CAPE CANAVERAL / LONDON (IT BOLTWISE) – AST SpaceMobile und Rocket Lab liefern sich vor den Earnings ein enges Duell, bei dem sowohl Technikfortschritt als auch Bewertungsfantasie aufeinanderprallen. ASTS arbeitet an der BlueBird-Konstellation und peilt für das nächste Quartal stark steigende Umsätze an, während der operative Verlust voraussichtlich schrumpft. Rocket Lab startet mit deutlich höheren Umsatz-Erwartungen und größeren Verlusten, aber die Preisziele der Analysten sehen bei RKLB einen größeren Aufwärtsspielraum. Entscheidend wird, wie stark die Unternehmen ihre jeweiligen Entwicklungs- und Serienpläne im nächsten Quartal in belastbare Ergebnisse übersetzen.

AST SpaceMobile vs Rocket Lab: Wer hat vor den Earnings mehr Potenzial?
AST SpaceMobile vs Rocket Lab: Wer hat vor den Earnings mehr Potenzial? (Foto: IT BOLTWISE)
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Vor den anstehenden Quartalszahlen werden AST SpaceMobile (ASTS) und Rocket Lab (RKLB) von vielen Beobachtern als zwei sehr unterschiedliche Wetten auf das Wachstum im Weltraumsegment eingeordnet. Beide Titel profitieren zwar von einer verbesserten Stimmung im Retail-Handel, doch die kurzfristigen Kennzahlen wirken wie eine Momentaufnahme: RKLB hat in der laufenden Woche knapp vorn gelegen, mit rund 17% Kursplus gegenüber etwa 15% bei ASTS. Gleichzeitig treffen am selben „earnings Monday“ zwei technische Erzählungen aufeinander – bei ASTS der Aufbau einer LEO-Kommunikationsinfrastruktur, bei RKLB die Skalierung von Start- und Nutzlastgeschäft. Damit wird die Frage nach dem „Upside“ zwangsläufig zu einer Frage nach Umsetzungstempo, nicht nur nach Vision.

Technisch betrachtet setzt ASTS auf die BlueBird-Satelliten der zweiten Generation, die für direktes Mobilfunk-„Direkt-zu-Gerät“-Potenzial in niedrigen Erdumlaufbahnen stehen. Laut Bericht startete das Unternehmen am Mittwoch die Satelliten BlueBird 11, 12 und 13 von Cape Canaveral; sie tragen große Kommunikationsarrays und sollen Übertragungsgeschwindigkeiten ermöglichen, die sich der Größenordnung nach an den Peaks der ersten Generation orientieren – mit dem Anspruch, nahezu doppelt so hohe Spitzenwerte zu erreichen. Für den nächsten Schritt werden BlueBird 14 bis 16 vorbereitet, parallel läuft die Produktion bis mindestens Satellit 42 weiter. Ergänzend wird die Netzwerk-„Integration“ vorangetrieben: ASTS erweitert Integrationstests über acht europäische Länder und arbeitet dabei mit einem Carriernetz aus namentlich genannten Partnern zusammen. Entscheidend ist dabei das carrier-first Prinzip, das darauf abzielt, dass Betreiber ihre Kundenschnittstelle behalten, während die Abdeckung über Satelliten ergänzt wird.

Bei Rocket Lab ist das technische Bild stärker „Launch- und Mission-getrieben“. Das Unternehmen schloss die 92. Electron-Mission ab und geht damit in die Earnings mit einem Auftrags- und Ausblicksprofil, das sich aus wiederkehrenden Missionen und staatlichen Verträgen speist. Besonders sichtbar ist der Kontext der letzten Versuche: Für iQPS in Japan wurde ein ursprünglicher Start am 1. Juli 1 offenbar wenige Momente vor dem Liftoff automatisch abgebrochen, bevor die Mission dann erfolgreich umgesetzt wurde. Der erfolgreiche Abschluss markierte dem Bericht zufolge die 13. Electron-Startmission des Jahres 2026 und die achte iQPS-Auslieferung, jeweils mit 100% Mission Success. Gleichzeitig sind bereits weitere zehn dedizierte Starts bis 2030 eingeplant, was die Planungssicherheit für den Frequenzteil des Geschäfts stützen soll. Dazu kommt ein Space-Force-orientiertes Programm: RKLB geht mit einem Space-Force-Award von 397 Millionen US-Dollar in die Ergebnisse, um Satelliten zu bauen, zu starten und zu betreiben, die flugnahe Bedrohungen tracken.

