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Im Oktober war der Big-Brother-Container wieder bei Sat.1 zu sehen: mit täglichen Folgen zur Primetime, einer Late-Night-Show und einem 24-Stunden-Livestream auf Joyn. Für die Zuschauer bot Staffel 14 ein vertrautes Bild. Für das Unternehmen hinter dem Format war sie dagegen der Abschluss eines ungewöhnlichen Jahres.

Banijay, der Konzern hinter Big Brother, ist 2026 auch zu einem der größten Glücksspielkonzerne Europas geworden. Neben der Fernsehproduktion gehören inzwischen Online-Casinos, Poker und Sportwetten zum Geschäft. Sechs Fragen dazu, wem die Show gehört und womit der Konzern heute sein Geld verdient.

Wem gehört Big Brother?

Big Brother ist ein Format von Banijay. Entwickelt wurde es 1999 in den Niederlanden bei Endemol. Mit der Übernahme von Endemol Shine im Jahr 2020 ging es an den Konzern über, den der französische Unterhaltungsunternehmer Stéphane Courbit gegründet hatte.

Produziert wird die deutsche Ausgabe von EndemolShine Germany, einer Banijay-Tochter. Für Sat.1 ist die Sendung Teil einer längeren Geschichte, in deren Verlauf der Container mehrfach den Besitzer wechselte, während das Format im Kern gleich blieb.

Die Einschaltquoten zum Staffelauftakt fielen gemischt aus. Für Sat.1-Verhältnisse waren sie gut, beim Gesamtpublikum ließ das Interesse an der Realityshow jedoch nach. Spannender als die Einschaltquoten ist in diesem Jahr allerdings die Frage, welcher Konzern hinter der Produktion steht und welche Geschäfte er darüber hinaus betreibt.

Was hat Tipico mit einem Fernsehkonzern zu tun?

Seit dem 23. April gehört Tipico zum selben Konzern wie Big Brother. An diesem Tag schloss die Banijay Group die Übernahme ab und vereinte die Marke mit Betclic und Admiral unter dem Dach ihrer Sparte Banijay Gaming. Neuer CEO von Tipico ist Mate Bacic.

Nach eigenen Angaben ist die Gruppe gemessen am Umsatz inzwischen der viertgrößte Wett- und Glücksspielanbieter Europas und zählt in sechs Märkten, darunter Deutschland, zu den führenden Unternehmen. Hinter einer der bekanntesten Glücksspielmarken Deutschlands steht damit nun ein Name, den man in der Branche bislang vor allem aus dem Abspann von Fernsehsendungen kannte. Dass Tipico selbst gern ins Bewegtbild drängt, zeigte sich bereits im Frühjahr, als der Anbieter ankündigte, alle Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft im Livestream zu zeigen, obwohl die Telekom die Übertragungsrechte hält. Die Meldung verschwand kurz darauf wieder von der Website.

Für Banijay ist der Schritt allerdings kein völliges Neuland. Betclic gehört schon länger zum Konzern. Mit Tipico und Admiral kommen zwei Marken hinzu, die im deutschsprachigen Raum fest etabliert sind. Innerhalb eines Jahres ist aus einem Nebengeschäft ein zweites Standbein neben dem Fernsehgeschäft geworden.

Wie groß ist das Glücksspielgeschäft im Konzern?

Im ersten Quartal 2026 stammte mehr als ein Drittel des Konzernumsatzes aus dem Wett- und Glücksspielgeschäft. Der Quartalsbericht zeigt auch, wo das Wachstum herkommt: Casino und Poker legten kräftig zu, während die Umsätze in der Content-Produktion leicht zurückgingen.

Für Spieler ab 18 Jahren in Deutschland ist diese Seite des Geschäfts längst vertraut. Online-Slots und Casinospiele laufen heute auf Smartphones und Laptops, während Spielhallen mit ihren Automaten weiterhin zum Straßenbild deutscher Städte gehören. Beide sprechen das Interesse an Automatenspielen an. In Banijays Geschäftszahlen wächst derzeit vor allem das Spielen am Bildschirm besonders schnell.

