LONDON (IT BOLTWISE) – AXT hat im zweiten Quartal 2026 einen Rekordumsatz von 47,6 Millionen US-Dollar gemeldet, getragen von Indiumphosphid-Wafern für KI-Rechenzentren. Der Zulieferer schließt dafür weitreichende Lieferverträge mit Coherent und Casella ab und plant Kapazitätsausbau bis 2031. Parallel bereitet das Unternehmen den Börsengang seiner Tochter Beijing Tongmei an der Hong Kong Stock Exchange vor. Am Kapitalmarkt sorgten dennoch Gewinnmitnahmen nach der Rally für deutliche Tagesverluste.

AXT setzt seine Wette auf spezialisierte Halbleitermaterialien für den KI-Ausbau konsequent um – und die Zahlen zeigen, wie stark die Optik- und Laser-Kette inzwischen in die Wertschöpfung greift. Im zweiten Quartal 2026 meldete das Unternehmen einen Rekordumsatz von 47,6 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Plus von 164 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Treiber ist dabei nicht ein „allgemeines“ Wachstum der Nachfrage, sondern ein sehr konkretes Bauteil: Indiumphosphid-Wafer (InP), die für die Lasertechnik in KI-Rechenzentren benötigt werden und die zentrale Vorstufe für optische Komponenten darstellen.
Damit rückt auch der strategische Charakter der Produktmix-Entscheidung in den Fokus. Die Erlöse aus dem Segment mit InP-Wafern erreichten 30,7 Millionen US-Dollar und machten damit inzwischen fast zwei Drittel des Gesamtumsatzes aus. Noch im Vorjahr steuerte dieses Segment lediglich 3,6 Millionen US-Dollar bei – die Steigerung ist damit nicht nur prozentual, sondern auch in der Bedeutung für die Bilanz deutlich. Für Betreiber und Systemintegratoren in der Datenkommunikation ist das vor allem deshalb relevant, weil die Lieferfähigkeit von Wafern und die darauf aufbauende Prozesskette häufig den Engpass für optische Transceiver und die zugehörigen Laserbausteine bestimmt.
Um genau diesen Engpass langfristig abzusichern, hat AXT nach Angaben aus dem Bericht weitreichende Lieferverträge geschlossen. Insgesamt sollen Vorauszahlungen in Höhe von 47,7 Millionen US-Dollar fließen, aufgeteilt auf Coherent aus den USA und Casella aus China. Die Verträge sichern Kapazitätsreservierungen bis zum Jahr 2031. Zusätzlich beschreibt AXT einen ambitionierten Produktionsausbau: Die Fertigungskapazitäten für Indiumphosphid sollen bis zum Jahresende auf rund 60 Millionen US-Dollar pro Quartal erweitert werden. Bis Ende 2027 peilt das Unternehmen dann etwa 130 Millionen US-Dollar an – also mehr als eine Verdopplung im Vergleich zum Ausbauziel am Jahresende. Operativ bedeutet das vor allem, dass die Material- und Fertigungsvorlaufzeiten früher abgefedert werden, statt später mit kurzfristigen Preis- und Verfügbarkeitsrisiken in den Markt zu gehen.
Der Marktkontext spielt dabei ebenfalls hinein. Laut einem Bericht, der sich auf Ermittlungen der US-Regierung bezieht, wird derzeit über Importbeschränkungen für optische Transceiver aus China nachgedacht. Sollte sich daraus ein engerer Zugang zu bestimmten Lieferketten ergeben, könnte das die Position heimischer Anbieter in der optischen Netzwerktechnik stärken. Für AXT ist das insofern anschlussfähig, als das Unternehmen nicht nur fertige Systembauteile liefert, sondern mit InP-Wafern eine vorgelagerte Komponente bereitstellt, die für mehrere Generationen optischer Übertragungstechniken gebraucht wird. Gerade in Phasen, in denen politische Rahmenbedingungen Beschaffungspläne beeinflussen, verschieben sich Zahlungsbereitschaft, Vorlaufplanung und Produktionssteuerung oft schneller als neue Produktqualifizierungen.
Auch auf Unternehmens- und Kapitalmarkt-Ebene treibt AXT die Struktur weiter. Das Unternehmen verfolgt derzeit einen Kurswechsel bei der geplanten Börsennotierung seiner Tochter Beijing Tongmei: Nachdem der Antrag für ein Listing am Shanghai STAR Market Ende Juni zurückgezogen wurde, bereitet AXT nun den Börsengang an der Hong Kong Stock Exchange vor. In diesem Zusammenhang stehen Verhandlungen mit elf chinesischen Private-Equity-Fonds über potenzielle Rückforderungsansprüche im Raum; genannt werden rund 324,4 Millionen Renminbi. Gleichzeitig betont AXT, dass ausreichend Liquidität zur Verfügung steht, um Verpflichtungen bei Bedarf bedienen zu können. Am Aktienmarkt wirkten diese Nachrichten allerdings nicht als reiner Rückenwind: Nach der jüngsten Rally kam es zu deutlichen Gewinnmitnahmen, und das Papier gab zeitweise zweistellig nach.
Für das Gesamtbild ist schließlich interessant, wie sich die Erwartungen aus Analystensicht und das operative Ausblicksprofil überlagern. Needham bewertete den Wert am 31. Juli von „Hold“ auf „Buy“ hoch und nannte ein Kursziel von 90 US-Dollar, unter anderem mit Blick auf neue Verträge mit globalen Laser-Anbietern sowie eine starke Positionierung im chinesischen Netzwerk-Ökosystem. Wedbush bestätigte am 31. Juli die Einstufung „Outperform“ bei einem Kursziel von 93 US-Dollar und nannte das abgelaufene Quartal als Wendepunkt, weil die Deckung der KI-basierten Nachfrage technologisch besser adressiert werde. Für das dritte Quartal 2026 erwartet AXT zudem einen Umsatzanstieg auf 66 Millionen US-Dollar sowie einen bereinigten Nettogewinn zwischen 0,30 und 0,32 US-Dollar je Aktie. In Summe zeigt sich hier ein Muster: Hohe Investitionen in Kapazität und Lieferzusagen werden mit einem optimistischen Abverkaufs- und Margengerüst kombiniert – während der Kurs kurzfristig von Marktmechaniken wie Gewinnmitnahmen überlagert wird.
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