LONDON (IT BOLTWISE) – ASML erhöht die Umsatzprognose für 2026 auf 43 bis 45 Milliarden Euro, angetrieben von der Nachfrage nach Chips für Künstliche Intelligenz. Im zweiten Quartal steigt der Umsatz um 21,2 Prozent auf 9,33 Milliarden Euro. Parallel eskaliert der politische Druck, weil US-Handelsminister Howard Lutnick Vorwürfe wegen Lieferungen hochmoderner Lithografie-Technik nach China erhebt. Für Anleger bleibt damit ein zweigeteiltes Bild aus starken Zahlen und weiterhin hoher Börsenvolatilität.

ASML setzt an der Schnittstelle aus operativem Wachstum und geopolitischem Risiko an: Während der niederländische Lithografie-Spezialist seine Jahresprognose für 2026 im laufenden Jahr bereits zum zweiten Mal nach oben zieht, bleibt die Lage rund um Exportbeschränkungen gegenüber China politisch aufgeheizt. Maßgeblich ist die anhaltend hohe Nachfrage nach fortgeschrittener Chipfertigung für Künstliche Intelligenz; sie wirkt sich nicht nur auf Bestellungen aus, sondern schlägt auch direkt in die Finanzkennzahlen durch. Gleichzeitig zeigt der Markt, dass die Nachrichtenlage längst nicht mehr allein über Technologiezyklen bewertet wird, sondern stark über den Grad an Liefer- und Servicefähigkeit in einem geteilten Handelsraum.
Operativ liefert ASML dafür die Grundlage: Im zweiten Quartal steigerte das Unternehmen den Umsatz um 21,2 Prozent auf 9,33 Milliarden Euro. Auch der Gewinn pro Aktie legte spürbar zu, und zwar von 5,90 auf 7,58 Euro. Aus dieser Basis heraus hob ASML die Jahresprognose auf 43 bis 45 Milliarden Euro Umsatz an. Als Auftragstreiber wird dabei unter anderem Intel Foundry genannt, das als Kunde für die neueste High-NA-EUV-Generation gilt. Ergänzend liefern Auftragsfertiger weiteren Rückenwind: Aus den gemeldeten Zahlen zu TSMC ergibt sich ein Umsatzplus von 68 Prozent im Juni gegenüber dem Vorjahr, was als Signal für weiterlaufende Investitionen in Fertigungskapazität gewertet wird. Dass selbst diese Stärke von Analysten begleitet wird, die zugleich vor den Risiken durch Exportbeschränkungen warnen, macht die Kernspannung deutlich: Die Nachfrage nach Technologie ist da, doch die politische Zulässigkeit ihrer Verfügbarkeit bleibt fragil.
An der Börse schlägt diese Mischung aus Fortschritt und Unsicherheit zunächst sogar positiv durch. Im US-Handel sprang die Aktie am Dienstag um 4,2 Prozent auf 1.711,89 Dollar, nachdem der Kurs zuvor bei 1.642,52 Dollar geschlossen hatte. Damit setzte sich die Erholung fort, die den zuvor heftigen Ausverkauf im Juli nur teilweise ausgleicht: Laut einer Marktanalyse hatte ASML im vergangenen Monat rund 18 Prozent an Wert eingebüßt. Auch im deutschen Handel zeigt sich die Nervosität: Die Aktie notiert am Mittwoch bei 1.467,00 Euro und gibt um 1,09 Prozent nach. Über 30 Tage steht damit ein Rückgang von 8,11 Prozent zu Buche. Der Philadelphia-Halbleiterindex SOX war im Juli um mehr als 20 Prozent eingebrochen, und zusätzlich wirkten starke Mittelzuflüsse in Chip-ETFs (in der Größenordnung von rund sechs Milliarden Dollar) als widersprüchlicher Turbo für die kurzfristige Preisbildung. Das Ergebnis ist ein Kursbild, in dem Schwankungsbreiten bei ASML und Wettbewerbern weiterhin hoch bleiben – ein Hinweis darauf, dass Anleger das China- und Exportthema parallel zu den Quartalszahlen fortschreiben.