Im Marktvergleich zeigt sich die Spannweite der Erwartungen sehr deutlich – und zwar weniger in den Umsatzhöhen als in den Gewinn-/Verlustpfaden, die Analysten für das nächste Quartal zeichnen. Für ASTS wird eine deutliche Umsatzsteigerung erwartet: Koyfin-gestützte Prognosen sehen einen Sprung von 133% gegenüber dem Vorquartal auf 34,4 Millionen US-Dollar; der bereinigte Verlust soll von 0,66 US-Dollar auf 0,23 US-Dollar je Aktie zurückgehen. Allerdings wird zugleich erwartet, dass der Verlust vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (EBITDA-ähnlich) auf 72,83 Millionen US-Dollar steigt – also trotz operativer Entlastung im Kern weiterhin „Cash-Burn“ in der Wachstumsphase zeigt. RKLB dagegen startet mit einer deutlich größeren Basis: Der Quartalsumsatz soll um 15% auf 230,94 Millionen US-Dollar steigen; der bereinigte Verlust wird zwar von 0,02 auf 0,05 US-Dollar je Aktie prognostiziert, aber auch hier steigt der EBITDA-Verlust auf rund 22,12 Millionen US-Dollar. In der Summe wirkt das wie zwei verschiedene Risikoprofile – ASTS stärker wachstumsorientiert, RKLB stärker skaliert, aber weiterhin profitabilitätsfern.

Die Bewertungsseite spiegelt das in den Preiszielen wider: ASTS erhält im Durchschnitt ein 12-Monats-Ziel von 80,48 US-Dollar, was nach der angegebenen Rechnung etwa 19% Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Kurs impliziert. Gleichzeitig wird die Analystenmeinung als gemischt beschrieben: „Buy“ bei einer Konsenslage von 13 Analysten, aber sieben halten die Position, und zwei geben bärische Ratings. RKLB dagegen wird mit einem Durchschnittsziel von 111,31 US-Dollar deutlich höher bewertet; daraus ergibt sich ein angenommener Upside von 47% gegenüber dem letzten Kurs. Auch die Konsensstruktur fällt „cleaner“ aus: Für RKLB liegt dem Bericht zufolge „Strong Buy“ bei 18 Analysten vor, davon 14 mit positiven Ratings und vier mit „Hold“, ohne „Sell“-Empfehlungen. Für die Anlegerlogik heißt das: Selbst wenn RKLB kurzfristig stärker Verlustmomente zeigt, ist das Kapitalmarktbild offenbar bereit, die nächsten Meilensteine in einen höheren Wahrscheinlichkeitskorridor zu übersetzen.

Dass die „Retail“-Komponente trotzdem nicht nur Beiwerk ist, zeigen die beschriebenen Bewegungen bei Watcher-Zahlen und Message-Volumen. Die Stimmung zu beiden Aktien soll von „neutral“ auf „bullish“ gestiegen sein, wobei ASTS ein „high“ Message-Volumen gezogen habe, während RKLB eher normales Chat-Aufkommen verzeichnet. Auffällig ist jedoch der messbare Unterschied im Netzwerk: RKLB verzeichnete laut Bericht in den vergangenen drei Monaten ein Wachstum der Watcher-Basis um 16% und über das vergangene Jahr um 56%. ASTS steigt im Vergleich zwar ebenfalls, aber langsamer – 12% über drei Monate und 47% über ein Jahr. Auch über 2026 hinaus zeigt sich RKLB vorne: 72% Kursplus über das vergangene Jahr bei RKLB gegenüber 8% bei ASTS, wobei ASTS zwar über zwölf Monate um 30% zulegt, im laufenden Jahr aber rund 7% wieder abgibt. Für das „Earnings-Event“ bedeutet das: Wenn die fundamental getriebenen Projektionen nicht bestätigt werden, könnten Retail-Strömungen schnell drehen; umgekehrt können positive Guidance oder nachvollziehbare Produktions-/Testfortschritte bei ASTS oder RKLB die vorhandene Erwartungsspanne kurzfristig „re-rating“-fähig machen.

Für Unternehmen und Entwicklerteams liest sich das nächste Quartal als eine Art Synchronisationstest zwischen Technologieentwicklung und belastbarer Ergebnisberichterstattung. Bei ASTS liegt der Fokus auf der Fähigkeit, BlueBird-Iteration, Integrationstests und die angekündigte Skalierung hin zu Beta-Services timinggenau zu verbinden – insbesondere wenn Umsätze stärker wachsen sollen als die mit dem Setup verbundenen Verlustgrößen. RKLB wiederum wird daran gemessen, ob die Kombination aus höherer Startfrequenz, Missionserfolg und staatlich getriebenen Programmen die Erwartungen an Umsatzwachstum und Verlustentwicklung einlösen kann. Für Anleger ist das Upside damit weniger eine Frage von „welcher Sektor gewinnt“, sondern welche Roadmap die Marktteilnehmer als am wahrscheinlichsten in sichtbare Ergebnisse überführt sehen. Genau diese Kante dürfte an dem „earnings Monday“-Moment sichtbar werden.


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