EMDEN / LONDON (IT BOLTWISE) – VW erprobt im Projekt AutoLog automatisierte Fahrzeugbewegungen im Emder Außenhafen unter realen Logistikbedingungen. Auf dem Testfeld wurden Sensoren aufgebaut, die ein digitales Abbild der Fläche erzeugen, während eine Steuerungssoftware die Fahrbewegungen koordiniert. Für die Kommunikation zwischen System und Fahrzeugen nutzt das Projekt das öffentliche 5G-Netz. Ziel ist es, den Umschlag in Autoterminals künftig flexibler und sicherer zu machen.

Im Projekt AutoLog verlagert Volkswagen einen wichtigen Teil der KI-basierten Automatisierung aus dem Testlabor direkt auf ein Autoterminal: Im Emder Außenhafen soll gezeigt werden, wie sich Fahrzeugbewegungen auch im anspruchsvollen Mischverkehr organisieren lassen. Der Ansatz zielt nicht nur auf „smarte“ Fahrmanöver, sondern auf einen insgesamt flüssigeren Umschlagprozess zwischen Parkflächen, Fahrwegen und Knotenpunkten wie dem Kreisverkehr. Dass VW dafür ein eigenes Testfeld aufbaut, ist in der Logistikbranche ein klares Signal: Automatisierung wird erst dann verlässlich, wenn sie mit realen Abläufen und realen Störungen funktioniert.
Technisch steht dabei weniger die einzelne autonome Fahrfunktion im Vordergrund, sondern die Kombination aus Umfeldwahrnehmung und koordinierter Steuerung. Auf dem Terminalgelände wurden Sensoren installiert, die ein digitales Abbild der Testfläche erzeugen. Diese digitale Repräsentation dient als Grundlage, um Bewegungen der Fahrzeuge über eine Steuerungssoftware zu koordinieren. Hinzu kommt der Kommunikationspfad: Für den Datenaustausch zwischen dem System und den Fahrzeugen nutzt VW laut Projektbeschreibung das öffentliche 5G-Netz. Damit rückt ein typischer Engpass der Praxis in den Fokus, nämlich die Frage, wie robust sich Automatisierung im Tagesbetrieb an verbindungsbasierte Kommunikation koppeln lässt.
Die Logistikdimension ist dabei die eigentliche Rechtfertigung für den Aufwand. Volkswagen verschifft nach früheren Angaben jährlich rund 2,4 Millionen Fahrzeuge über mehr als 40 Häfen; Emden gilt in diesem Netzwerk als größter Hafen. Für 2025 nennt Autoport Emden GmbH allein für Emden fast 1,2 Millionen umgeschlagene Fahrzeuge des VW-Konzerns. Auch im Branchenvergleich ist der Standort relevant: Nach Bremerhaven ist Emden demnach der zweitgrößte Autoverladenhafen in Deutschland. Gerade weil hier viele Fahrzeugströme auf engem Raum zusammenkommen, lassen sich in der Erprobung nicht nur idealisierte Fahrwege testen, sondern auch Konstellationen, in denen sich Abläufe zeitlich überlagern.
In AutoLog geht es außerdem darum, Voraussetzungen für automatisierte Abläufe an den Infrastrukturen von Autoterminals zu definieren. Eine zentrale Fragestellung lautet: Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit sich automatisierte Sequenzen in bestehende Prozesse integrieren lassen? Dazu gehören laut Projektkontext auch Umgebungen, in denen weiterhin manuell gesteuerte Fahrzeuge fahren oder Fußgängerbewegungen stattfinden. Für Unternehmen im Umfeld der Hafen- und Terminallogistik bedeutet das: Automatisierung ist hier nicht „entweder komplett oder gar nicht“, sondern eine schrittweise Kopplung an reale Betriebsregeln, Sicherheitszonen und Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine.
Die Zusammenarbeit ist bewusst breit aufgestellt. Laut Angaben arbeitet Volkswagen im Projekt AutoLog mit dem Bremer Institut für Produktion und Logistik (BIMA) an der Universität Bremen, mit der Deutschen Telekom sowie mit dem Softwarespezialisten Unikie. Fördermittel kommen vom Bundesverkehrsministerium, was die strategische Ausrichtung unterstreicht: Es soll nicht nur eine Demonstration entstehen, sondern ein Systemwissen, das sich später auf weitere Logistikstandorte übertragen lässt. Am Ende steht laut Volkswagen eine Nutzenaussage: Die Erkenntnisse sollen dabei helfen, Fahrzeugbewegungen künftig „intelligenter“ zu automatisieren und Logistikprozesse weiterzuentwickeln.
Am Standort Emden endet nach Unternehmensangaben die Erprobungsphase des Forschungsprojekts. Parallel treibt VW die Tests an anderen Stellen im Konzern voran: Am Audi-Standort in Ingolstadt wird demnach das automatisierte Verladen von Fahrzeugen auf Eisenbahnwaggons erprobt. Das ist inhaltlich konsistent, weil sowohl Hafenumschlag als auch Bahnverladung Teile derselben Fahrzeug-Logistikkette abbilden, nur mit unterschiedlicher Infrastruktur und anderen Restriktionen. Für die Marktseite ist entscheidend, dass sich aus solchen Pilotphasen wiederkehrende Muster ableiten lassen: Wie schnell lassen sich Sensorik, digitale Karten der Umgebung und Kommunikationswege in neue Umgebungen portieren, und wo müssen Prozessabläufe angepasst werden?
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