch nutzen. Genau diese Kopplung adressiert weniger die Vision vom „Agenten“ als vielmehr die Knappheit bzw. Nicht-Knappheit von Rechenkapazität im Betrieb.

Für die Umsetzung ergeben sich daraus zwei Risiken, die Hayes selbst in der Argumentation anklingen lässt. Erstens hängt die Zeitachse an der Frage, wann Überkapazität sichtbar wird. Bis dahin könnte der Ausbau weiterlaufen; außerdem könnte das von ihm erwähnte Bullenszenario – KI steigt in der Praxis stärker durch als erwartet – die Annahme eines Crashs entschärfen. Zweitens ist Hayes mit „Flop“ persönlich involviert: Das Projekt profitiert unmittelbar davon, dass Rechenleistung billiger wird, während ein Token für einen noch nicht gestarteten Markt naturgemäß spekulativ bleibt. Ob sich seine Rechnung tatsächlich erfüllt, dürfte sich nach seinem Zeitplan spätestens Ende 2027 oder 2028 zeigen, wenn ein großer Teil der neuen Rechenzentrumskapazität abgeschlossen ist und die KI-Firmen für die zugesagte Leistung zahlen müssen.


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