Der politische Konflikt fokussiert sich auf den Vorwurf, ASML habe hochentwickelte EUV-Belichtungstechnik nach China geliefert. Vorwürfe von Howard Lutnick zufolge soll ASML eine seiner hochmodernen EUV-Belichtungsmaschinen nach China geliefert haben; dem Kontext nach betrifft das ein Gerät, dessen Export seit den US-Kontrollen aus Trumps erster Amtszeit verboten sei. ASML-Chef Christophe Fouquet weist diese Vorwürfe zurück und verweist auf eine interne „Firewall“, die ein Reverse-Engineering der Technik verhindern soll, sowie auf einen technologischen Vorsprung, der mehrere Jahrzehnte umfassen soll. Parallel dazu investieren die USA dem Artikel zufolge in einen Konkurrenten namens xLight, und der Kongress prüft ein Gesetz, das auch Verkauf und Wartung älterer DUV-Anlagen in China unterbinden soll. Interessant ist zudem, dass ASML nach eigenen Angaben mehr als 1.500 Mitarbeiter in China beschäftigt, was den engen Alltag mit dem chinesischen Markt betont – selbst wenn die Auslieferung bestimmter Systeme reguliert ist. Technisch betrachtet verschiebt sich damit die Frage von „Lieferung neuer Maschinen“ hin zu „wie zuverlässig bleibt der Lebenszyklusbetrieb“: Wartung, Upgrades, Ersatzteile und Qualifizierung werden für Kunden oft genauso wichtig wie die Erstinstallation.
Während diese Sicherheits- und Handelsaspekte das Risiko im Vordergrund halten, wächst auf der anderen Seite der Druck durch chinesische Eigenentwicklung. Ein staatlich gestütztes Unternehmen aus Shanghai habe Berichten zufolge mit der Kleinserienproduktion von Immersions-DUV-Anlagen begonnen und wolle 2026 rund fünf Systeme sowie 2027 etwa 20 Systeme an Abnehmer wie SMIC oder CXMT liefern. Die Zielrichtung sind 28-Nanometer-Chips; dennoch sehen Experten die technologische Lücke zu ASML als erheblich an. Der Grund liegt weniger im bloßen Vorhandensein einer DUV-Option, sondern in der Prozesslogik: Mehrfachbelichtung bei DUV erfordert mehr Prozessschritte und führt zu höheren Kosten als EUV. Auch testen Samsung und SK Hynix seit rund zwei Jahren chinesische Ätzanlagen des Herstellers AMEC als Absicherung gegen mögliche weitere US-Exportkontrollen. Das wird im Kern als vorsorgliche Diversifizierung beschrieben – also weniger als unmittelbarer Bruch mit westlicher Ausrüstung, sondern als Aufbau von Resilienz gegen künftige Restriktionen.
Für die Investorenperspektive bleibt deshalb ein zweigeteiltes Bild: Einerseits stützen die operativen Kennzahlen und die erneut angehobene Prognose die These, dass die Nachfrage nach modernster Fertigungskapazität trotz politischer Reibung weiterläuft. Andererseits wird die Bewertung durch die politischen Rahmenbedingungen belastet, was sich auch in den Analystenreaktionen widerspiegelt. Der Konsens liegt laut Darstellung bei „Moderate Buy“ mit einem Kursziel von rund 1.970 Dollar; zugleich kritisieren einige Beobachter die Bewertung anhand des Kurs-Gewinn-Verhältnisses von etwa 53, das deutlich über dem Fünfjahresschnitt von rund 39 liegt. Zusätzlich zahlte ASML am Mittwoch die im Juli beschlossene Dividende von 2,1507 US-Dollar pro Aktie aus. In Summe heißt das: Die Technologie- und Geschäftsseite wirkt stark genug, um Prognosen anzuheben, doch die Marktpreise bleiben empfindlich gegenüber jeder Verschärfung oder Klarstellung bei Exporten und Betriebsgenehmigungen. Genau diese Kombination dürfte die Kursentwicklung kurzfristig weiter volatil halten.
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