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LONDON (IT BOLTWISE) – Der Bankanalyst Chris Whalen hat Ende September 2026 alle Bankaktien verkauft und den Fokus auf Edelmetalle sowie einkommensorientierte Anlagen verlagert. Sein Kernargument sind steigende Kreditkosten und eine sich eintrübende Kreditqualität bei Verbrauchern. Als kurzfristige Bestätigung betrachtet er die Entwicklung der Risikovorsorge bei einer großen US-Bank. Parallel knüpft er seine Goldthese an Notenbankpolitik, begrenztes Angebot und die Anlage-Logik eines Währungswettbewerbs.

Bankanalyst Chris Whalen verkauft Bankaktien und setzt auf Gold
Bankanalyst Chris Whalen verkauft Bankaktien und setzt auf Gold (Foto: IT BOLTWISE)
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Chris Whalen steht mit seiner Entscheidung im Spannungsfeld zweier Kräfte: Bankenaktien reagieren traditionell stark auf das Zusammenspiel aus Kreditqualität und Margen, während Gold eher über Geldpolitik, Währungswettbewerb und Angebot-Nachfrage-Mechaniken getrieben wird. Ende September 2026 verkaufte der Chef von Whalen Global Advisors nach den vorliegenden Angaben sämtliche Bankaktien und richtete das Kapital in Edelmetalle, Energiewerte sowie Einkommensanlagen. Gleichzeitig setzte er mit Verkaufsoptionen auf fallende Kurse einzelner Konsumentenkreditgeber, wobei die konkreten Namen in der Darstellung offenbleiben. Für Leser mit Blick auf Portfoliostrategien ist weniger die Umschichtung an sich entscheidend, sondern die Logik, mit der Whalen aus Quartalskennzahlen ein makroökonomisches Szenario ableitet.

Im Zentrum seiner Argumentation steht die Kreditqualität. Whalen verweist darauf, dass die Kreditausfälle über fast acht Quartale in Folge gesunken seien und Bankaktien deshalb „etwas zu teuer“ wirkten. Seine Brücke zur Gegenwart schlägt er über die beiden entscheidenden Größen im Bankgeschäft: Steigen die Kreditkosten, sinken die Gewinne – und genau dieser Mechanismus belastet dann typischerweise auch die Aktienbewertung. Für den Übergang zur nächsten Phase erwartet Whalen nach eigener Darstellung mehr Zahlungsausfälle bei Verbrauchern. Als Treiber nennt er höhere Energiepreise, die die Haushaltsbudgets zusätzlich strapazieren, wodurch auch bei an sich bereits entspanntem Ausfalltrend eine neue Belastung entstehen könne.

Konkretere Anhaltspunkte sucht Whalen in der Berichtssaison zum dritten Quartal. In den vorliegenden Zahlen zeigte sich zwar operativ zunächst Stärke: Der Nettoumsatz von Goldman Sachs stieg im dritten Quartal 2026 um 23 Prozent auf 18,68 Milliarden US-Dollar, getragen von einem starken Kapitalmarktgeschäft. Gleichzeitig stieg die Risikovorsorge deutlich: Sie kletterte auf 368 Millionen US-Dollar gegenüber 102 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal und 339 Millionen US-Dollar ein Jahr zuvor. Laut der Darstellung lag der Grund vor allem in Wertberichtigungen auf Firmenkredite. Interessant ist dabei die zeitliche Einordnung der Konsumententhese: Das Verbrauchergeschäft spiele bei Goldman Sachs kaum noch eine Rolle, seit das Kreditkartenportfolio im vierten Quartal 2025 veräußert wurde. Damit ist das Beispiel kein „Beweis“ für Whalens Fokus auf Konsumentenkredite – aber es passt zu seiner breiteren Botschaft, dass die Vorsorgebelastung auch außerhalb des klassischen Retail-Segments wieder anziehen kann.

Aus Sicht der Marktmechanik funktioniert Whalens Wette als asymmetrische Positionierung. Er habe Gold und Silber bereits zuvor im Jahr 2026 bei schwächeren Preisen aufgestockt, und die Erwartung lautet, dass das Aufwärtspotenzial im Edelmetallumfeld deutlich größer sei als das unmittelbare Risiko. Der strategische Unterbau: Notenbanken bewegten sich weg vom US-Dollar und hin zu Gold, weil sie eine Reserve wollten, die nicht von der Kontrolle eines einzelnen Landes abhängig ist. Als Beispiel wird genannt, dass die chinesische Notenbank im September 2026 ihre Goldbestände um 740.000 Unzen auf 77,47 Millionen Unzen erhöht habe – der stärkste Monatszuwachs seit drei Jahren und der 23. Zukauf in Folge. Whalen bewertet das allerdings nicht als Ende des US-Dollars als Leitwährung, sondern eher als Zunahme der Konkurrenz durch andere Papierwährungen. Neben der Nachfrageseite betont er außerdem das knappe Angebot: Große Produzenten müssten möglicherweise früher oder später kleinere Explorer übernehmen, um die Förderung stabil zu halten.

Für Privatanleger und Vermögensverwalter ist dabei vor allem die praktische Umsetzung relevant. Whalen vermeidet Minenwerte wegen des operativen Risikos und setzt sein Minenengagement überwiegend über ETFs um. Für ein Rentnerpaar nennt er als Leitidee laufende Erträge als Priorität und sieht zusätzlich einen Goldanteil von fünf bis zehn Prozent über einen ETF mit Goldbezug vor – ohne die Notwendigkeit, zwingend in Minenaktien zu gehen. Das ist insofern konsistent mit dem historischen Verhalten vieler Rohstoff- und Edelmetallpositionen: Physisch unterlegte oder breit abgesicherte Vehikel reduzieren einen Teil des unternehmensspezifischen Risikos, das bei einzelnen Bergbauunternehmen stark streuen kann. Gleichzeitig lässt sich die Bankrotations-These nicht sauber „testen“, ohne die Bewertungs- und Makrovariablen zusammen zu betrachten; genau deshalb stützt Whalen seine Sicht auf die Kombination aus Kreditkostenpfad und Notenbankreaktionen.

Sein nächster Prüfstein liegt bei der Geldpolitik. Nach der Zinserhöhung im September 2026 erwartet Whalen nicht, dass Notenbankchef Kevin Warsh die Zinsen erneut anheben will. Stattdessen deutet er an, dass eine sich abkühlende Wirtschaft bis zum ersten Quartal 2027 Zinssenkungen erzwingen könnte. Danach soll die Notenbank wieder Staatsanleihen kaufen müssen – im Bild der Phase während und unmittelbar nach der Pandemie. Auf dem Weg dorthin betrachtet er die Zinsentscheidung der Fed am Mittwoch zum Abschluss ihrer zweitägigen Sitzung als den nächsten belastbaren Datenpunkt. Für den Markt wird eine Pause als wahrscheinlich beschrieben; aufschlussreich dürfte aus Whalens Sicht vor allem sein, ob Warsh die Tür für weitere Erhöhungen offenhält oder erste Signale Richtung Lockerung sendet. Bis dahin bleibt seine Strategie eine Wette darauf, dass sich die Gewinnlogik der Banken durch steigende Kreditkosten spürbar verschlechtert – während Gold von einer Notenbank-Perspektive auf „Reserve statt Ein-Kanal-Abhängigkeit“ profitiert.

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