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LONDON (IT BOLTWISE) – Bitwise-CIO Matt Hougan setzt in drei durchgespielten Makroszenarien auf Bitcoin als Gewinner. Entscheidend ist für ihn, wie sich KI-Überfluss oder ein KI-Crash auf Wachstum, Zinsen und die Geldpolitik auswirken. In seinem zweiten Szenario soll selbst ein Crash nach 2008/2020-Logik am Ende von Notenbankmaßnahmen profitieren. Am Mittwoch liefert die Fed-Zinsentscheidung den ersten Realitätscheck für die These.

Bitwise-CIO Matt Hougan: Bitcoin gewinnt in drei Makroszenarien
Bitwise-CIO Matt Hougan: Bitcoin gewinnt in drei Makroszenarien (Foto: IT BOLTWISE)
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Matt Hougan, Investmentchef des Krypto-Asset-Verwalters Bitwise, versucht sich nicht an einer einzelnen Prognose, sondern an einer Art „Weggabelungs“-Modell für die Makrolage. In seinem wöchentlichen Memo vom 14. Oktober, das er auch über soziale Netzwerke teilt, stellt er die Frage, was Bitcoin erlebt, wenn die Fed Zinsen anhebt und damit eine Rezession auslöst, wenn Inflation trotz stabiler Zinsen anzieht oder wenn eine KI-getriebene Übertreibung platzt. Seine Kernaussage ist dabei bewusst provokant: Praktisch jeder dieser wirtschaftlichen Pfade soll langfristig zu höheren Bitcoin-Notierungen führen. Genau das passt in einen Markt, der derzeit zugleich von Zins- und Inflationssorgen belastet wird.

Hougan verankert seine Argumentation in einer Logik, die auf knapper Kapitalbeschaffung für „Wert, der nicht beliebig vervielfältigbar ist“ hinausläuft. Im ersten von drei Szenarien bekommt die Welt durch den KI-Boom gewissermaßen eine Aura des Überflusses: Produktivität und Wirtschaftsleistung steigen, viele Leistungen, die heute noch stark von menschlicher Arbeit abhängen, werden durch KI-gestützte Software günstiger. Aus seiner Sicht kippt damit der Wert nicht automatisch in „intelligente“ Unternehmen oder kurzfristige Ertragsmodelle, sondern wandert stärker zu den Dingen, die sich nicht beliebig skalieren lassen. Dazu zählt er Grundstucke am Wasser, große Kunst, Gold – und eben Bitcoin. Für Anleger wäre das der angenehmste Pfad, weil das Setup ohne den Umweg über eine ausgeprägte Krise auskommen könnte.

Das zweite Szenario ist das brisanteste, weil es Hougans These auf den Prüfstand stellt, wenn KI-Fantasien abgekühlt werden. Platzen der KI-Blase heißt für ihn: Wachstumswerte geraten unter Druck, die Weltwirtschaft rutscht in eine Rezession, Kreditnehmer aus dem Rechenzentrumsbau fallen aus, und auch Versicherer mit milliardenschweren KI-Anleihen geraten ins Stolpern. Hougan räumt ein, dass Bitcoin in der Anfangsphase wie andere Risikoanlagen fallen kann. Seine Argumentation dreht aber danach in die Richtung der Notenbankpolitik: Er erwartet Zinssenkungen, eine Ausweitung der Notenbankbilanzen und ein Rettungspaket – und er verweist dabei gedanklich auf die Finanzkrisenlogik von 2008 sowie spätere staatliche Stützungsmaßnahmen in anderen Stressphasen. In diesem Rahmen soll die Geldmenge anschwellen, während Bitcoin dann kräftig zulegt.

Besonders wichtig ist dabei die Zeitachse: Bitcoin müsste in Hougans zweitem Szenario nicht „ohne Turbulenzen“ steigen, sondern nach dem Muster „erst Risikoabverkauf, dann Liquiditätsschub“. Hougan schätzt die Wahrscheinlichkeit eines solchen Eingriffs auf nahezu 100 Prozent. Gleichzeitig bleibt das eine Annahme, und genau an dieser Stelle dürfte die Debatte in der Praxis ansetzen: Ob Regierungen und Notenbanken bei höherer Inflation ebenso entschlossen reagieren wie in früheren Krisenphasen, ist keineswegs automatisch. Als zusätzliche Marktsignale führt Hougan ein Beispiel aus der Finanzbranche an: Larry Fink, Chef von BlackRock, warnte am 14. Oktober sinngemäß davor, dass ein Baustopp bei Rechenzentren die USA in eine Rezession drücken könnte. Damit wird sichtbar, wie eng KI-Investitionen, Kreditzyklen und makroökonomische Erwartungen miteinander verflochten sind.

Das dritte Szenario wirkt dagegen „unspektakulär“, umso mehr, weil es die Aufmerksamkeit auf Dauermechanik lenkt statt auf Schockereignisse. Die Weltwirtschaft wächst laut Hougan um rund drei Prozent, die Zinsen liegen bei etwa vier Prozent, die KI sorgt für Zusatzwachstum, und KI-Schulden werden planmäßig bedient. Bitcoin gewinnt dann vor allem, weil er in diesem Szenario einfach präsent ist und Zuflüsse einsammeln kann: über ETFs, durch wachsende Akzeptanz bei Vermögensberatern, über Käufe von Unternehmen und Staaten sowie durch eine weiter steigende Staatsverschuldung. Dass der Weg über ETFs zumindest zeitweise funktionieren kann, stützt Hougan mit einem Zahlenbeispiel aus den USA: In dem von ihm zitierten dritten Quartal 2026 sollen Bitcoin-ETFs netto rund sechs Milliarden US-Dollar zugeflossen sein, nachdem zuvor viele Monate Abflüsse dominiert hatten.

So überzeugend die Dreierskizze in sich wirkt, setzt Hougan zugleich Grenzen – und genau die sind für Anleger kurzfristig relevanter als die langfristige Schlussfolgerung. Selbst bei seiner Grundthese dürfte der Weg nicht geradlinig sein: Er nennt den Pandemieschock Anfang 2020 als Beispiel dafür, wie Bitcoin binnen Tagen etwa die Hälfte seines Werts einbüßte, bevor der Kurs später stark anzog. Zudem könnten externe Risiken die Makro-Logik entkoppeln: Quantencomputer könnten ältere Wallets angreifbar machen, Regierungen könnten koordiniert gegen Kryptowährungen vorgehen oder westliche Staaten könnten wieder stärker auf Sparsamkeit und solide Geldpolitik setzen. Hougan hält diese Gegenkräfte für unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Der nächste harte Stresstest folgt bereits mit der Fed-Zinsentscheidung: Eine Zinserhöhung in einem Umfeld anziehender Inflation soll zeigen, ob Bitcoin kurzfristig eher wie eine Risikoanlage reagiert oder eher wie ein Wertspeicher, den er in seiner These betont.

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