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LONDON (IT BOLTWISE) – Das Pentagon treibt ein Konzept voran, nach dem große US-Militärstandorte im Ernstfall mindestens 90 Tage ohne externe Hilfe auskommen sollen. Dafür sollen Stromnetze entkoppelt, zugleich Wasser-, Treibstoff- und Kommunikationsfähigkeit abgesichert und Lieferketten über mehrere Produktionspfade abgesichert werden. Parallel startet in Großbritannien eine „Be Ready“-Kampagne, die Haushalte zu 72 Stunden Vorräten an Wasser, haltbaren Lebensmitteln, Bargeld und Kommunikationsmitteln anleitet. Im Hintergrund steht die Sorge, dass Cyberangriffe und logistische Störungen den Zugriff auf kritische Dienste unterbrechen können.

US-Militär plant 90 Tage ohne Stromnetz – und Großbritannien fordert 72-Stunden-Vorsorge
US-Militär plant 90 Tage ohne Stromnetz – und Großbritannien fordert 72-Stunden-Vorsorge (Foto: IT BOLTWISE)
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Das Pentagon arbeitet an einer Zielvorgabe, die man früher vor allem aus Katastrophenschutz-Szenarien kannte: Große US-Militärstandorte sollen im Konfliktfall für mindestens 90 Tage ihren Betrieb auch dann aufrechterhalten können, wenn Versorgungsketten und externe Infrastrukturen ausfallen. Laut den im Text beschriebenen internen Planungsdokumenten wird dazu ein Anforderungspaket entwickelt, das unter dem Akronym FORTRESS läuft – Federal Operations for Resilience, Troop Resources, Energy, Supply and Survivability. Der Kern ist dabei nicht nur „Durchhalten“, sondern die technische Fähigkeit, essenzielle Funktionen eigenständig am Standort zu sichern, bis externe Hilfe wieder verfügbar ist.

Technisch verknüpft FORTRESS mehrere Ebenen: Die Planung geht über den reinen Strombezug hinaus. Ein zentrales Versprechen des Programms ist, dass große Installationen eigene Energie erzeugen sollen – unabhängig vom zivilen Stromnetz. In der weiteren Ausgestaltung werden außerdem Wasser, Treibstoff und Kommunikationswege adressiert, weil gerade diese Ketten im Ernstfall oft schneller reißen als einzelne Geräte oder einzelne IT-Server. Die im Artikel erwähnte Vision umfasst portable Kernreaktoren, großskalige Batteriespeicher und Microgrids, die sich vom zivilen Verbundnetz trennen können. Damit verschiebt sich das Risiko von „Netzverfügbarkeit“ hin zu „Standort-Fähigkeit“, also zu einem lokalen Energiemanagement, das auch unter Störungen zuverlässig bleibt.

Auch organisatorisch ist die 90-Tage-Forderung deutlich strenger als die ursprünglich genannte Selbstversorgung nur für die Stromkomponente. FORTRESS sieht dafür Reservebestände vor, darunter Munition, Treibstoff, kritische Rohstoffe, Elektronik, Ersatzteile und medizinische Versorgung. Entscheidend ist zudem ein methodischer Ansatz gegen Einpunkt-Ausfälle: Für besonders kritische Abhängigkeiten soll es mindestens zwei qualifizierte Wege geben, also alternative Lieferanten oder Produktionspfade, damit der Ausfall einer einzelnen Produktionsstätte den Gesamtbetrieb nicht stoppt. Ergänzend wird auf bestehende Programme gesetzt, etwa auf das Civil Reserve Manufacturing Network, das im Text als in FORTRESS „eingefaltet“ beschrieben wird. Die Grundidee: Man identifiziert vorab kommerzielle Fabriken, die in einer Krise auf Verteidigungsfertigung umschalten können – samt technischen Spezifikationen, Cyber-Schutzmaßnahmen, Vertragsmechanik und Umstellungsabläufen.

Als Risikoanker nennt der Text nicht eine bestimmte Zielmacht, sondern beschreibt eine Lage, die vor allem über Cyberoperationen und die mögliche Kopplung an kritische Infrastrukturen greifbar wird. In einer im Artikel erwähnten gemeinsamen Warnung von CISA, NSA und FBI wird das Muster „Volt Typhoon“ beschrieben: staatlich unterstützte Akteure hätten IT-Netzwerke in Kommunikations-, Energie-, Transport- und Wassersektoren kompromittiert. Die Darstellung hebt dabei den möglichen Zweck hervor, wesentliche Dienste während eines künftigen Konflikts zu stören. Dass Microsoft die Aktivität laut Text bereits 2023 erstmals auffällig machte, unterstreicht vor allem den Zeitfaktor: Selbst wenn ein Konflikt nicht sofort beginnt, können Vorbereitungen in Softwaresystemen und Netzsegmenten lange vorher getroffen werden.