Das Glücksspiel ist für den Konzern damit längst kein Randgeschäft mehr. Es ist derzeit die Sparte, die das Wachstum der gesamten Gruppe antreibt, und wächst schneller als jenes Geschäft, mit dem Banijay bekannt wurde: die Produktion von Sendungen wie Big Brother.

Und was passiert mit dem Fernsehgeschäft?

Auch das Fernsehgeschäft ist in diesem Jahr gewachsen, allerdings auf andere Weise. Am 9. Juli schloss Banijay Entertainment die Fusion mit All3Media ab, der britischen Produktionsgesellschaft im Besitz von RedBird IMI. Damit schließen sich zwei Unternehmen zusammen, die jeweils zahlreiche Produktionsfirmen und bekannte Formate aus vielen Ländern unter einem Dach vereint haben.

Das neue Unternehmen firmiert unter dem Namen Banijay Entertainment, hat seinen Sitz in London und bezeichnet sich als größte unabhängige Produktionsgruppe der Welt. Banijay Group und RedBird IMI halten jeweils 50 Prozent der Anteile; die Banijay Group konsolidiert das Unternehmen in ihrem Konzernabschluss. Verwaltungsratsvorsitzender ist Jeff Zucker, CEO ist Marco Bassetti und stellvertretende CEO Jane Turton.

Für deutsche Fernsehsender bleibt Banijay einer der wichtigsten Lieferanten von Sendungen und Formaten. Die Produktionssparte wird nun allerdings von London statt von Paris aus geführt, und der Formatkatalog ist deutlich umfangreicher als zuvor. Wer über neue Staffeln verhandelt, hat es inzwischen mit einem Unternehmen zu tun, das zugleich in großem Stil im Glücksspielgeschäft tätig ist.

Passen die beiden Geschäftsfelder zusammen?

Ein Container voller Prominenter und ein Anbieter von Sportwetten und Casinospielen wirken auf den ersten Blick wie zwei völlig verschiedene Welten. Beide verkaufen jedoch Unterhaltung für den Feierabend: die eine im Fernsehen, die andere auf dem Smartphone. Und beide leben davon, dass eine Marke vertraut wirkt und die Menschen immer wieder einschalten oder die App öffnen.

Für Banijay ergibt die Kombination deshalb wirtschaftlich Sinn. Die Produktionssparte liefert Formate und Bekanntheit, das Glücksspielgeschäft sorgt derzeit für Wachstum. Beide Bereiche sind darauf angewiesen, Marken über viele Jahre aufzubauen und zu pflegen.

Ob Fernsehzuschauer die Verbindung überhaupt wahrnehmen, ist eine andere Frage. Im Abspann von Big Brother steht EndemolShine Germany, nicht Tipico oder Betclic. Auch die Glücksspielmarken treten unter ihren eigenen Namen auf. Für den Konzern ist diese Trennung praktisch, weil jeder Geschäftsbereich seine eigene Zielgruppe ansprechen kann.

Was bedeutet das für die nächste Staffel?

Im Container selbst dürfte sich wenig ändern. Format und Produktion bleiben bei EndemolShine Germany, und Sat.1 bleibt der ausstrahlende Sender. Die nächste Staffel wird allerdings von einem Konzern kommen, dessen Glücksspielsparte schneller wächst als das Fernsehgeschäft.

Eine der bekanntesten Realityshows des deutschen Fernsehens und Wett- und Casinomarken wie Betclic und Tipico gehören inzwischen zum selben Konzern. Für die Medien- und Digitalbranche ist das eine Geschichte über Eigentumsverhältnisse und Geldströme, die nicht mit dem Ende einer Staffel aufhört.

Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, wie sich das Verhältnis der beiden Sparten weiterentwickelt. Schon jetzt ist klar: Der Konzern hinter Deutschlands bekanntestem TV-Container setzt inzwischen ebenso auf Online-Casino und Poker wie auf Einschaltquoten. Am Ende fließen beide Geschäftsfelder in dieselbe Bilanz ein.













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