Der Plan bleibt dabei finanziell und zeitlich offen. Der Text nennt keine veröffentlichten Gesamtkosten oder einen verbindlichen Zeitplan. Eine seniorennahe Darstellung im Artikel verweist darauf, dass man den Bedarf für rund 500 Basen im kontinentalen US-Gebiet derzeit bewertet und dass die vollständige Umsetzung nach Einschätzung der Berichtserwähnung Jahrzehnte dauern könne. Auch die Größenordnung der Investitionen wird nur als Bandbreite beschrieben: Branchenkommentare im Artikel stufen die Kosten auf „zehn(en) bis mehrere hundert Milliarden US-Dollar“ ein – je nachdem, wie umfassend die Energie- und Versorgungsarchitektur auf allen Standorten tatsächlich nachgezogen werden muss. Für die Praxis bedeutet das: Es geht nicht nur um einzelne Demonstratoren, sondern um ein langlaufendes Umbauprogramm für Infrastruktur, Beschaffung und IT-Härtung.

Während die USA intern ihre Standortresilienz auf 90 Tage ausrichten, läuft in Großbritannien parallel eine Vorsorgekampagne, die den Fokus auf Haushalte legt. „Be Ready“ wurde im Text als britische Initiative mit Start am 22. Oktober beschrieben und setzt auf einen Zeitraum von drei Tagen: empfohlen werden pro Person drei Liter Trinkwasser täglich sowie nicht verderbliche Lebensmittel ohne Kochen oder Kühlung. Dazu kommen Taschenlampen, Powerbanks, Erste-Hilfe-Material, Radios mit Batterie oder Kurbelbetrieb sowie Futter und Wasser für Haustiere. Ein zusätzlicher Punkt ist Bargeld: Haushalte sollen Geld bereithalten, falls Kartenzahlungen oder Geldautomaten zeitweise ausfallen. Die Kampagne gilt dabei laut Text als erste Phase einer dreijährigen Reihe, die auch schwere Wetterlagen und andere Notfälle abdeckt; sie ist also nicht als singnalartiger „Kriegsalarm“ im Sinne eines einzigen Tagesereignisses zu verstehen.

Bemerkenswert ist jedoch die Tonlage auf Regierungsebene. Im Artikel wird beschrieben, dass Verteidigungsressorts in Großbritannien deutlicher formulieren, als man es aus reinen Katastrophenschutzkommunikationen kennt: Es gehe um die Annahme, dass Gegner bis spätestens 2030 über die Kraft und die Kriegswirtschaft verfügen könnten, um anzugreifen. Als Treiber werden dabei nicht nur feindliche Staaten genannt, sondern auch Cyberangriffe, organisierte Kriminalität und der Einfluss des Klimawandels. Gleichzeitig zeichnet der Text ein Bild, in dem „Hybrid Warfare“ weniger als Schlagwort, sondern als konkrete Kombination aus Cyberoperationen, Sabotagerisiken und Angriffen unterhalb formaler Kriegsschwellen verstanden wird. Für die technische und operative Realität heißt das: Resilienz wird zunehmend als End-to-End-Thema betrachtet – vom Netz über Kommunikationsdienste bis hin zu Versorgung im Alltag. Genau in diesem Schnittfeld liegt auch die Überschneidung zwischen FORTRESS und „Be Ready“: Wenn Strom, Netze und Logistik ausfallen, entscheidet die lokale Vor-Ort-Fähigkeit darüber, ob Systeme weiterlaufen oder stillstehen.

In anderen Regionen ist ein ähnlicher Gedanke erkennbar. Der Text erwähnt, dass die Europäische Kommission im Frühjahr 2025 eine Vorbereitungstrategie vorgestellt habe, die Leitlinien für mindestens 72 Stunden Notfallvorräte vorsieht. In den USA wird zudem auf eine jährliche Preparedness-Kampagne verwiesen, die laut Artikel bereits seit dem Jahr 2004 existiert und 2024/2025 im Kontext des Notfallmanagements aktualisiert wird. Der Unterschied zur aktuellen Debatte liegt weniger darin, dass Regierungen künftig „Vorräte“ empfehlen, sondern darin, dass Cyberrisiken und die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur stärker in den Vordergrund rücken. Damit wird Resilienz zu einer Systemarchitektur-Frage: Standorte müssen Energie, Wasser, Kommunikation und Nachschub so planen, dass der Ausfall zentraler Knoten nicht den gesamten Betrieb kippt – und Haushalte müssen in der Lage sein, die Zeitspanne bis zur Wiederherstellung kritischer Dienste zu überbrücken.

Für Unternehmen, Dienstleister und Zulieferer, die in Energiesysteme, IT-Sicherheitsumgebungen oder Logistik integrierbar sind, steckt in beiden Strängen ein Signal: Die Beschaffungs- und Umstellungsfähigkeit wird zu einem Wettbewerbsfaktor. Wenn – wie im Text beschrieben – Produktionspfade vorab qualifiziert und Umstellungen vertraglich und technisch vorbereitet werden, steigt die Bedeutung von Auditierbarkeit, definierter Schnittstellenfähigkeit und klaren Sicherheitskonzepten. Gleichzeitig wird die Nachfrage nach Hardware- und Systemkomponenten, die sich in Microgrids, in Offline-Betriebsszenarien oder in Notfallkommunikation einsetzen lassen, strategischer. Wer solche Fähigkeiten nicht nur im Labor, sondern in Betriebsabläufen nachweisen kann, sitzt im nächsten Resilienzzyklus eher am richtigen Tisch.

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